Im Kampf gegen steigende Anleiherenditen greift die US-Regierung zu einem ungewöhnlichen Mittel. Kurzfristig hilft das am Mittwoch den Börsen – doch das eigentliche Problem ist dadurch nicht gelöst.
Die Renditen auf langlaufende Staatsanleihen steigen – und bringen die Regierung um Donald Trump unter Druck. Nun greift sein Finanzminister Scott Bessent erneut zu einem drastischen Mittel: Das Finanzministerium will die Rückkäufe staatlicher Schulden, die es bereits vor Monaten begonnen hatte, mehr als verdoppeln. Damit will Bessent nach eigenen Aussagen die Liquidität im Markt stützen. Tatsächlich will er aber wohl verhindern, dass die Renditen noch weiter steigen. Sie hatten zuvor ein 20-Jahres-Hoch erreicht.
Der Staat kauft sich Zeit
Der Schritt ist auch deshalb ungewöhnlich, weil solche Eingriffe normalerweise von den Notenbanken durchgeführt werden und nicht von Regierungen. Doch nun versucht der US-Finanzminister höchstpersönlich, die Turbulenzen am Bondmarkt mit direkter Marktpflege zu beruhigen. Denn der Anstieg der Renditen auf lange Laufzeiten hatte Anfang der Woche vielen Risikoanlagen den Stecker gezogen und am Dienstag und Mittwoch unter anderem zu einem Abverkauf von Chipaktien geführt.
Nach Angaben des Treasury Department sollen die Rückkäufe von bisher maximal 2 Milliarden US-Dollar auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Auktion steigen. Ziel sei vor allem der Bereich zwischen 10 und 20 Jahren sowie zwischen 20 und 30 Jahren. Die Maßnahme startet am 9. September und läuft zunächst bis zum 4. November.
Unmittelbar nach der Ankündigung fielen die Renditen deutlich: Die Rendite auf 10-jährige Treasury-Bonds rutschte um sechs Basispunkte auf 4,647 Prozent, die 30-jährige um neun Basispunkte auf 5,196 Prozent. Das ist ein klares Zeichen dafür, wie nervös der Markt im langen Laufzeitsegment inzwischen geworden ist.
Eigentlich wäre das Sache der Fed
Wenn ein Marktsegment austrocknet oder die Renditen zu stark steigen, sind in der Regel die Zentralbank und ihre geldpolitischen Instrumente gefragt. Dass nun ausgerechnet das US-Finanzministerium eingreift, zeigt, wie angespannt die Lage aus Sicht der US-Regierung ist.
Bessent verkauft den Schritt als reine Liquiditätsstütze und nicht als Schuldenabbau. Tatsächlich bedeutet der Schritt kein Signal für eine fiskalische Entspannung – der US-Schuldenberg ist mittlerweile auf mehr als 40 Billionen US-Dollar angewachsen –, sondern eher eine technische Umverteilung innerhalb der Laufzeiten.
Bondmarkt unter Druck
Die Renditen langer US-Staatsanleihen waren zuletzt kräftig gestiegen, weil Anleger wegen der anhaltend hohen Defizite im US-Haushalt zunehmend an der Schuldentragfähigkeit der USA zweifeln und eine höhere Laufzeitprämie verlangen. Da sich auch andere Staaten derzeit heftig verschulden, darunter auch Deutschland im Rahmen seines Sondervermögens, drückt zusätzlich ein großes neues Anleiheangebot auf den Markt. Gleichzeitig pumpen auch die Hyperscaler wie Alphabet, Amazon, Microsoft oder Oracle zunehmend den Anleihemarkt an, was Sorge vor einer Flut von Unternehmensanleihen schürt.
Wenn der Staat nun selbst als Käufer auftritt, ist das ein Eingeständnis, dass der Markt ohne Stütze nicht mehr so reibungslos läuft wie früher. Das ist noch kein Grund zur Panik – aber es ist auch kein Normalzustand.
Was Anleger jetzt bedenken müssen
Für Aktien war der Eingriff Bessents am Mittwoch zunächst eine gute Nachricht: Sinkende Renditen bremsen den Bewertungsdruck, vor allem bei Wachstums- und Technologiewerten. Deshalb zogen die Futures auf S&P 500 und Nasdaq nach der Ankündigung auch prompt an.
Langfristig bleibt das Problem aber ungelöst: Die USA können nicht länger nur auf kurzlaufende Anleihen setzen, sondern müssen ihre langfristige Finanzierung stabilisieren, weil der Bondmarkt nervös geworden ist. Anleger sollten sich also nicht von kurzen Renditerücksetzern blenden lassen, sondern auf das ganze Bild schauen. Der US-Staat versucht, mit aller Macht den Preis des Geldes am langen Ende zu drücken – und genau das ist für sich genommen eine ganz schlechte Nachricht.
Wenn große Investoren deshalb anfangen sollten, Geld aus den USA abzuziehen, könnte das am Ende auch den US-Aktienmarkt treffen – und europäische und asiatische Aktien anschieben. Der Euro jedenfalls legte am Mittwoch gegenüber dem US-Dollar schon einmal deutlich zu.
Häufige Fragen zum Thema
Warum steigen die Renditen gerade jetzt so stark?
Der Anleihenmarkt preist nicht nur eine höhere Inflation, sondern auch die schwache US-Fiskallage und geopolitische Risiken ein. Dazu kommt, dass die wachsende Staatsverschuldung, vor allem der USA, das Vertrauen in langlaufende US-Anleihen belastet. Das treibt die Renditen zusätzlich nach oben.
Welche Aktien trifft der Renditeanstieg besonders?
Vor allem wachstumsstarke Tech-Werte leiden, weil ihre künftigen Gewinne bei höheren Zinsen stärker abgezinst werden. Auch Firmen, die viel Kapital für den KI-Ausbau brauchen, spüren den Druck. Deshalb geraten Nasdaq-Titel oft besonders schnell unter Verkaufsdruck.
Was sollten Anleger jetzt beachten?
Steigende Renditen sind ein Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte. Wenn sie, so wie diesmal, sogar global anziehen, wird es für Aktienanleger insgesamt ungemütlicher. Investoren sollten deshalb stärker auf Bewertung, Zinsrisiko und Verschuldung achten.