Die Modekette Hugo Boss bleibt vorerst eigenständig, denn das Übernahmeangebot ist knapp gescheitert. Wie das Unternehmen reagiert – und was das für den Aktienkurs bedeutet.
Die geplante Übernahme des MDAX-Konzerns Hugo Boss durch die Frasers Group kommt erst einmal nicht zustande. Obwohl Frasers unschlüssigen Aktionären eine Nachfrist eingeräumt hatte, kommt die Gesellschaft nach Ablauf des Angebots, das am 13. August endete, nur auf eine Beteiligung an Hugo Boss von 47,89 Prozent, wie die Briten am Dienstag mitteilten.
Boss-Management hatte von Annahme abgeraten
Das Management der Modekette reagierte prompt: Man nehme die Ergebnisse zur Kenntnis, teilte Hugo Boss mit. „Wir begrüßen das anhaltende, langfristige Engagement der Frasers Group für Hugo Boss und setzen auch weiterhin auf eine konstruktive Beziehung zu ihr als unserem größten Einzelaktionär“, sagte Aufsichtsratschef Stephan Sturm laut einer Mitteilung. Hugo-Boss-Chef Daniel Grieder dankte den Aktionären für „das Vertrauen und die Unterstützung“ während der Angebotsphase. Er will die im vergangenen Dezember vorgestellte Strategie für die kommenden Jahre weiter umsetzen.
Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss hatten ihren Aktionären „gemeinsam und einstimmig“ empfohlen, das freiwillige Übernahmeangebot der Frasers Group nicht anzunehmen. Der gebotene Preis von 38,00 Euro pro Aktie spiegele „den eigenständigen Wert und das zukünftige Wertschöpfungspotenzial von Hugo Boss nicht angemessen wider“, hieß es in einer begründeten Stellungnahme vom 9. Juli 2026.
Hugo-Boss-Chef versucht sich zum zweiten Mal an einer Sanierung
Die Unternehmensführung sieht nach eigenen Angaben in der Umsetzung ihrer Strategie unter dem Namen „Claim 5 Touchdown“ noch erhebliches Wertschöpfungspotenzial. Konzernchef Grieder, der 2021 an die Spitze der Modekette gerückt war, versucht derzeit – schon zum zweiten Mal in seiner Amtszeit –, den Konzern umzubauen. Dazu werden Filialen geschlossen und das Sortiment gestrafft, hinzu kommt eine stärkere Fokussierung auf eine jüngere Zielgruppe. Hugo Boss hat weltweit 20.000 Beschäftigte, davon mehr als 4.400 in Deutschland.
Der Großaktionär Frasers fordert noch weitreichendere Veränderungen. So müsse Hugo Boss auch die anhaltende Schwäche im Geschäft mit Damenbekleidung lösen sowie eine Antwort auf die Nachfrageprobleme in China finden.
Die Frasers Group gehört mehrheitlich dem britischen Milliardär Mike Ashley. Ihre bekannteste Marke ist die Einzelhandelskette Sports Direct. Darüber hinaus hält Frasers zahlreiche Beteiligungen, unter anderem am Onlineshop Asos. Außerdem gaben die Briten im Frühjahr ihren Einstieg bei Puma bekannt.
Wie reagiert die Aktie?
An der Börse weiß man offenbar noch nicht genau, was man von der aktuellen Lage bei Hugo Boss halten soll. Im Rahmen des freiwilligen öffentlichen Angebots hatte Frasers zuletzt 38 Euro je Hugo-Boss-Aktie geboten, am Dienstagmittag kosteten die Anteilsscheine von Hugo Boss 37,87 Euro.
Das zeigt, dass derzeit niemand mit einer neuen, höheren Offerte rechnet. Ähnlich wie Unicredit bei der Commerzbank könnte Frasers auch jetzt schon Einfluss auf den Hugo-Boss-Konzern nehmen, weil die Briten mit ihren knapp 48 Prozent ziemlich sicher eine Präsenzmehrheit auf einer außerordentlichen Hauptversammlung hätten. Außerdem befreit sie das freiwillige Übernahmeangebot von weiteren Pflichten. Es könnte also gut sein, dass Frasers in den nächsten Monaten Stück für Stück weitere Aktien am freien Markt einsammelt, sobald sie verfügbar sind.
Das stabilisiert den Kurs nach unten. Dafür, dass er weiter steigt, müsste Hugo Boss zunächst einmal auch operativ wieder für Schlagzeilen sorgen.
Frasers lehnte es laut Bloomberg am Dienstag ab, sich zu seinen Plänen bezüglich Hugo Boss zu äußern. Sollten jedoch andere Aktionäre außerhalb des Marktes Anteile zu einem höheren Preis als im Rahmen seines Übernahmeangebots abgeben, müsste Frasers auch den Anlegern, die sein ursprüngliches Angebot angenommen haben, diesen höheren Preis zahlen.
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Häufige Fragen zum Thema
Wem gehört Hugo Boss?
Rund 48 Prozent der Hugo-Boss-Aktien befinden sich nach dem freiwilligen Übernahmeangebot im Besitz der Frasers Group. Weitere 14 Prozent liegen bei den beiden Holdings PFC S.p.A. und Zignago Holding S.p.A., die sich beide unter der Kontrolle der Familie Marzotto befinden, die schon seit 1991 Großaktionär bei Hugo Boss ist. Die restlichen 38 Prozent sind Streubesitz.
Wer steckt hinter der Frasers Group?
Die Frasers Group gehört mehrheitlich dem britischen Milliardär Mike Ashley. Ihre bekannteste Marke ist die Einzelhandelskette Sports Direct. Die Gruppe hält außerdem verschiedene Beteiligungen, darunter an dem Onlineshop Asos und dem deutschen Sportartikelhersteller Puma.
Wer ist der Chef von Hugo Boss?
CEO von Hugo Boss ist seit Juni 2021 der Schweizer Manager Daniel Grieder (64). Er war zuvor von 2014 bis 2020 Geschäftsführer von Tommy Hilfiger Global sowie Geschäftsführer der PVH (Phillips Van Heusen Group) Europe und von Calvin Klein Europe.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Hugo Boss.
Enthält Material von dpa-AFX