Die Raumfahrtbranche verliert an der Börse derzeit deutlich an Schwung. Nach dem Hype rund um den SpaceX-Börsengang geraten auch OHB und Rocket Lab unter Druck. Was Anleger jetzt wissen müssen.
Weltraumaktien sind in den vergangenen Tagen deutlich unter Druck geraten. Am Montag fiel OHB zeitweise erneut um rund 5,7 Prozent und steuerte damit auf den fünften Verlusttag in Folge zu. Die Aktie ist damit so günstig zu haben wie zuletzt Anfang März.
Auch SpaceX und Rocket Lab standen zuletzt auf den Verkaufslisten. Das deutet darauf hin, dass es nicht nur die Schwäche einzelner Unternehmen handlet oder eta die auslaufenden Lock-up-Fristen bei SpaceX den Kurs drücken. Der gesamte Sektor verliert gerade an Momentum, weil Anleger die hohen Bewertungen und die ambitionierten Zukunftsversprechen neu bewerten.
SpaceX zurück im Alltag
SpaceX war in diesem Jahr ohne Frage der größte Kurstreiber der Branche. Nach dem Börsengang im Juni schoss die Aktie zunächst bis auf 225,64 US-Dollar. Der Ausgabepreis hatte bei 135 US-Dollar gelegen. Inzwischen ist die Euphorie jedoch weitgehend verpufft: Die SpaceX-Aktie fiel zeitweise deutlich unter ihren Ausgabepreis und kämpft nun erneut mit dieser Marke.
Keine Frage: SpaceX verfügt mit Raketenstarts, Starlink und seinen KI-Plänen über eine außergewöhnliche Wachstumsstory. Doch die Bewertung setzt voraus, dass das Unternehmen diese Bereiche nahezu fehlerfrei skaliert und langfristig hohe Cashflows erzielt. Morgan Stanley sieht SpaceX zwar grundsätzlich positiv und nennt ein Kursziel von 300 US-Dollar. Raymond James geht mit 800 US-Dollar sogar noch deutlich weiter. Gleichzeitig erwartet Morgan Stanley nach den vorliegenden Schätzungen erst ab 2035 einen positiven freien Cashflow. Morningstar taxiert den fairen Wert dagegen weiterhin nur auf 62 US-Dollar.
Diese enorme Spanne zeigt das Kernproblem: Bei SpaceX handelt es sich um eine Wette auf die nächsten zehn Jahre. Sobald der Markt risikoaverser wird, geraten solche Titel besonders stark unter Druck.
OHB fällt den fünften Tag in Folge
Beim deutschen Vertreter OHB kommt zur allgemeinen Sektorschwäche ein technisches Verkaufssignal hinzu. Die Aktie sackte bereits Ende vergangener Woche unter die 21- und 200-Tage-Linie. Diese sind wichtige Indikatoren für den kurz- beziehungsweise langfristigen Trend. Folgerichtig verlor der Kurs am Montag weiter auf 207,50 Euro.
Im bisherigen Jahresverlauf steht trotzdem immer noch ein Kursplus von 78 Prozent zu Buche. Denn der SDAX-Titel war zuvor stark von der Fantasie rund um den SpaceX-Börsengang und vom allgemeinen Interesse an Raumfahrtwerten getrieben worden. Nun zeigt sich: Sobald der Nachrichtenfluss schwächer ausfällt, drehen auch solche Aktien nach unten.
OHB bleibt operativ interessant, ist aber kein reiner Momentumwert mehr. Anleger achten wieder stärker auf die harten Fakten wie Auftragseingang, Margen, Cashflow und die Bewertung. Die Rückkehr zu fundamentalen Kriterien belastet derzeit den gesamten Sektor.
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Rocket Lab ebenfalls anfällig
Deshalb geriet auch Rocket Lab in der vergangenen Woche unter Druck. Das Unternehmen gilt als einer der wichtigsten börsennotierten Pure Plays im Raumfahrtsektor und profitiert von einer steigenden Nachfrage in seinen drei Segmenten Satellitenstarts, Raumfahrtsystemen und Verteidigungsaufträgen.
Kurzfristig ist die Aktie jedoch anfällig für Gewinnmitnahmen. Denn auch Rocket Lab wird stark über sein künftiges Wachstum bewertet. Verzögerungen bei Starts, steigende Entwicklungskosten oder ein langsamerer Auftragseingang können deshalb überproportional auf den Kurs wirken.
Im Unterschied zu SpaceX fehlt Rocket Lab zudem die finanzielle und operative Breite. Das Unternehmen muss den Ausbau seiner Startsysteme und Raumfahrtplattformen regelmäßig finanzieren, während der Markt zugleich Belege für eine bessere Ertragskraft sehen will. Das macht die Aktie in einer Korrekturphase verwundbar.
Analystenzunft gespalten
Die Kursziele für SpaceX verdeutlichen, wie uneinig der Markt über die Branche ist. Auf der einen Seite stehen Analysten, die SpaceX als künftiges Infrastrukturunternehmen von historischer Bedeutung betrachten. In den Studien der skeptischeren Experten fallen die Prognosen angesichts hoher Investitionen, anhaltender Verluste und eines erst in ferner Zukunft erwarteten Cashflows deutlich vorsichtiger aus.
Für Rocket Lab und OHB gilt in abgeschwächter Form Ähnliches: Die langfristige Nachfrage nach Raumfahrtleistungen steigt weiter, doch nach der Kursrally müssen die Unternehmen nun beweisen, dass aus Aufträgen sehr bald auch berechenbare Margen und freie Mittel werden.
Darauf achten Anleger jetzt
Quartalszahlen werden alle drei Unternehmen erst im November wieder melden. Solange dürfte der Nachrichtenfluss vor allem bei OHB und Rocket Lab eher dünn ausfallen – was eher nicht gut für die Aktienkurse ist. Wer noch auf einen Einstieg lauert, dem bieten sich in den kommenden Wochen vermutlich gute Gelegenheiten. Allerdings sollten alle drei Aktien dazu charttechnisch erst einmal einen klaren Boden ausbilden. OHB und Rocket Lab sollten zudem vorher die 200-Tage-Linie zurückerobern. Sonst wäre ein Nachkauf ziemlich riskant.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich die Produktportfolios von SpaceX und Rocket Lab?
SpaceX und Rocket Lab unterscheiden sich stark in ihrer Größe, ihrer technologischen Ausrichtung und ihrem Grad an Eigen- und Fremdnutzung. Während SpaceX den Markt für schwere Trägerraketen und globale Satelliten-Internetdienste dominiert, positioniert sich Rocket Lab als flexibler Anbieter für Kleinsatelliten, Subsysteme und kleinere bis mittlere Raketenstarts. Außerdem betreibt SpaceX das Komunikations-Satellitennetzwerk Starlink und ist mit xAI ("Grok") auch im Geschäft der KI-Hyperscaler vertreten.
Welche Raketen baut SpaceX?
SpaceX: Setzt auf die teil-wiederverwendbare Falcon 9 und die schwere Falcon Heavy für Großnutzlasten sowie auf das sich in der Entwicklung befindliche, vollständig wiederverwendbare Starship-System für interplanetare Missionen. All Raketensyteem werden oder sollen regelmäßig von der NASA verwendet werden.
Welche Raketen baut Rocket Lab?
Rocket Lab betreibt die leichte Kleinrakete Electron (einen Marktführer im Small-Sat-Segment) und das suborbitale Testfahrzeug HASTE. Außerdem entwickelt das Unternehmen eine mittelgroße, wiederverwendbare Rakete Neutron als Konkurrenzmodell zur Falcon 9.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.