Der Nivea-Konzern Beiersdorf hatte seine Investoren am Montag erneut mit schlechten Zahlen enttäuscht. Doch seit Dienstag steigt plötzlich der Kurs. Das sind die Gründe.
Es gibt Konsumgüterhersteller, da ist der Firmenname mindestens so bekannt wie die Produkte. Etwa bei Henkel, dem Hersteller der Waschmittelmarke Persil. Und es gibt Unternehmen wie Beiersdorf: Anleger kennen das Unternehmen selbstverständlich, aber selbst BÖRSE ONLINE schreibt gerne mal vom „Nivea-Konzern“.
Die Cremes mit dem blauen Logo und der weißen Schrift sind nun mal das Aushängeschild der Hamburger. Besser gesagt: Sie waren es. Bis Vincent Warnery kam, der seit 2021 an der Spitze von Beiersdorf steht. Er wollte den Konzern aus dem Massengeschäft in den Luxussektor führen. Teure Gesichtspflege statt schnöder Nivea-Creme, Models statt „In-Dusch-Bodymilk“, präsentiert von Jogi Löw.
CEO bevorzugt Lifestyle statt Massengeschäft
Dafür lockte Beiersdorf eigens Forscher vom Marktführer L’Oréal nach Hamburg. Sie entwarfen etwa einen patentierten Wirkstoff, der die Hautalterung zurücksetzen kann. Natürlich kostet das Serum gegenüber der schnöden Nivea-Dose auch den zehnfachen Preis. Allein: Es kaufte kaum jemand – oder besser: zu wenige. Die Folge: Quartal für Quartal musste Beiersdorf seine Prognosen senken. So auch am vergangenen Montag. Laut der neuen Prognose wird der Umsatz im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr nun sogar sinken. Ein weiteres Alarmzeichen.
Klar, dass die Aktie daraufhin am Montag einbrach. Zeitweise kostete ein Beiersdorf-Papier nur noch etwas mehr als 77 Euro – rund 30 Prozent weniger als Ende Februar und halb so viel wie beim Allzeithoch im Mai 2024.
CEO kriecht zu Kreuze
Doch seit Dienstag erholt sich der Kurs plötzlich und hat bis Donnerstagabend schon fast sieben Prozent zugelegt. Für einen langjährigen Value-Titel wie Beiersdorf ist das viel.
Der Grund dafür dürfte in den Aussagen liegen, die der Beiersdorf-Chef vor Analysten machte. Man könnte auch sagen: Er kroch zu Kreuze. Warnery schwört den teuren Tinkturen ab und setzt wieder voll auf Nivea. Seine einfache Formel lautet: In jedem Badezimmer soll mindestens ein Nivea-Produkt stehen – besser mehrere.
Diese Abhängigkeit von der blauen Marke galt einst als Achillesferse von Beiersdorf, das übrigens auch Hansaplast herstellt. Jetzt feiert die Börse die Strategie als ein „Zurück zu den Wurzeln“. Das Versprechen „Alles wird wieder so wie früher“ ist gemeinhin ein gefährlicher Satz. Der Beiersdorf-Aktie jedoch könnte er neues Leben einhauchen.
Zumal sich der Konzern auch wieder stärker um die Discounter im Lebensmitteleinzelhandel kümmern will. Auch bei Aldi, Lidl & Co. hatte Beiersdorf in den vergangenen Jahren zunehmend der Konkurrenz das Feld überlassen – auf Kosten des Umsatzes.
Spannende Chartsignale
Auch charttechnisch wird es gerade wieder interessant. Denn der Aktienkurs, der am Donnerstag auf Xetra knapp über 82 Euro schloss, nähert sich nun mit großen Schritten der 200-Tage-Linie, die bei 85 Euro verläuft. Wichtige Indikatoren wie der RSI sowie die Fast- und Slow-Stochastik senden bereits Kaufsignale; nur das Signal im MACD wirkt noch indifferent.
Gelingt der Aktie der Sprung über die 85 Euro, rücken als Nächstes 90 Euro ins Visier. Dort liegt das untere Ende des Gaps aus dem März. Damals eröffnete der Kurs nach einer enttäuschenden Jahresprognose direkt 15 Prozent tiefer; gerundet entstand eine Lücke zwischen 105 und 90 Euro.
Damit gehört die Beiersdorf-Aktie jetzt definitiv wieder auf die Watchlist.
Die BÖRSE-ONLINE-Redaktion hatte Beiersdorf erst vergangene Woche neu zum Kauf empfohlen. Unser Kursziel und den Stoppkurs finden Sie in Heft 32/2026, das Sie hier noch als E-Paper kaufen können.
Häufige Fragen zum Thema
Warum ist der Beiersdorf-Kurs am vergangenen Montag eingebrochen?
Beiersdorf verzeichnete im zweiten Quartal eine deutlich abgeschwächte Nachfrage in seinem Konsumentengeschäft und senkte daher seine Umsatzprognose für das laufende Jahr: Demnach geht Beiersdorf für 2026 nun von einem organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus. Zuvor hatte der Vorstand ein flaches bis leichtes Wachstum angestrebt. Die bereinigte Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei mindestens 11,8 Prozent. Zuvor wurde nur ein leichter Rückgang auf 14 Prozent erwartet.
Was will der Beiersdorf-Chef ändern?
Der Franzose Vincent Warnery ist seit 2021 Chef von Beiersdorf. Er setzte bisher stark auf gehobene Kosmetik-Produkte, die preislich weit oberhalb von Nivea angesiedelt sind. Diese Strategie gibt Beiersdorf nun auf und setzt wieder stärker auf die Marke Nivea. Ziel ist es, dass künftig in jedem Badezimmer mindestens ein Nivea-Produkt steht – besser mehrere.
Empfiehlt BÖRSE ONLINE Beiersdorf zum Kauf?
Die BÖRSE ONLINE-Redaktion hat sich kürzlich in Ausgabe 32/2026 zur Aktie geäußert. Das Kursziel und den Stoppkurs finden Sie hier im E-Paper.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Beiersdorf.