Überraschung an der Konjunkturfront: Zahlreiche Frühindikatoren drehen ins Plus. Nach Ansicht der Volksbanken wird die deutsche Wirtschaft deshalb dieses Jahr doppelt so stark wachsen wie prognostiziert.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat am Dienstag seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft verdoppelt. Er erwartet nun im laufenden Jahr ein preisbereinigtes Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent statt bisher 0,5 Prozent. Für 2027 rechnen die Volks- und Raiffeisenbanken unverändert mit 1,3 Prozent Wachstum.

Frühindikatoren hellen sich auf

Selbst das aktuelle Niedrigwasser im Rhein und die Hitzewelle würde die Erholung der Wirtschaft „nur vorübergehend“ bremsen, sagte BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley. „In den vergangenen Monaten haben sich die Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur nach mehreren Jahren der Schwäche verdichtet“, so der BVR-Experte. Die deutsche Wirtschaft wachse nun schon seit drei Quartalen in Folge. Zudem hellten sich Frühindikatoren auf.

Bley verweist unter anderem auf eine Belebung der Industrieproduktion. Außerdem sehe er mehr Dynamik im Baugewerbe und starke Exporte. Letztere erreichten im Juni sogar einen Rekordwert. Auch die Ausgaben des Staates für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz geben der deutschen Wirtschaft zusätzliche Wachstumsimpulse.

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An der Börse legen Nebenwerte bereits seit längerem zu

Besitzer von Aktien aus den Nebenwerteindizes MDAX und SDAX sehen diesen Aufschwung schon länger: in den Kursen. Denn die Unternehmen klagen zwar laut – und zurecht – über teure Energiekosten, hohe Steuern und wachsende Sozialabgaben. Doch sie steuern auch erfolgreich gegen: nicht nur mit Stellenabbau, sondern auch mit Digitalisierungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen.

Springt dann auch noch der jeweilige Markt wieder an, zahlt sich die Kärrnerarbeit doppelt aus: Die Kurse von SDAX-Unternehmen wie LPKF Laser, Drägerwerk, Basler oder Indus haben binnen zwölf Monaten schon zwischen 50 und 80 Prozent zugelegt. Verbio, ein Hersteller von nachwachsenden Kraftstoffen, hat seinen Kurs fast verdreifacht, SMA Solar hat ihn mehr als verdoppelt.

Verbio (WKN: A0JL9W)

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Die Kehrseite der Medaille

Die guten Nachrichten aus den Unternehmen bedeuten auch: Jobs werden in Deutschland wieder sicherer. Leider hat der BVR aber auch eine schlechte Nachricht für Verbraucher: Die Preise werden weiter steigen. Für 2026 prognostiziert der BVR eine Inflationsrate von 2,8 und 2,5 Prozent für 2027. Vorübergehend könne die Teuerung sogar wieder über die Marke von drei Prozent steigen. Der Grund: Höherer Energie- und Transportkosten.

Häufige Fragen zum Thema

Was ist der BVR?

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, abgekürzt „BVR“, ist der Spitzenverband der genossenschaftlichen Kreditinstitute in Deutschland, also vor allem aller Volks- und Raiffeisenbanken. Der BVR hat seinen Hauptsitz in Berlin.

Warum hat der BVR seine Wachstumsprognose für Deutschland angehoben?

Es gibt gleich mehrere Gründe für den aufkommenden Optimismus. Die deutsche Wirtschaft ist nun bereits drei Quartalen in Folge gewachsen. Zudem beobachten Volkswirte eine allmähliche Belebung in den Auftragsbüchern der Industrie, eine erhöhte Dynamik im Baugewerbe und steigende Exporte. Die Exporte erreichten im Juni sogar einen Rekordwert. Gleichzeitig schiebt der Staat mit seinen Sonderausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz die heimische Wirtschaft an.

Wer profitiert an der Börse von einer wachsenden deutschen Wirtschaft?

Vor allem die sogenannten Nebenwerte in MDAX und SDAX profitieren besonders von einer Konjunkturbelebung in Deutschland. Sie sind zwar auch international aufgestellt, üblicherweise hängt aber ein größerer Teil ihres Geschäfts vom deutschen Heimatmarkt ab als etwa bei den DAX-Konzernen.

Enthält Material von dpa-AFX