Die Aktie von Siemens Energy gehört am Dienstag zu den größten Verlierern im DAX. Das führt dazu, dass sich der Kurs nun gefährlich einer wichtigen Chartmarke nähert. Was Anleger jetzt wissen müssen.

Die Aktie von Siemens Energy verliert am Dienstag zeitweise 4,3 Prozent und fällt unter 143 Euro. Damit rutscht der DAX-Wert nicht nur unter die psychologisch viel beachtete Marke von 150 Euro, sondern auch unter die 200-Tage-Linie, die bei 143 Euro verläuft. Sollte die Aktie auch zum Handelsende darunter schließen, wäre das ein ernstes Alarmsignal, weil viele Anleger und vor allem automatisierte Handelssysteme ein Durchbrechen der 200-Tage-Linie als die Verkaufssignal interpretieren. Weiteres Alarmzeichen: Auf Wochensicht summiert sich das Minus nun schon auf fast zehn Prozent.

Siemens Energy (WKN: ENER6Y)

Ist die Zeit zum Ausstieg gekommen?

Gegenüber dem Jahresanfang steht die Aktie zwar noch 18,5 Prozent im Plus. Doch vom Allzeithoch, das Siemens Energy im April mit 191,66 Euro erreichte, hat der Kurs nun schon mehr als 25 Prozent eingebüßt. Viele Anleger fragen sich deshalb, ob sie nun beginnen sollten, ihre verbliebenen Gewinne mitzunehmen.

Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Denn die Gründe für die jüngsten Kursverluste liegen weniger bei Siemens Energy als im Wettbewerbsumfeld. Zum einen war da der US-Konkurrent GE Vernova, der in der vergangenen Woche vor Unsicherheiten in seinem Windkraftgeschäft warnte, was auf den gesamten Sektor ausstrahlte.

Zusätzlich belastet wird der Kurs von den wachsenden Zweifeln an Sinn und Refinanzierung der massiven KI-Investitionen. Der immense Strombedarf der KI-Branche hat die Kurse von Siemens Energy und seinen Mitbewerbern seit Monaten mit nach oben getrieben. Gasturbinen zum Beispiel sind deshalb über Jahre ausverkauft. Sobald Zweifel am Ausbautempo der KI-Rechenzentren aufkommen, trifft das logischerweise auch die Umsatz- und Gewinnaussichten der Zulieferer für die Stromerzeugungs- und -übertragungstechnik.

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Positive Nachrichten aus dem operativen Geschäft

Siemens Energy selbst hat sich dagegen nichts zuschulden kommen lassen – im Gegenteil. Der Energiekonzern liefert weiterhin konstant positive Nachrichten. So will man mit der Umfirmierung des Windkraftgeschäfts unter dem Markennamen „Omterra“ künftig vor allem Lizenzgebühren einsparen, die der Konzern bislang für die Nutzung des Namens „Siemens“ zahlen muss. Sie belaufen sich immerhin auf rund 300 Millionen Euro im Jahr. 

Operativ erhielt das Unternehmen im Juni zusammen mit Partnern den Zuschlag für die Offshore-Konverterplattform North Sea Connector 2 des deutschen Netzbetreibers 50Hertz. Das Windkraft-Projekt in der Nordsee soll eine Leistung von zwei Gigawatt erreichen und Ende 2034 in Betrieb gehen.

Gebanntes Warten auf die Quartalszahlen

Das wohl entscheidende Datum für die Kursentwicklung in den kommenden Monaten ist der 5. August. Dann wird Siemens Energy seine Zahlen für das dritte Quartal seines abweichenden Geschäftsjahres vorlegen, das am 30. September endet. Gelingt es dem Konzern dann, alle Zweifel auszuräumen, könnte sich der Durchbruch der 200-Tage-Linie als charttechnisches Fehlsignal entpuppen. Sollten aber auch die Münchener die Euphorie etwas bremsen und vorsichtiger werden, könnte sich der Abwärtstrend sogar verfestigen.

Fülle von Kaufempfehlungen

Die Analysten, die das Unternehmen beobachten, glauben das jedoch nicht: In den vergangenen sieben Tagen haben gleich mehrere Bankhäuser ihre positive Einschätzung bekräftigt. UBS-Analyst Christopher Leonard stufte die Aktie erst am 20. Juli von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und erhöhte sein Kursziel von 175 auf 210 Euro. Als Begründung verwies er auf das langfristige Ertragspotenzial im Gasturbinen-Servicegeschäft. Deutsche Bank Research bestätigte am 27. Juli die bestehende Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 200 Euro. JPMorgan wiederholte sein Votum „Overweight“ und bezeichnete den jüngsten Rücksetzer als „fundamental nicht gerechtfertigt“.

BÖRSE ONLINE hatte die Aktie zuletzt in Heft 22/2026 empfohlen. Allerdings wurde der dort genannte Stoppkurs mittlerweile gerissen. Damit ist Siemens Energy vorerst keine laufende Empfehlung mehr.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht SIemens Energy?

Siemens Energy ist ein weltweit führender Energietechnikkonzern, der die gesamte Energiewertschöpfungskette abdeckt: von der Stromerzeugung (konventionell und erneuerbar) bis zur Übertragung und Speicherung. Das Unternehmen baut Gasturbinen, Windkraftanlagen, Transformatoren und bietet Lösungen für Wasserstoff sowie Netztechnik an, um n ach eigeen Angaben die Dekarbonisierung der Industrie zu unterstützen.


Was verbindet Siemens Energy mit dem Siemens-Konzern?

Die Siemens AG hat ihre Kraftwerkstechnik im Jahr 2020 unter dem Namen Siemens Energy abgespalten. Die Aktien werden seit September 2020 an der Börse gehandelt. Im April 2026 hielt Siemens noch 5,44 Prozent der Anteile. Für die Nutzung des Namen "Siemens" zahlt Siemens Energy immer noch Lizenzgebühren.


Wann endet das Geschäftsjahr bei Siemens Energy?

Das Geschäftsjahr aller Siemens-Gesellschaften weicht vom Kalenderjahr ab und endet jeweils am 30. September. Das ist auch bei früheren Töchtern der Siemens AG wie Infineon, Siemens Energy oder Siemens Healthineers so.