Der Aufsichtsrat von Volkswagen traf sich heute zu einer vielleicht historischen Sitzung. Am späten Donnerstagabend sickerten erste Ergebnisse durch – aber konkrete Zahlen zum Stellenabbau fehlen noch.
Nicht nur für den Volkswagen-Konzern, auch für Volkswagen-Chef Oliver Blume war die heutige Aufsichtsratssitzung ein entscheidender Wendepunkt: Der CEO musste zeigen, dass er nicht nur Kompromisse kann, sondern auch bereit ist, hart durchzugreifen. Denn anders ist der jahrelangen Krise bei Deutschlands größtem Autobauer wohl nicht mehr beizukommen.
Am Abend sah es so aus, als habe Blume gewonnen – und bis zu 120.000 Mitarbeiter müssen jetzt um ihre Arbeitsplätze zittern. Diese Zahl brachte in den vergangenen Tagen die Bild-Zeitung in Umlauf, angeblich stammt sie aus einem internen Papier. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen berichtet. 50.000 Arbeitsplätze, auf deren Abbau sich Konzern und Betriebsrat bereits Ende 2024 geeinigt hatten, sind in den kursierenden Zahlen immer schon enthalten.
Diese Zahlen nannte VW am Abend
VW bestätigte diese Angaben am Abend nicht. Allerdings folgen sie wohl aus dem, was der Konzern durchsickern ließ:
Die Produktionskapazitäten werden auf neun Millionen Fahrzeuge reduziert. Blume hatte selbst davon gesprochen, dass der VW-Konzern die jährlichen Fertigungskapazitäten mangels Auslastung, von mehr als zehn auf neun Millionen senken müsse. Vor der Covid-Pandemie hatte der Volkswagen-Konzern mit all seinen Marken noch rund 12 Millionen Autos im Jahr hergestellt.
Die erneute Reduktion um rund eine Million wurde bereits in China begonnen, wo bereits 500.000 Fahrzeuge „aus dem Netz genommen“ wurden, wie es Blume in einem Interview ausdrückte. Weitere 500.000 werden nun Deutschland folgen müssen. Das wird nicht ohne Stellenabbau gehen. Berichten zufolge stehen vier Werke auf dem Spiel. Es handelt sich wohl um die Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Auch dazu sagte VW am Abend – noch – nichts.
"Mit unserem Zukunftsplan gehen wir aus eigener Kraft in die nächste Phase der Transformation", wird Konzernvorstandschef Oliver Blume in der Mitteilung von VW zitiert. So solle die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft werden und die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken.
Betriebsratschefin Cavallo: „Es reicht!“
Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigte sich nach der Sitzung erbost. Sie forderte Blume auf, im Laufe des Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung zu beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Sparpläne des Vorstands zu äußern. „Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen“, sagte Cavallo laut Betriebsratszeitung. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten. Oliver Blume steht jetzt in der Pflicht, diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen.“
Doch dann meldete die „Süddeutsche Zeitung“, der VW-Vorstand sei mit seinen Sparplänen im Aufsichtsrat „krachend gescheitert“. Blume sei „als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet“, berichtete der Zeitung ein Insider.
So reagiert die VW-Aktie
Ob das stimmt, bleibt noch offen. Sicher ist: Die Investoren hatten sich klarere Aussagen und konkretere Zahlen erhofft. Trotzdem legte die VW-Vozugsaktie nach Bekanntwerden der Meldung auf Tradegate bis 22:00 Uhr um rund ein Prozent zu auf 72,76 Euro. Damit notiert sie aber noch immer in der Nähe ihres kürzlich markierten 16-Jahres-Tiefs.
Es ist möglich, dass der Kurs in den kommenden Tagen mit jedem neuen Detail steigt– sofern Blume sich wirklich durchsetzt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Häufige Fragen zum Thema
Welche Maßnahmen umfasst der Sparplan von VW-Chef Oliver Blume?
Medienberichten zufolge will Blume bis zu 120.000 Stellen abbauen, bis zu vier Werke schließen und eien Marken wie Audi aus VW-Konzern abspalten.
Was hat der VW-Aufsichtsrat entschieden?
Der Aufsichtsrat traf sich am 9. Juli 2026 in Wolfsburg zu einer Sitzung, um über den Sparplan zu beraten. Noch sind nicht alle Details bekannt. VW Bestsätigte aber, dass man die Modelpalette halbieren und die Zahl der Varianten um 75 Prozent senken wolle. Außedem soll die Jahres-Produktionskapazität im Konzern auf neun Millionen Stück sinken, was das Aus für einige deutsche Werke bedeuten dürfte. Zahlen zum Stellenabbau oder zu Werkschließungen nannte VW jedoch am Donnerstagabend nicht.
Wer ist Daniela Cavallo?
Daniela Cavallo ist seit Mai 2021 die Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG und gehört damit zu den mächtigsten Arbeitnehmervertreterinnen in Deutschland. Die studierte Betriebswirtin sitzt für die Arbeitnehmerseite auch im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns.
Enthält Material von dpa-AFX