Vor den Quartalszahlen sorgen Microsofts hohe KI-Investitionen für Nervosität. Ein neues Kursziel von Morgan Stanley und Parallelen zum Cloud-Ausbau der 2010er-Jahre machen jedoch Hoffnung.

Trotz Rekordumsätzen und -gewinnen hinken die KI-Hyperscaler bei der Aktienperformance weiterhin dem Gesamtmarkt hinterher. Nachdem die Microsoft-Aktie im Juni den schlechtesten Monat seit 26 Jahren verzeichnet hatte, ging es in der vergangenen Woche auch für Alphabet auf Talfahrt: Am Tag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen brach die Aktie um rund sieben Prozent ein. 

Am Mittwoch, den 29. Juli, veröffentlicht Microsoft seine Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Nach der deutlich negativen Kursreaktion der Alphabet-Aktie stellt sich nun die Frage, wie die Zahlen von Microsoft vom Markt aufgenommen werden. Morgan Stanley hat dazu in der vergangenen Woche einen Report veröffentlicht und ein neues Kursziel ausgegeben.

Microsoft (WKN: 870747)

Morgan Stanley bleibt optimistisch für die Microsoft-Aktie

Analyst Adam Wood bestätigte am vergangenen Dienstag seine Kaufempfehlung und setzte das Kursziel auf 600 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 56 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht. Die bevorstehenden Zahlen zum vierten Quartal könnten aus seiner Sicht zu einem positiven Kurstreiber werden. Als wichtigste Wachstumstreiber sieht Wood den Cloud-Dienst Azure sowie Microsoft Copilot. Bei beiden Angeboten dürfte sich die Stimmung seiner Einschätzung nach bald verbessern.

Erwartungen wirken nicht übertrieben

Der Konsens rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatz von 87,7 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 14,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der erwartete Gewinn je Aktie liegt bei 4,24 US-Dollar und damit 16,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Unserer Einschätzung nach dürfte Microsoft keine größeren Schwierigkeiten haben, die Erwartungen zu übertreffen. Zum einen wächst die Nachfrage nach Rechenleistung weiterhin rasant, was auch die jüngsten Quartalszahlen von Alphabet verdeutlicht haben. Azure wächst deutlich stärker als die übrigen Sparten und macht einen immer größeren Anteil am Gesamtumsatz aus. Dadurch dürfte der Cloud-Dienst die Wachstumsrate des gesamten Konzerns weiter nach oben ziehen.

Zum anderen hat Microsoft die Gewinnerwartungen in den vergangenen 15 Quartalen stets übertroffen – im Durchschnitt um 5,9 Prozent. Die Umsatzerwartungen wurden in den vergangenen 13 Quartalen jedes Mal geschlagen, im Schnitt um 2,1 Prozent.

Doch freuen wir uns nicht zu früh: Selbst exzellente Umsatz- und Gewinnzahlen garantieren in Zeiten wachsender Capex-Sorgen keine positive Kursreaktion mehr.

Das große Capex-Risiko

Hauptgrund für die negative Kursreaktion der Alphabet-Aktie nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen war der weiterhin starke Anstieg der Capex, der den Free Cashflow erstmals in der Unternehmensgeschichte ins Negative drückte. Ein negativer Free Cashflow ist bei Microsoft derzeit allerdings nicht das Basisszenario: Für das vierte Quartal erwarten die Analysten im Durchschnitt einen Free Cashflow von 17,4 Milliarden US-Dollar. Dennoch könnten deutliche Abweichungen nach unten für Enttäuschung sorgen.

Microsoft rechnet für das Kalenderjahr 2026 mit Capex in Höhe von rund 190 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal prognostizierte das Management Investitionen von „über 40 Milliarden US-Dollar“. Auch hier könnten deutliche Anhebungen für zusätzliche Verunsicherung sorgen.

Ein zentraler Unterschied zu Alphabet ist die Bewertung: Microsoft ist vor den Quartalszahlen mit einem Forward-KGV von 20,6 so günstig bewertet wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Damit scheint in der Microsoft-Aktie bereits deutlich mehr Pessimismus eingepreist zu sein, als es bei Alphabet vor Veröffentlichung der Zahlen der Fall war.

Besonders spannend: Als Microsoft das letzte Mal so günstig bewertet war, gab es ebenfalls große Bedenken hinsichtlich des Ausbaus der Cloud-Infrastruktur, die sich im Nachhinein jedoch als unbegründet herausstellten.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich

Bereits zwischen 2014 und 2017 wurde der Ausbau der Cloud-Infrastruktur durch Amazon, Google und Microsoft stark kritisiert. In einem Artikel von The Motley Fool aus dem Jahr 2015 heißt es etwa: „Amazon ist ein Geldgrab, keine Cashflow-Maschine.“ Mit Blick auf die Expansion von AWS werden darin insbesondere die „enormen Kapitalinvestitionen und kurzen Abschreibungszeiträume“ kritisiert. Diese Argumentation erinnert stark an die pessimistischen Äußerungen des Starinvestors Michael Burry zum aktuellen Investitionszyklus in die KI-Recheninfrastruktur.

In einem weiteren Artikel des Wall Street Journal vom 7. April 2017 ist von einem „kostspieligen Wettrüsten“ der Cloud-Anbieter die Rede. Die Investitionen werden mit denen von Ölunternehmen verglichen, die Milliarden in die Suche nach neuen Vorkommen stecken, ohne den späteren wirtschaftlichen Ertrag sicher abschätzen zu können.

Natürlich ist die damalige Situation nicht eins zu eins mit der Gegenwart vergleichbar. Die Investitionssummen waren deutlich geringer und das Kerngeschäft rund um Microsoft 365 hatte noch einen wesentlich höheren Anteil am Umsatz. Dennoch zeigt sich, dass große Unternehmen häufig kritisiert werden, wenn sie Risiken eingehen und dafür hohe Investitionen tätigen. Zumindest die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass sich zunächst belastende Investitionen langfristig auch als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen können.

Fazit: Viel Pessimums eingepreist, trotzdem ist kurzfristig Vorsicht geboten

Das historisch niedrige KGV von Microsoft zeigt, dass der Markt derzeit einpreist, dass sich die gigantischen Cloud-Investitionen nur teilweise auszahlen werden. Sollten sich diese Bedenken als unbegründet erweisen, könnten Anleger die Aktie wieder mit einer höheren Bewertung belohnen. Aus heutiger Sicht spricht jedoch vieles dafür, dass Microsoft mittel- und langfristig vom KI-Boom profitieren und seine starke Marktstellung weiter ausbauen wird.

Kurzfristig entscheidend dürfte für die Microsoft-Aktie daher weniger das Umsatz- und Gewinnwachstum allein sein, sondern vielmehr die Aussagen des Managements zur konkreten Wirtschaftlichkeit der Investitionen. Aussagen wie „Jeder investierte Dollar bringt uns langfristig x Dollar Umsatz“ könnten den Markt beruhigen.

Die Wette auf eine positive oder negative Kursreaktion unmittelbar nach den Quartalszahlen gleicht dennoch eher einem Münzwurf, da bereits einzelne Aussagen des Managements die Stimmung stark beeinflussen können. Wer bereits vor den Zahlen einsteigen möchte, sollte daher allenfalls eine kleine Position aufbauen und einen langfristigen Anlagehorizont sowie eine erhöhte Risikobereitschaft mitbringen.

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Häufig gestellte Fragen:

Wann veröffentlicht Microsoft seine Quartalszahlen?

Microsoft veröffentlicht die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal 2026 am Mittwoch, den 29. Juli, nach US-Börsenschluss. Das ist ungefähr um 22 Uhr Deutscher Zeit.

Was sind die Erwartungen an die Microsoft-Zahlen?

Analysten rechnen mit einem Umsatz von 87,7 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 4,24 US-Dollar.

Ist die Microsoft-Aktie derzeit günstig bewertet?

Mit einem Forward-KGV von rund 20,6 ist Microsoft so niedrig bewertet wie seit fast zehn Jahren nicht mehr.

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