Das Gewicht asiatischer Techaktien ist in vielen ETFs mit Fokus auf die Emerging Markets riskant hoch geworden. Dabei gibt es gute Alternativen
Wer in Schwellenländer investiert, sieht vielerlei Chancen: in China und Indien, Korea und Taiwan, aber auch in Brasilien, Südafrika und etlichen anderen Ländern, und das zudem in zahlreichen Branchen. Der gängige Leitindex MSCI Emerging Markets zeigt jedoch weniger Vielfalt als gedacht. Der Index umfasst zwar rund 1.200 Aktien, doch ein großer Teil seiner Entwicklung hängt an einer kleinen Gruppe Mega Caps. Die fünf größten Aktien TSMC, SK Hynix, Samsung Electronics, Alibaba sowie Tencent machen mittlerweile fast 30 Prozent des Index aus. Allein TSMC steht für rund 15 Prozent. Statt breiter Diversifikation geht es hier also um recht wenige Themen: KI, Halbleiter, Speicherchips und Rechenzentren. Und alles „made in Asia“.
Diese Konzentration ist nicht grundsätzlich problematisch, geht es doch um führende Unternehmen, die von strukturellem Wachstum profitieren. Für Anleger stellt sich jedoch eine andere Frage: Wie viel des Portfolios soll von der Entwicklung des KI- und Halbleiterzyklus abhängen? Und wie viel Taiwan- und Korea-Risiko darf es sein? Fakt ist, Marktkapitalisierung ist nicht dasselbe wie wirtschaftliche Breite. Wenn Aktien stark steigen, wächst ihr Gewicht im kapitalisierungsgewichteten Index automatisch weiter. Das Momentum verstärkt so die Konzentration.
Mehr Banken, weniger Tech
Dabei lassen sich Schwellenländer mit einem ETF auch anders abbilden. Es muss nicht immer der MSCI-Leitindex sein, der repliziert wird. Der iShares Emerging Markets Dividend folgt beispielsweise einem Dividendenindex und setzt dadurch einen ganz anderen Schwerpunkt. Finanzdienstleistungen, Energie und Industrie prägen das Portfolio deutlich stärker, während der Technologieanteil aktuell bei nur etwa neun Prozent liegt (siehe Grafik unten). Der ETF bildet damit nicht weniger Schwellenländer ab, sondern spiegelt eine andere Facette dieser Märkte.
An die Stelle von Chips und Co treten Unternehmen wie Petrobras und Vale aus Brasilien oder Orlen aus Polen. Das verringert die Abhängigkeit von einzelnen Techgiganten und vom KI-Investitionszyklus. Zugleich bringt der Ansatz eigene Merkmale und Risiken mit: eine stärkere Dividendenorientierung, eine andere Länder- und Branchenverteilung. Der Reiz liegt daher in einer anderen Perspektive. Diversifikation bedeutet nicht nur, möglichst viele Aktien zu besitzen. Entscheidend ist auch, wie stark einzelne Titel, Branchen und Themen das Ergebnis bestimmen. Wer die Schwellenländer nicht allein durch die Linse von KI und Halbleitern betrachten möchte, kann also bewusst einen anderen Weg wählen — mit weniger Techkonzentration und mehr Gewicht auf Banken, Energie, Industrie und laufende Erträge.
Fazit
Der iShares-ETF ist eine solide, breit über viele Länder und Sektoren diversifizierte Ergänzung zu den üblichen oft Tech-lastigen Schwellenländer-ETFs.