Diesel ist Deutschland und auch in den USA derzeit so teuer wie noch nie. Das liegt zwar auch am steigenden Ölpreis, die größten Gewinne machen aber die Raffinerien. Zeit, einmal einen Blick auf die interessantesten Raffinerie-Aktien zu werfen.
Der Dieselpreis hat in Deutschland am Donnerstag einen neuen Rekordstand erreicht: Im bundesweiten Durchschnitt kostete der Liter 2,471 Euro. Davon entfallen allerdings nur etwa 23 Cent auf den Preisanstieg bei Rohöl, inklusive Mehrwertsteuer. Doppelt so viel, rund 45 Cent, macht dagegen die gestiegene Raffineriemarge aus. Dieser sogenannte Diesel-Crack-Spread bezeichnet die Differenz zwischen Rohöl und dem fertigen Kraftstoff.
Da stellt sich die Frage: Kann man als Anleger davon profitieren? Und wenn ja, wie?
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Risiken in Europa durch Übergewinnsteuer
Zunächst einmal betreiben alle großen Ölkonzerne Raffinerien. Wer also Aktien von BP, Shell, Totalenergies, Chevron oder Exxon kauft, profitiert sowohl vom steigenden Ölpreis, der auch ihre Reserven wertvoller werden lässt, als auch von der Raffineriemarge.
Aus Anlegersicht interessant wird es in der gegenwärtigen Lage, wenn der Anteil des Raffineriegeschäfts am Gesamtgewinn überproportional groß ist. Zwar will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sogenannte Übergewinne der Ölkonzerne am liebsten abschöpfen: Entsprechende Vorschläge werden Klingbeil und seine Kollegen aus Italien, Österreich, Polen, Portugal und Spanien am Freitag auf einem EU-Gipfel in Dublin vorlegen.
Doch das würde dann nur für Europa gelten. Die drei Raffinerie-Aktien, die wir im Folgenden vorstellen, kommen dagegen aus Asien und den USA. Hier sind sie.
Diese Aktien profitieren am meisten vom Teuer-Diesel
Der Goldman-Favorit: Valero Energy
Einer der größten Betreiber von Raffinerien in den USA ist Valero Energy. Das Unternehmen, das vor allem an der US-Golfküste aktiv ist, gehört wegen starker Margen und eines großen Portfolios auch zu den favorisierten Raffineriewerten bei Goldman Sachs. Valero Energy notiert derzeit bei rund 410 Dollar. Sie hat damit binnen drei Monaten schon um fast 70 Prozent zugelegt.
Viele Analysten haben noch nicht nachgezogen, wie das Konsenskursziel von nur bei 366,80 Dollar zeigt. Es liegt also derzeit rund elf Prozent tiefer. Die Experten von Raymond James und UBS sehen den fairen Wert der Valero-Aktie gleichwohl jeweils bei 450 Dollar. Das entspräche einem weiteren Kurspotenzial von rund 12 Prozent.
Heiß begehrt: Marathon Petroleum
Marathon: Hohe Erwartungen eingepreist
Einen noch besseren Lauf hat 2026 die Aktie von Marathon Petroleum: Seit Jahresbeginn legte das Papier schon fast 160 Prozent zu auf zuletzt 416 Dollar. Auch hier halten die Analysten nicht Schritt: Ihr Konsensziel von 322 Dollar würde einen Rückschlag von 22 Prozent bedeuten und ist aktuell kaum ernst zu nehmen.
Die höchsten Kursziele für die Aktie stammen von UBS mit 450 Dollar und Morgan Stanley mit 453 Dollar. Das zeigt: Viel Luft nach oben ist derzeit wohl nicht mehr.
Exot startet Comeback
Ein Comeback feiert seit Ende Juni die Aktie von Thai Oil: Binnen drei Monaten schoss der Kurs um 43 Prozent in die Höhe. Der Grund: Asien ist extrem von Öllieferungen vom Persischen Golf abhängig, entsprechen knapp ist der Rohstoff – und das führt auch bei den Raffinerien zu hohen Knappheitspreisen mit entsprechend hohen Margen.
Aber Vorsicht: Die Aktie wird an deutschen kaum gehandelt, entsprechend hoch fallen d ie Spreads aus: Wer das Risiko dennoch eingehen möchte, sollte streng limitiert ordern – und sich darauf einrichten, dass er bei einem Kurssturz nicht so schnell wieder aus dem Titel herauskommt.
Vieles ist schon eingepreist
Valero und Marathon profitieren operativ am stärksten von hohen Dieselpreisen und sind in den USA auch vor Klingbeils Übergewinnsteuer sicher. Allerdings sind bei allen drei Aktien die gestiegenen Raffineriemargen bereits weitgehend eingepreist. Das Aufwärtspotenzial ist daher allenfalls moderat – und das Rückschlagrisiko groß.
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Häufige Fragen zum Thema
Warum ist die Gewinnmarge für die Raffinerien so stark gestiegen?
Der Crack Spread misst den Preisaufschlag von Benzin gegenüber Rohöl. In normalen Marktphasen liegt er meist unter 20 US-Dollar je Barrel. In Krisenzeiten kann er jedoch massiv steigen, wenn die Raffinerien auf Vollast laufen und im Markt kein weiteren Kapazitäten verfügbar sind, um eine zusätzliche Nachfrage zu decken. Nach dem Ende der Corona-Pandemie kletterte der Aufschlag zeitweise auf fast 60 Dollar, aktuell liegt er sogar über 90 Dollar je verarbeitetem Fass Rohöl.
Welchen Anteil am Dieselpreis macht der Diesel-Crack Spread aus?
Nach einer Beispiel-Rechnung der "Welt" stieg der Dieselpreis in Deutschland seit Januar 2026 um etwa einen Euro auf aktuell 2,45 Euro je Liter. Von diesem Anstieg entfielen etwa 22 Cent auf den gestiegenen Rohölpreis, inklusive Mehrwertsteuer. Doppelt so viel, rund 45 Cent, kommen aus dem Anstieg der Raffineriemarge. Von einem Euro Preisanstieg gehen also 22 Cent auf das Konto der Ölförderer, 45 Cent an die Raffinerien und rund 16 Cent entfallen auf die Tankstellen, wenn sie mittag sum 12 Uhr die Preise anheben (Mittagsaufschlag).
Was ist die Übergewinnsteuer und wie kann sie Ölaktien treffen?
Der Anteil der Raffineriemarge am Benzin- und Dieselpreis ist derzeit höher als sonst. Das liegt daran, dass der Markt Knappheitspreise zahlt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will diese sogenannte Übergewinne, die über das üblche Maß hinaus gehen, mit einer Übergewinnsteuer abschöpfen und die Erlöse für Entlastungen der Bürger bei den Spritpreisen verwenden. Entsprechende Vorschläge werden Klingbeil und seine Kollegen aus Italien, Österreich, Polen, Portugal und Spanien am Freitag auf einem EU-Gipfel in Dublin vorlegen. Würden diese Übergewinne wirklich abgeschöpft, würden die Gewinne der Ölkonzerne in Europa entsprechend sinken.
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