Die BioNTech-Gründer wollen zum 1. Januar 2027 mit ihrer neuen Firma starten – und dafür auch Patente, Forschungsprogramme und Mitarbeiter mitnehmen. Schaden sie damit BioNTech? Darum gibt es jetzt Streit.

Als Uğur Şahin und Özlem Türeci im März 2026 bekanntgaben, dass sie BioNTech zum Jahreswechsel verlassen und eine neue Firma gründen wollen, hieß es, die beiden wollten sich wieder stärker der Forschung widmen. BioNTech werde sich dagegen auf die Vermarktung aussichtsreicher Wirkstoffe konzentrieren.

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Sechs Monate später sind viele Fragen offen. Vor allem die, ob Şahin und Türeci womöglich Know-how mitnehmen, das den Wert von BioNTech schmälert. Denn offenbar wollen die Gründer auch Know-how mitnehmen, das für den Wert von BioNTech zentrale Bedeutung hat.

Geht der Deal zu Lasten der BioNTech-Aktionäre?

Der Aktionär Bernd Förtsch, Vorstand und Mehrheitsinhaber der Börsenmedien AG und damit zugleich Herausgeber von BÖRSE ONLINE, hat diese Fragen bereits im Sommer öffentlich aufgeworfen. „Gibt man das Tafelsilber her? Gibt man das Potenzial auf? Gibt man die Zukunft aus der Hand?“, fragte Förtsch in einem Interview mit „Der Aktionär“ über das auch BÖRSE ONLINE berichtete. Diese Sorgen hatte er offenbar zu Recht, wie sich nun zeigt.

Denn wie das  „Handelsblatt“ am Donnerstag berichtet, gibt es Streit um Umfang und Bedingungen der Abspaltung in eine neue Firma namens Arife, die Şahin und Türeci gegründet haben. Die Verhandlungen über die Aufteilung von Vermögenswerten, Patenten und Mitarbeitern seien schwieriger und langwieriger als erwartet, zitiert die Wirtschaftszeitung Beteiligte.

Arife sei als Europäische Aktiengesellschaft eingetragen worden, verfüge derzeit über 120.000 Euro Grundkapital und soll laut „Handelsblatt“ eine Belegschaft im niedrigen dreistelligen Bereich erhalten. Diese sollen, so der Plan, zum Großteil von BioNTech kommen, schreibt das „Handelsblatt“. Der Plan sehe außerdem vor, dass BioNTech „relevante Rechte und Technologien“ einbringe und dafür eine Minderheitsbeteiligung an Arife sowie möglicherweise Lizenzgebühren und erfolgsabhängige Zahlungen erhalte.

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Die Patente gehören BioNTech

Doch welchen Wert haben diese Positionen? Um welche Patente geht es überhaupt? Und erhält BioNTech dafür eine angemessene Vergütung? Förtsch hatte diese Fragen schon im Juni aufgeworfen. Dabei gehe es zum Beispiel um die CAR-T-Plattform, zu der auch ein Wirkstoff mit europäischer Zulassungsempfehlung gehört. Rund 300 Forscher arbeiten in diesem Projekt. Für vergleichbare Einzeltransaktionen hätten Pharmakonzerne in der Vergangenheit zwischen zwei und sieben Milliarden US-Dollar gezahlt, rechnete „Der Aktionär“ vor. Wie viel zahlt Arife dafür an BioNTech?

Nach den Informationen des „Handelsblatts“ liegen die Patente für die Wirkstoffe bei BioNTech und nicht bei den Gründern selbst. Damit verfügt der börsennotierte Konzern über die stärkere Verhandlungsposition. Insbesondere Türeci falle es aber schwer, das zu akzeptieren, heißt es in dem Bericht.

BioNTech-Chef ließ Forschungsstand zusammentragen

Doch die Zeit drängt, der Jahreswechsel rückt näher. Doch selbst in den betroffenen Forschungsteams herrsche noch Unklarheit, meldet das „Handelsblatt“, denn sowohl BioNTech als auch Arife wollen auf das historisch gewachsene Wissen um die mRNA-Technologie zurückgreifen können. Dürfen sie das beide? Und wann?

Offenbar gibt es jetzt schon Probleme, die Themen im laufenden Betrieb auseinanderzuhalten. So habe Şahin laut Handelsblatt vor einigen Monaten einen Termin mit einer Krebsforschungseinheit angesetzt, in dem Mitarbeiter darlegen sollten, woran sie derzeit arbeiteten. Die Beschäftigten hätten daraufhin intensiv an einer Präsentation für den Termin gearbeitet – der dann nur einen Tag vor der Besprechung abgesagt wurde. Şahin sei nicht dazu befugt gewesen, ein solches Treffen abzuhalten, hieß es.

BioNTech (WKN: A2PSR2)

Die Anleger wollen Klarheit

Für die Börse wäre Klarheit über die Bedingungen der komplizierten Abspaltung, für die es bisher kein historisches Beispiel gibt, sogar noch wichtiger als der Fortschritt des laufenden Sparprogramms. Bei diesem soll es auch heftig haken, wie das Handelsblatt meldet.

Für den Aktienkurs ist die Frage des Personals und des Know-how-Transfers entscheidend. Denn die Mega-Gewinne mit dem Corona-Impfstoff sind Vergangenheit, die Aktie wird allein auf Basis ihrer Zukunftsaussichten bewertet, wobei die Forschung an Impfstoffen gegen Krebs hier für Fantasie sorgt. Doch im Gegensatz zum Konkurrenten Moderna, der Ende August einen Durchbruch melden und eine Kursrally starten konnte, fiel die BioNTech-Aktie nach einem kurzen Höhenflug wieder zurück.

Analysten zeigten sich zuletzt allerdings optimistischer, mit der UBS, Jefferies und Berenberg gaben gleich drei Banken jüngts Kaufempfehlungen für die Aktie ab oder erneuerten diese. Das Konsens-Kursziel liegt bei 122 US-Dollar, umgerechnet gut 107 Euro. Das entspricht einem Kurspotemzial von 25 Prozent.

Nach Bekanntwerden der Handelsblatt-Meldung fiel der Kurs am Donnerstag alerdings erneut. Solange die Zukunft von Forschung und Patenten bei BioNTech nicht geklärt ist, sollten Anleger von dem Papier Abstand halten. BÖRSE ONLINE hat den Titel aktuell auf "Beobachten".

Titel, die die BÖRSE-ONLINE-Redaktion aktuell für aussichtsreicher hält als BioNTech, finden Sie in der aktuellen Titelgeschichte "Clever Kaufen". Sie können das Heft hier direkt als E-Paper lesen.

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Häufige Fragen zum Thema BioNTech

Warum ist die Aktie von BioNTech gefallen?

Zum einen sind die Umsätze mit dem Covid-Impfstoff stark zurückgegangen. Stattdessen forscht BioNTech an neuen Wirkstoffen, vor allem in der Krebstherapie, doch bisher hat noch keiner die Marktreife erlangt. Der verkündete Abgang von Ugur Sahin und Özlem Türeci sowie ein erneuter Milliardenverlust ließ den Aktienkurs dann seit März noch einmal stark abstürzen.


Warum verlassen Ugur Sahin und Özlem Türeci BioNTech?

Das Gründer-Ehepaar hat ein neues Unternehmen mit dem Namen Arife gegründet, das am 1. Januar 2027 den Forschungsbetrieb aufnehmen soll. Uğur Şahin und Özlem Türeci wollen Teile der Forschungsaktivitäten von BioNTech dorthin mitnehmen.


Was sagen die Analysten udn BÖRSE ONLINE zu BioNTech?

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten, die BioNTech beoabchten, liegt bei 122 US-Dollar, umgerechnet gut 107 Euro. Das entspricht einem Kurspotemzial von 25 Prozent. BÖRSE ONLINE hat den Titel aktuell auf "Beobachten".

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BioNTech.