Zwei Chartbilder zeigen die Stimmung an den Märkten. Und stehen für einen Widerspruch. Bitcoin hat sich seit Anfang Juli von einem 21-Monats-Tief kräftig erholt, KI-Aktien dagegen rutschen tiefer in eine Korrektur. Raus aus KI, rein in Krypto? So einfach ist es leider nicht. Wer genauer hinsieht, kann enorm profitieren. Von Klaus Madzia.

Nach einem 21-Monats-Tief bei 57.950 Dollar am 1. Juli stieg Bitcoin binnen drei Wochen um über elf Prozent auf über 66.000 Dollar. Treiber waren die unerwartet niedrige US-Juni-Inflation sowie erneute Zuflüsse in Bitcoin-ETFs. Großanleger kauften Bitcoin im Wert von 16,7 Milliarden Dollar. Gleichzeitig gerieten KI-Aktien unter Druck. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor bis zu 20 Prozent gegenüber seinem Juni-Rekordhoch. Am 23. Juli löschte ein einziger Handelstag knapp 800 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung bei den „Magnificent Seven" aus.  

Zwei Bewegungen, ein Auslöser

Auf den ersten Blick sieht das nach Gegensätzen aus: hier die Krypto-Erholung, dort der KI-Ausverkauf. Tatsächlich speisen sich beide Bewegungen aus derselben Quelle. Zinserwartungen, Inflationsdaten und die Frage, ob sich die enormen Investitionen der vergangenen Jahre auszahlen, treiben beide Anlageklassen. Bitcoin und KI-Aktien bewegen sich seit Monaten nicht gegeneinander, sondern im selben Risiko-Regime – mal beide unter Druck, mal beide im Aufwind, aktuell im Fokus der Fed-Sitzung am 28. Juli. Sie sind keine Alternativen zueinander. Sie hängen an denselben Fäden. 

Genau das widerlegt eine oft wiederholte These: Wer in Krypto ist, solle jetzt lieber auf KI umsteigen. Diese Logik behandelt zwei Technologien als Nullsummenspiel, so als müsse man sich zwischen ihnen entscheiden. Dabei ist Krypto – genauer: die Blockchain-Infrastruktur – kein Konkurrent der Künstlichen Intelligenz, sondern eine Ebene darunter.  

Das zeigt sich an einem sehr praktischen Problem: KI-Agenten – also Programme, die selbstständig handeln – können kein Bankkonto eröffnen oder tagelang auf Überweisungen warten. Sie brauchen digitales Geld, das sofort fließt. Durch KryptoTechnologien kann Software kleinste Beträge vollautomatisch und fast kostenlos in Echtzeit bezahlen. Erst diese Blockchain-Infrastruktur macht es möglich, dass KI-Agenten wirklich autonom agieren können. 

Was soll ich jetzt kaufen?

Für Anleger heißt das: Beide Korrekturen lassen sich als Einstiegschance lesen, wenn auch mit unterschiedlichem Zeithorizont. Der Vermögensverwalter 21Shares hält an seinem Basisszenario einer Bitcoin-Erholung auf 100.000 Dollar bis Jahresende fest. Bei KI-Aktien sehen Analysten von Seeking Alpha die aktuelle Korrektur als Chance, um Positionen aufzubauen. Am besten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Halbleitern bis Rechenzentren, mit Fokus auf Unternehmen mit solider Bilanz statt spekulativer Story-Titel. HSBC-Stratege Max Kettner warnt zwar vor einer weiteren Korrektur von fünf bis zehn Prozent im S&P 500 vor den US-Zwischenwahlen im Herbst, hält das aber ausdrücklich für eine Kaufgelegenheit, keinen neuen Bärenmarkt. 

Wer beide Bewegungen isoliert betrachtet, verpasst den eigentlichen Punkt: Krypto-Infrastruktur und KI-Boom wachsen zusammen, nicht auseinander. Die spannendere Frage lautet deshalb nicht „Krypto oder KI", sondern welche Unternehmen an der Schnittstelle beider Trends stehen. Die besten Aktien in diesem Bereich finden Leser des kiq-Reports. Alle vierzehn Tage neu. 

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