Der Kryptomarkt ist für viele Anleger noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. 2025 haben Bitcoin, Ethereum & Co. unterm Strich an Wert verloren. Trotzdem war die Nachfrage nach Krypto-ETNs sehr hoch. Thomas Koch von der Deutschen Börse erklärt, worauf Anleger jetzt achten müssen.
Das Börsenjahr 2025 brachte den großen Kryptowährungen insgesamt moderate Verluste. Der Bitcoin verlor sechs Prozent an Wert, Ethereum gab elf Prozent ab und Solana büßte 34 Prozent ein. In Euro fielen die Kurseinbußen mit Minuszeichen zwischen 17 und 42 Prozent noch einmal deutlich stärker aus. In den 24 Monaten zuvor hatte sich der Wert des Bitcoins allerdings auch fast versechsfacht, Ethereum knapp verdreifacht. Der Kurs von Solana war 2023 und 2024 in Summe sogar um rund 1.800 Prozent gestiegen.
Der Bitcoin markierte im Oktober sogar ein neues Allzeithoch bei über 126.000 US-Dollar, bevor es zum Jahresende hin erneut eine starke Korrektur gab. Im weiteren Verlauf erreichte der Kurs im Tief rund 80.000 Dollar. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei den anderen Währungen. Ethereum verfehlte bei seinem neuen Rekord im August nur knapp die Marke von 5000 Dollar und fiel anschließend bis auf gut 2600 US-Dollar zurück.
Ethereum profitiert stärker als im Vorjahr
Trotz der ins Stocken geratenen Rally war das abgelaufene Jahr erneut von einer starken institutionellen Nachfrage geprägt. Laut Coinshares lagen die globalen Zuflüsse in digitale Vermögenswerte mit 47,2 Milliarden US-Dollar nur knapp unter dem 2024 erreichten Rekordwert von 48,7 Milliarden US-Dollar. Die Gelder flossen überwiegend in Produkte auf den Bitcoin (57 Prozent) und Ethereum (27 Prozent). Im Jahr zuvor war der Fokus auf Bitcoin-Assets mit einem Anteil von 86 Prozent aber noch wesentlich größer.
Dovile Silenskyte von WisdomTree sieht rückblickend vor allem in den Sommermonaten „Anzeichen für eine selektive Neugewichtung der Portfolios einiger großer institutioneller Anleger, die ihre Allokationen in Ethereum-ETNs im Vergleich zu Bitcoin-ETNs erhöht haben“. Die Zuflüsse in physisch hinterlegte Ethereum-ETNs seien gerade in Europa das ganze Jahr über „bemerkenswert“ gewesen.
Bitcoin-ETNs dominieren den Börsenhandel
Im Handel mit Krypto-ETNs an der Deutschen Börse blieb der Bitcoin 2025 die klare Nummer eins. Die höchsten Umsätze verbuchte der Bitwise Physical Bitcoin (DE000A27Z304). Die Daten des Krypto-ETN-Emittenten Bitwise zeigen für diesen ETN unter dem Strich allerdings europaweit Nettoabflüsse. Die größten Zuflüsse gingen in Bitcoin-ETNs von iShares (XS2940466316) und CoinShares (GB00BLD4ZL17).
Die verbleibenden vier Plätze in den Top-10 der Umsatzspitzenreiter nahmen im abgelaufenen Jahr der 21Shares Solana Staking (CH1114873776), der 21Shares XRP (CH0454664043) sowie die Ethereum-ETNs von VanEck (DE000A3GPSP7) und 21Shares (CH0454664027) ein.
Anlegerinnen und Anleger setzen auf steigende Kurse
Im Derivate-Handel von Vontobel blickt David Hartmann im Segment der Kryptowährungen auf ein „ausgesprochen turbulentes Börsenjahr 2025“ zurück. Das Interesse der Anlegerinnen und Anleger habe sich dabei wie bereits in den Vorjahren auf die „Ur-Kryptowährung“ Bitcoin fokussiert. „Rund zwei Drittel aller Transaktionen entfielen auf Zertifikate mit dem Basiswert Bitcoin, gefolgt von Ethereum und Solana.“
Gemessen an der Anzahl der ausgeführten Handelsgeschäfte entwickelte sich der aktuell dreifach gehebelte Mini Future Long auf den Bitcoin Future (DE000VC1HCL6) zum meistgehandelten Produkt in diesem Bereich. Insgesamt habe die Nachfrage nach Long-Strukturen deutlich überwogen, sagt Hartmann: „Im Hebelsegment bezog sich lediglich etwa jeder zehnte Trade auf eine Short-Positionierung.“ Im Segment der Anlageprodukte war erneut eine hohe Nachfrage nach dem Open-End Partizipationszertifikat auf BTC/USD (DE000VQ63TC1) zu beobachten.
Was 2026 die Kurse bewegt
Die Prognosen für das aus Sicht der Krypto-Bullen positiv angelaufene Jahr 2026 fallen – wie bei dieser Assetklasse üblich – sehr unterschiedlich aus. Wichtige Einflussfaktoren könnten vor allem die Entwicklung der US-amerikanischen Leitzinsen, die anstehenden Zwischenwahlen in den USA, die von US-Präsident Donald Trump versprochene Deregulierung sowie das Verhalten der institutionellen Investoren werden. Oder etwas, an das heute noch niemand denkt.
André Dragosch von Bitwise erkennt nach dem „Jahr der Konsolidierung“ eine Unterbewertung der großen Kryptowährungen, was eine „asymmetrisch attraktive Ausgangslage für 2026“ schaffe. „Mit verbesserten makroökonomischen Rahmenbedingungen, zunehmender institutioneller Durchdringung und strukturellen Angebotsengpässen erscheint der Kryptomarkt gut positioniert für eine erneute, fundamental getragene Aufwärtsphase.“
Wichtige Chartmarken
Maximiliaan Michielsen von 21Shares sieht den Bitcoin mit Blick auf den charttechnischen Widerstand zwischen 95.000 und 100.000 US-Dollar kurzfristig in einer konstruktiven, aber heiklen Lage: „Ein entscheidender Durchbruch über den Widerstand würde wahrscheinlich die Dynamik beschleunigen, während ein Rückgang in Richtung der 80.000-Marke eher mit einer Konsolidierung als mit einer Trendumkehr einhergehen würde; vorausgesetzt, diese wichtige Unterstützung hält.“
Die mittelfristige Einschätzung der Strategen bleibt positiv: „Insgesamt geht Bitcoin als ausgereifter Makro-Vermögenswert in das Jahr 2026, der stärker von Kapitalflüssen, Liquidität und globaler Positionierung geprägt ist und bei Anhalten der aktuellen Trends einen konstruktiven Weg vor sich hat.“
Anhaltend hohe Nachfrage
Konkrete Kursziele spricht Matthew Kimmell von CoinShares aus. Sein Unternehmen sieht für den Bitcoin im Jahr 2026 ein hohes Potenzial, „auch wenn der Weg nach oben voraussichtlich nicht linear verlaufen wird“. Die aus fundamentaler Sicht errechnete Bewertungsuntergrenze liegt aus seiner Sicht bis Ende des Jahres bei rund 140.000 US-Dollar. In einem günstigen Szenario könne der Bitcoin sogar Preisniveaus von um 240.000 Dollar erreichen. Als Grundlage für seine Annahmen sieht Kimmell eine weitere Zunahme des weltweiten Bitcoin-Besitzes sowie der spargetriebenen Zuflüsse, wodurch eine nachhaltige Nachfrage entstehen könnte.
Korrektur-Risiken durch Ende des Halving-Zyklus?
Es gibt aber auch deutlich kritischere Stimmen. Jurrien Timmer von Fidelity fürchtet einen neuen Bärenmarkt im Jahr 2026, weil der Bitcoin sowohl preislich als auch zeitlich einen weiteren vierjährigen Halving-Zyklus beendet haben könnte. Unterstützung dürfte der Kurs seiner Ansicht nach erst zwischen 65.000 und 75.000 US-Dollar finden.
Die Bank of America (BOA) warnt vor einer allgemeinen Flucht aus hochspekulativen Assets. Da Kryptowährungen in der Vergangenheit sehr stark mit Tech-Aktien korreliert haben – was seit Oktober allerdings nicht mehr zu beobachten ist – , bestehe für 2026 das Risiko, dass bei einer Abkühlung der KI-Euphorie auch der Bitcoin überproportional mitgerissen wird. Trotzdem hat die BOA ihren Vermögensverwaltern zu Beginn des neuen Jahres erstmals offiziell erlaubt, Kryptowährungen als Teil der Kundenportfolios zu empfehlen, bis zu einem Anteil von vier Prozent.
Enthält Material von dpa-AFX
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Ethereum.