Der Kryptomarkt ist über Nacht zurück: Bitcoin springt über 71.000 US-Dollar, Ethereum und zahlreiche Altcoins legen zweistellig zu. Auslöser ist eine Aktion des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt. Was Privatanleger jetzt wissen müssen.

Bitcoin ist zurück: Die wichtigste Kryptowährung kletterte am Donnerstag zeitweise über 71.000 US-Dollar und legte damit binnen 24 Stunden rund zwölf Prozent zu. Noch stärker präsentierten sich viele Altcoins. Ethereum gewann gut 20 Prozent, Hyperliquid rund 23 Prozent und Pepe mehr als 21 Prozent. Der globale Kryptomarkt wuchs laut CoinMarketCap auf etwa 2,4 Billionen US-Dollar.

In der Top-100-Liste von CoinMarketCap gehörten neben Hyperliquid, Monad und Pepe auch XRP mit rund 19 Prozent, Ethena mit gut 20 Prozent und Solana mit gut 13 Prozent zu den größten Gewinnern. Mit einzelnen kleineren Coins wie etwa xMoney konnten Trader seit gestern sogar 160 Prozent Kursgewinn verbuchen. 

Auch das Handelsvolumen schnellte deutlich nach oben. Anleger kaufen also nicht nur gezielt einzelne Coins, sondern alle Marktteilnehmer gehen nun wieder stärker ins Risiko.

Die wichtigsten Kursgewinner

Die genannten 160 Prozent in 24 Stunden sind natürlich Vorsicht zu lesen. Solche Ausschläge sind typischerweise ein Resultat einer sehr geringen Liquidität in einer Kryptowährung, so dass schon ein vergleichsweise kleiner Kauf den Kurs stark bewegen kann – auch nach unten. Privatanleger ohne langjährige Krypto-Erfahrung sollten solche Coins daher besser meiden.

Geld ist aktuell schließlich auch mit den etablierten Kryptowährungen zu verdienen: Bitcoin legte seit Mittwoch um knapp zwölf Prozent zu, Ethereum um gut 20 Prozent. Auch Solana, Cardano der Ripple gewinnen zweistellig.

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US-Finanzminister Bessent gab den Impuls

Der entscheidende Auslöser kam am Mittwoch aus Washington: US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Käufe langfristiger US-Staatsanleihen durch die Regierung mindestens zu verdoppeln. Offiziell soll die Maßnahme für mehr Liquidität sorgen und den Handel am langen Ende des Anleihemarkts stabilisieren. Für Anleger zählt aber vor allem die Marktreaktion: Die Renditen sanken, während risikoreiche Anlagen wieder gefragt sind.

Warum hilft das Bitcoin? Wenn die US-Regierung langfristige Anleihen zurückkauft, nimmt sie Angebot aus einem Markt, der zuletzt unter steigenden Finanzierungskosten litt. Gleichzeitig tauscht das Finanzministerium einen Teil der langen Laufzeiten gegen kürzere Schuldtitel. Das kann die sogenannte Laufzeitprämie drücken. Der Schritt ist zwar keine klassische quantitative Lockerung der US-Notenbank, wurde von vielen Marktteilnehmern aber als eine stille Form davon interpretiert.

Bitcoin (ISIN: CRYPT0000BTC)

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Liquidität treibt Risikoanlagen

Die Logik dahinter ist einfach: Sinken die Anleiherenditen und verliert der US-Dollar an Stärke, suchen Anleger eher nach Vermögenswerten mit höherem Risiko. Dazu zählen Technologieaktien, Gold und Bitcoin. Und so sprang Bitcoin nach einer langen Seitwärtsphase über 71.000 US-Dollar. Auch die noch junge Währung Hyperliquid gehörte mit etwa 24 Prozent zu den 20 Coins mit den höchsten Handelsumsätzen.

Zusätzlichen Treibstoff lieferte der Derivatemarkt. Laut Fortune mussten Short-Verkäufer, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, wegen des schnellen Kursanstiegs Positionen im Umfang von rund 1,5 Milliarden US-Dollar schließen. Beim sogenannten Short Squeeze kaufen diese Händler unfreiwillig zurück und verstärken damit den Kursanstieg. Ein solcher Mechanismus erklärt, warum die Bewegung innerhalb weniger Stunden so dynamisch wurde.

Auch Krypto-Aktien steigen

Der Aufschwung am Kryptomarkt schlug sich am Donnerstag auch direkt an der Börse nieder: Aktien des Kyrpto-Marktplatzes Coinbase stiegen vorbörslich um drei Prozent, der US-Neobroker Robionhodd gewann zwei Perozent. Die Aktie von Strategy, die wegen ihre großen Bitcvoin-Bestände gemeinhin als Hebel auf die Kryptowährung gilt, legte außerbörslich sogar um neun Prozent zu.

Strategy (WKN: 722713)

Keine Garantie für weiter steigende Kurse

Für die nächsten Tage ist entscheidend, ob aus dem kurzen Liquiditätsschub eine nachhaltige Nachfrage wird. Die Käufe des US-Finanzministeriums lösen weder die hohe US-Verschuldung noch die Unsicherheit über Inflation, Zinsen und den weiteren Anleihebedarf. Bessents Schritt kann die Märkte beruhigen, er garantiert aber keinen dauerhaft sinkenden Renditetrend.

Privatanleger sollten deshalb nicht den stärksten Tagesgewinner hinterherlaufen. Wer Krypto beimischen möchte, sollte den Anteil klein halten, auf liquide und etablierte Coins achten und nur Geld einsetzen, dessen Verlust verkraftbar ist. 

Die Chancen für ein nachhaltiges Krypto-Comeback sind seit gestern stark gestiegen. Aber ein einzelner Handelstag ist noch kein Trend.

Häufige Fragen zum Thema

Warum steigt Bitcoin, wenn die Renditen auf Anleihen sinken?

Wenn die Renditen von Anleihen sinken, steigt oft der Bitcoin-Kurs, weil sich dann eine risikolose Anlage in verzinste Papiere weniger lohnt. Anleger suchen dann nach höheren Gewinnchancen bei riskanteren Anlagen. Sinkende Renditen bedeuten gkleichzeitig meist auch mehr Geld im Markt, was die Zuflüsse in Risikoassets erhöht und außerdem den Wert von Bitcoin als Schutz vor Geldentwertung stärkt.

Welche Faktoren beeinflussen den Bitcoin-Kurs am stärksten?

Aktuell dominieren makroökonomische Faktoren wie die US-Zinspolitik der Federal Reserve und die Entwicklung der Anleiherenditen den Bitcoin-Kurs. Daneben spielen angebotsseitige Faktoren wie Miner-Verkäufe und geopolitische Unsicherheiten eine Rolle.

Warum steigen auch andere Coins, wenn Bitcoin steigt?

Wenn Bitcoin steigt, ziehen andere Kryptowährungen (sogenannte Altcoins) meistens mit, weil Bitcoin als Leitwährung für den gesamten Markt gilt. Steigt der Bitcoin-Kurs, wächst das Vertrauen und das Risikointeresse der Anleger in Kryptowährungen generell, was zu frischen Kapitalzuflüssen im gesamten Sektor führt

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin, Ethereum.