China hat seine Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge aufgestockt. Mit einem Zukauf von 20 Tonnen erhöhte die chinesische Notenbank das Tempo deutlich. Es war der größte monatliche Goldkauf seit Oktober 2023.

Damit setzt die chinesische Notenbank ihre seit geraumer Zeit zu beobachtende Strategie fort. Seit März hat sie ihre monatlichen Goldkäufe schrittweise beschleunigt. Nach den jüngsten offiziellen Daten summieren sich die Nettozukäufe seit Jahresbeginn mittlerweile auf 60 Tonnen. Die ausgewiesenen Goldreserven der People’s Bank of China belaufen sich dadurch auf 2.366 Tonnen. Gerade angesichts der kräftigen Korrektur des Goldpreises seit dem Rekordhoch zu Jahresbeginn fällt auf, dass Peking niedrigere Kurse offenbar verstärkt zum Ausbau seiner Bestände nutzt.

Für den Goldmarkt ist das durchaus relevant. Die Nachfrage der Zentralbanken hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Stütze entwickelt. Entsprechend gehen Marktbeobachter davon aus, dass die Käufe des offiziellen Sektors dazu beigetragen haben, den Goldpreis zuletzt oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 Dollar zu stabilisieren.

Chinas tatsächliche Goldreserven könnten deutlich höher sein

Allerdings erzählen die offiziellen Zahlen möglicherweise nur einen Teil der Geschichte. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob China wesentlich mehr Gold kauft, als in den Reservestatistiken der Notenbank ausgewiesen wird. Hintergrund ist unter anderem, dass nicht sämtliche staatlichen Goldbestände zwingend unmittelbar als Reserven der Zentralbank erscheinen müssen.

Besonders weit gehen derzeit die Analysten von BMO Capital Markets. Nach ihren Berechnungen könnte China insgesamt rund 30.000 Tonnen oberirdisches Gold angesammelt haben. Damit läge die tatsächlich dem Land zuzurechnende Goldmenge um ein Vielfaches über den offiziell ausgewiesenen Reserven der People’s Bank of China. BMO schätzt außerdem, dass China inzwischen für ungefähr ein Drittel der weltweiten Goldnachfrageströme verantwortlich sein könnte.

Solche Zahlen sind allerdings mit erheblicher Vorsicht zu interpretieren. Sie beruhen auf Modellrechnungen und Annahmen und sind nicht durch offizielle chinesische Angaben bestätigt. Insbesondere darf ein geschätzter gesamter Goldbestand Chinas nicht mit den offiziellen Währungsreserven der Zentralbank gleichgesetzt werden. Die BMO-Thesen liefern daher einen interessanten Erklärungsansatz für die möglicherweise unterschätzte chinesische Nachfrage, bleiben aber spekulativ.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

BMO erwartet anhaltend hohe Goldkäufe aus China

Für die weitere Goldpreisentwicklung hält BMO die chinesische Nachfrage dennoch für einen entscheidenden Faktor. Die Analysten erwarten, dass sie in der zweiten Jahreshälfte zu den wichtigsten potenziellen Kurstreibern gehören könnte. Dahinter steckt auch die langfristige Strategie Pekings, die internationale Bedeutung des Renminbi auszubauen und die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.

BMO zieht hierfür einen Vergleich mit den USA. Gemessen an der amerikanischen Geldmenge M2 entspreche der US-Goldbestand zu aktuellen Preisen ungefähr fünf Prozent. Würde China langfristig ein vergleichbares Verhältnis anstreben, wären nach Berechnungen der Analysten sehr hohe Goldbestände erforderlich. Als eine Art Mindestziel hält BMO zunächst eine Größenordnung auf Höhe der offiziellen amerikanischen Goldreserven für denkbar.

Daraus leiten die Analysten einen zusätzlichen chinesischen Bedarf von etwa 2.500 bis 3.000 Tonnen innerhalb der kommenden zwei bis fünf Jahre ab. Auch diese Prognose ist keineswegs gesichert. China hat weder ein konkretes Ziel für seine Goldreserven veröffentlicht noch bestätigt, dass eine Annäherung an die US-Bestände angestrebt wird. Sollte Peking seine Käufe allerdings tatsächlich in einer solchen Größenordnung fortsetzen, würde dem Weltmarkt über Jahre hinweg eine beträchtliche Menge Gold entzogen. Das könnte insbesondere bei stagnierendem oder nur langsam wachsendem Minenangebot den Goldpreis unterstützen.

Wichtig zu wissen: Russland und die Türkei traten 2026 zeitweise als größere Verkäufer auf. Bis Ende Juni hatte Russland netto rund 43 Tonnen und die Türkei rund 81 Tonnen abgegeben. Allein im Juni verkauften beide Länder zusammen mehr als elf Tonnen. Trotz dieser Verkäufe blieb der offizielle Sektor insgesamt Netto-Käufer und daran dürfte sich in Zukunft aller Voraussicht nach auch wenig ändern.

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