Der deutsche KI-Investor Leopold Aschenbrenner hat sich mit seinem Hedgefonds verzockt – und musste alle Positionen verkaufen. Abnehmer ist ein alter Hase der Wall Street: Ken Griffin von Citadel. Er machte womöglich das Schnäppchen seines Lebens.
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf den Fluren der Wall-Street-Banken und in den Glastürmen des Silicon Valley: Der Investor Leopold Aschenbrenner, das „deutsche KI-Wunderkind“, hat sich verzockt. Noch im ersten Halbjahr soll sein Hedgefonds „Situational Awareness“ mehr als 400 Prozent Gewinn gemacht haben, davon allein im Mai 270 Prozent. Doch jetzt stellt sich heraus: Der 25-Jährige, der die Mechanismen des KI-Geschäfts angeblich so gut kennt wie fast kein Zweiter, ist ein viel zu hohes Risiko eingegangen. Der „Nostradamus der KI-Welt“, wie ihn der Podcaster Tim Ferriss bezeichnete, hatte mit Situational Awareness mehrfach gehebelt - die Rede ist vom Vierfachen - auf eine noch stärkere Speichernachfrage durch KI-Anwendungen und damit auf einen Fortgang der Chiprally gesetzt. Gleichzeitig hatte er Softwareaktien wie Adobe geshortet.
„Mechanismen wie im Bank Run“
Doch im Juli lief es genau umgekehrt: Speicheraktien fielen, Softwaretitel wie Adobe oder SAP legten im Kurs zu. Aschenbrenners Positionen gerieten unter Wasser. In einem Brief an seine Klienten, aus dem das „Wall Street Journal“ (WSJ) zitiert, erklärt Aschenbrenner, der Wert des Fonds sei allein im Juli um 67 Prozent eingebrochen. „Wir haben diesen Monat enttäuscht“, schrieb er den Investoren.
Bei einem Hebel von vier genügen – vereinfacht gesagt – schon 25 Prozent Kursbewegung in die falsche Richtung, um 100 Prozent der hinterlegten Sicherheiten aufzufressen. Als die Banken daraufhin Margin Calls auslösten, musste Aschenbrenner Geld nachschießen – das er aber nicht mehr hatte. Seine Investoren waren offenbar nicht bereit, ihm auszuhelfen. Dem Vernehmen nach hatten die ersten von ihnen schon im Mai begonnen, Gelder abzuziehen, weil ihnen angesichts der stark überproportionalen Gewinne, die nur mit einem erhöhten Risiko erklärbar waren, die Sache zu heiß wurde. Oder wie es Aschenbrenner in seinem Investorenbrief ausdrückt: „Diese Dynamik ähnelt im Wesentlichen einem Bankensturm: Anfälligkeit führt zu noch mehr Anfälligkeit.“
Der Auftritt von Citadel
Am Schluss blieb dem KI-Wunderkind nur der Notverkauf fast aller börsennotierten Positionen. In diesem Zuge taucht ein Mann auf, der sich auf solche Situationen spezialisiert hat: Ken Griffin, Chef der Hedgefonds-Ikone Citadel. „Wenn wir alle essen wollen, muss jemand verkaufen“, lautet eines von Griffins bekanntesten Zitaten. Und Aschenbrenner musste verkaufen.
Citadel bedient sich oft und gerne bei denen, die in der Not jeden Preis akzeptieren müssen. Und Situational Awareness hatte nicht mehr die Zeit, seine Positionen geordnet abzuwickeln. Ein Notverkauf seitens der Banken hätte die Kurse wohl noch weiter gedrückt. Alle börsengehandelten Positionen am Stück an Citadel zu verkaufen, war wohl die „günstigere“ Lösung. Griffin ist auf solche Situationen spezialisiert. Er habe für Aschenbrenners Portfolio einen Dumpingpreis gezahlt, behaupten Blogger auf „X“: 50 Cent für den Dollar. Das stimmt wohl nicht ganz: Laut Wall Street Journal handelte Griffin einen Abschlag von zehn Prozent aus. Aschenbrenner und Situational Awareness blieben laut Wall Street Journal von ihrem Portfolio, das kürzlich noch etwa 45 Milliarden Dollar groß war, noch rund zehn Milliarden Dollar.
Der Markt hatte einen Notverkauf schon eingepreist
Interessant dabei: Offenbar wussten Marktteilnehmer um den bevorstehenden Verkaufsdruck. Denn ausgerechnet die Aktien, die sein Fonds hielt, fielen bis zum Notverkauf am MIttwoch besonders stark; allen voran Micron, Nebius, CoreWeave und Sandisk.
Kaum war der Deal mit Citadel vollzogen und veröffentlicht, fuhr der Fahrstuhl in die andere Richtung: Unfassbare 25 Prozent gewann etwa der niederländische Rechenzentrumsbetreiber Nebius an nur einem Tag. Auch die anderen Titel stiegen zweistellig. Da gehörten die Aktien schon Citadel – und Griffin dürfte einen seiner besten Börsentage ever erlebt haben.
Aschenbrenner muss nun von vorne anfangen, lediglich ein paar nicht börsennotierte Beteiligungen, etwa an OpenAI, sind ihm geblieben. Zunächst aber stand für ihn ein anderer wichtiger Termin an: Der KI-Investor hat Berichen zufolge am vergangenen Wochenende geheiratet.
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Häufige Fragen zum Thema
Wer ist Leopold Aschenbrenner?
Leopold Aschenbrenner ist ein deutscher Forscher und Investor im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Er war Mitglied des „Superalignment“-Teams von OpenAI, bevor er im April 2024 entlassen wurde und hat einen populären Aufsatz mit dem Titel „Situational Awareness“ über die Entstehung künstlicher allgemeiner Intelligenz und damit verbundene Sicherheitsrisiken veröffentlicht.Mittlerweile ist Aschenbrenner, dessen Geburtsjahr mit 2001 oder 2002 angegeben wird, Chief Investment Officer (CIO) der von ihm mit gegründeten Situational Awareness LP.
Auf welche Aktien setzte Leopold Aschenbrenner?
Zu den größten Beteiligungen des Fonds am Ende des ersten Quartals gehörte die Nebius Group, Sandisk, Micron und CoreWeave.
Warum heißt Aschenbrenners Fonds "Situational Awareness"?
Der Name geht auf einen viel beachteten Aufsatz zurück, den Aschenbrenenr im Jahr 2024 veröffentlichte. Manche nennen das 165-seitige Papier auch das Manifest der KI-Bewegung. Es trägt den Namen "Situational Awareness". Darin beschreibt Aschenbrenner den Weg von KI-Modellen hn zu einer Superintelligenz , die vier Risiken für die Menschheit berge. Er warnt insbesondere davor, dass sich die Vereinigten Staaten gegen den Einsatz von KI-Technologien durch Länder wie Russland und China verteidigen und entsprechende Investitionen in KI tätigen müssten, was unweigerlich zu einem Wettrüsten führen werde. Aschenbrenner vertritt darin auch die These, dass bereits im Jahr 2027 sich selbstverbessernde Systeme einsatzfähig sein könnten, die zu einer Superintelligenz führen würden, die der Mensch kaum noch beherrschen könne, sofern er nicht rechtzeitig Regularien einführt.
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