Bitcoin hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. In der vergangenen Woche verteuerte sich die größte Kryptowährung um rund 23 Prozent und erzielte damit den höchsten Wochengewinn seit März 2023. Trotz dieses Kurssprungs sieht eine internationale Großbank weiteres erhebliches Potenzial – und hält ihr bisheriges Kursziel inzwischen sogar für möglicherweise zu niedrig.

Den entscheidenden Impuls zur Bitcoin-Rally lieferte der US-Anleihemarkt. Das US-Finanzministerium kündigte an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Die Maßnahme drückte zunächst die Renditen und schwächte den Dollar. Gleichzeitig wuchsen die Sorgen, dass Washington angesichts hoher Defizite und steigender Zinskosten zunehmend in den Anleihemarkt eingreifen muss. Damit gewann der sogenannte Debasement-Trade wieder an Bedeutung: Anleger setzen dabei auf knappe Vermögenswerte, die nicht beliebig von Staaten oder Notenbanken geschaffen werden können.

Short-squeeze beschleunigt die Rally

Bei Bitcoin traf dieser Impuls auf eine ungewöhnlich hohe Zahl pessimistischer Wetten. Der plötzliche Kursanstieg zwang zahlreiche Spekulanten, ihre Short-Positionen zu schließen (Short-squeeze). Allein innerhalb von drei Tagen wurden laut Coinglass gehebelte Bitcoin-Wetten auf fallende Kurse im Umfang von fast 2,5 Milliarden Dollar liquidiert. Die notwendigen Rückkäufe verstärkten die Aufwärtsbewegung zusätzlich.

Doch nicht nur Spekulanten trieben den Kurs. Die 13 in den USA gelisteten Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 1,92 Milliarden Dollar – so viel wie seit zehn Monaten nicht mehr. Allein am 20. August flossen 606 Millionen Dollar zu. Damit gibt es Anzeichen dafür, dass hinter dem Kurssprung auch wieder eine breitere Investorennachfrage steht.

Zusätzliche Unterstützung kam aus Washington. US-Präsident Donald Trump drängte den Kongress erneut auf Fortschritte beim Clarity Act zur Regulierung des Kryptomarktes. Klarere Regeln könnten aus Sicht von Marktbeobachtern insbesondere institutionellen Investoren den Einstieg erleichtern.

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Bitcoin (ISIN: US12573M4006)

Standard Chartered hält 100.000 Dollar für möglicherweise zu niedrig

Besonders optimistisch äußert sich derzeit Standard Chartered. Noch am 19. August bekräftigte die Bank ihr Ziel von 100.000 Dollar bis Ende 2026. Die Ausweitung der Anleihe-Rückkäufe wertete das Institut als ein Umfeld, das Bitcoin aufgrund verbesserter Liquiditätsbedingungen und seines begrenzten Angebots grundsätzlich entgegenkommt. 

Nur zwei Tage später ging die Bank einen Schritt weiter. Nach der außergewöhnlich starken Rally hält sie erstmals in diesem Jahr das eigene Jahresendziel von 100.000 Dollar für möglicherweise zu niedrig. Bitcoin könnte nach Einschätzung der Analysten noch 2026 in Richtung seines bisherigen Rekordhochs von rund 126.000 Dollar vorstoßen. Vom aktuellen Niveau um 78.000 Dollar würde dies ein zusätzliches Aufwärtspotenzial von mehr als 60 Prozent bedeuten. 

Ein wesentlicher Grund für den gestiegenen Optimismus ist die Marktpositionierung. Die jüngste Bewegung ging mit außergewöhnlich umfangreichen Short-Liquidationen einher. Gleichzeitig ist das Open Interest – also der Gesamtwert noch offener Positionen am Terminmarkt – nach Einschätzung von Standard Chartered niedrig genug, um Raum für neue Marktteilnehmer zu lassen. Steigt Bitcoin weiter, könnten zusätzliche Anleger zurückkehren und die Rally dadurch selbst verstärken. 

Mindestens ebenso wichtig sind für die Bank die wieder anziehenden ETF-Zuflüsse. Sie zeigen, dass der Anstieg nicht ausschließlich auf erzwungene Käufe von Short-Spekulanten zurückzuführen ist. Setzt sich die Nachfrage nach Spot-Bitcoin-ETFs fort, könnte daraus ein nachhaltigerer Kurstreiber entstehen.

Fazit: Ob aus dem höchsten Wochengewinn seit 2023 tatsächlich eine neue längerfristige Aufwärtsbewegung wird, dürfte deshalb vor allem davon abhängen, ob die ETF-Zuflüsse anhalten und neue Investoren dauerhaft zurückkehren. Standard Chartered hält genau dieses Szenario inzwischen für realistisch – und sieht erstmals die Gefahr, dass selbst die Marke von 100.000 Dollar zu konservativ angesetzt sein könnte.

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