Der legendäre Investor Michael Burry sieht trotz neuer Kursrekorde an der Wall Street schwarz. Der aus dem Film „The Big Short“ bekannte Hedgefondsmanager hält an seinen Short-Positionen fest – und warnt sogar vor einem heftigen Kurssturz wie im Jahr 1987.

„Ich glaube weiterhin, dass wir uns möglicherweise nahe einem großen Hoch befinden und möglicherweise vor einem Absturz wie 1987 stehen“, schrieb Burry am Dienstag in seinem Blog auf Substack. Zugleich räumte er ein, dass neue Höchststände im S&P 500 weiteres Kapital in den Markt locken könnten. Über Burrys Aussagenberichtete zuerst der US-Börsensender CNBC.

Übertreibungen statt nachhaltiger Rally

Der S&P 500 war am Dienstag um 1,9 Prozent gestiegen und schloss damit erstmals seit Juni wieder auf einem neuen Rekordniveau von 7.736,52 Punkten. Rückenwind lieferten besser als erwartete Unternehmenszahlen, fallende Ölpreise und Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus. Der Nasdaq Composite legte sogar 2,7 Prozent zu und gewann damit allein in den ersten beiden Handelstagen dieser Woche fast fünf Prozent.

Für Burry ist das allerdings kein Grund zum Optimismus – im Gegenteil: Er sieht keine nachhaltige Rally, sondern eine sich verstärkende Übertreibung. Der Investor zählt seit Monaten zu den schärfsten Kritikern des Booms rund um Künstliche Intelligenz. Seiner Meinung nach wird die Nachfrage nach KI-Infrastruktur teilweise durch Finanzierungsmodelle angetrieben, die sich als nicht nachhaltig erweisen könnten.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Seitenhieb auf Leopold Aschenbrenenr

Schon vor Monaten machte Burry öffentlich, dass er große Short-Positionen auf den iShares Semiconductor ETF sowie die Einzelaktien Micron, Nvidia, Caterpillar, Palantir, Tesla und Applied Materials hält. Am Dienstag ließ der Hedgefonds-Investor durchblicken, dass alle seine Positionen im Plus stehen – mit Ausnahme seiner Wette gegen Nvidia. 

Nvidia (WKN: 918422)

Er sei langfristig weiterhin von seiner These überzeugt, werde aber Verluste begrenzen, falls sich die Trades eindeutig gegen ihn entwickelten, schreib Burry. Damit spielt er offensichtlich auf den Fonds „Situational Awareness“ von Leopold Aschenbrenner an, der seine Positionen vergangene Woche unter dem Druck von Margin Calls notverkaufen musste, weil sich mehrfach gehebelte Kurswetten gegen ihn entwickelten. Burry warnt andere sogar explizit davor, seine Strategie nachzuahmen: „Shorten ist nicht für jeden geeignet. Ich muss shorten. Die meisten sollten es nicht tun“, schrieb Burry.

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Sinkende Volatilität ein Alarmsignal

Die Tatsache, dass sich immer mehr Anleger im Markt nicht mehr mit den bloßen Kursgewinnen zufriedengeben, sondern mit geliehenem Geld gehebelt investieren (Leverage), treibe die Kurse zusätzlich. Dabei sieht Burry weniger im bloßen Kursanstieg, sondern vor allem in der derzeit geringen Volatilität ein Alarmsignal. Wenn der Markt bei fallender Volatilität steige, zwinge das Fonds, deren Strategie an Volatilitätszielen ausgerichtet sei, ihren Hebel zu erhöhen. Das bringe „zusätzlich die Fremdfinanzierung anderer Momentum-Strategien ins Spiel“, schrieb Burry.

Genau darin sieht der erfahren Investor Burry die große Gefahr: Steigende Kurse locken neues Geld an, die sinkende Volatilität erhöht die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer. Dreht dann die Stimmung, müssten gehebelte Anleger ihre Positionen alle gleichzeitig reduzieren – was den drohenden Abverkauf verstärken kann.

VIX Vola Index CBOE (ISIN: US12498A1016)

Läuft es wieder so wie 1987?

Burry erinnert an den Absturz im Jahr 1987. Damals brach der Dow Jones am 19. Oktober, dem sogenannten „Schwarzen Montag“ schlagartig um 22,6 Prozent ein. Der Crash hatte am Morgen an der Börse Hongkong begonnen und sich dann über Tag an allen Weltbörsen fortgesetzt.

Nach heutiger Lesart gab es dafür gleich mehrere Gründe: Der Dow Jones hatte sich seit 1985 binnen zwei Jahren fast verdoppelt. Doch der damaligen Regierung unter US-Präsident Ronald Reagen gelang es nicht, die Inflation und das überbordende Handelsdefizit in den Griff zu bekommen. Schließlich war die US-Notenbank gezwungen, den Leitzins anzuheben, was für einen ersten Kursrücksetzer sorgte. Als dann auch noch Unsicherheit an den Devisenmärkten aufkam und der Dollar abwertete, begann ein Kursverfall, der damals erstmals durch automatisierte Handelssysteme verstärkt wurde.

Erst 15 Monate später erreichte der Dow Jones mit damals 2247 Punkten wieder sein Niveau vor dem Crash.

Schlussfolgerungen für Anleger

Einige dieser Ereignisse bieten interessante Analogien zum Jahr 2026 unter Donald Trump. Doch wie so oft überzeichnet Burry die Parallelen und auch die möglichen Folgen. Gerade weil viele Marktteilnehmer die Geschichte kennen, können sie sich besser darauf vorbereiten.

Ob sich ein solches Szenario wiederholt, lässt sich daher nicht seriös vorhersagen. Solange Unternehmensgewinne, wie in der laufenden Quartalssaison geschehen, weiterhin positiv überraschen und die Ölpreise fallen, kann die Rally weiterlaufen.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet damit erstmal nicht, ob und wann Burry recht behält. Jeder, der an der Börse investiert ist, sollten überprüfen, ob und in welchem Ausmaß sein Portfolio für solche Ereignisse gerüstet ist, und sich einen Plan bereitlegen, was er tut, wenn der Fall eintreten sollte. Klar ist: Sollte Burry Recht behalten, ist eine einfache Buy-and-Hold-Strategie – vulgo: „aussitzen“ – nicht die richtige Antwort darauf.

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Häufige Fragen zum Thema

Wer ist Michael Burry?

Der US-Investor Michael Burry ist eigentlich gelernter Arzt. Er wurde als Hedgefondsmanager für seine erfolgreiche Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008 berühmt. Die Geschichte um ihn und seinen Fonds mit dem Namen Scion wurde im Kinofilm "The Big Short" dargestellt und macht eihn damit weltberühmt. In dem Filnm wurde Burry, der nie öffentlich auftritt, von Christian Bale gespielt.

Welche Aktien hat Michael Bury geshortet?

Burry hat schon vor Monaten öffentlich gemacht, dass er große Short-Positionen auf den iShares Semiconductor ETF sowie die Einzelaktien Micron, Nvidia, Caterpillar, Palantir, Tesla und Applied Materials eröffnet hat. Diese stockte er in den zurückliegenden Monaten zum Teil weiter auf. In seinem Blogpost vom 4. August 2026 erklärte der Hedgefonds-Investor, alle seine Positionen stünden im Plus, mit Ausnahme der Wette gegen Nvidia.

Ist diese Crash-Prognose von Michel Burry glaubwürdig?

Auch wenn es auf den ersten Blick tatsächlich Parallelen zum Jahr 1987 gibt, überzeichnet Michael Burry die Situtation stark und in seinem Sinne. Denn er würde viel Geld gwinnen, wenn der Markt wirklich so stark fällt.

Ob sich ein solches Szenario wiederholt, lässt sich daher nicht seriös vorhersagen. Gerade weil viele Marktteilnehmer die Geschichte kennen, können sie sich besser darauf vorbereiten. Und solange die Unternehmensgewinne weiterhin steigen und positiv überraschen, kann die Rally weiterlaufen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.