Nach der markanten Korrektur des Goldpreises seit Ende Februar fragen sich viele Anleger, ob das aktuelle Niveau bereits eine Kaufchance bietet. BCA Research beantwortet dies mit einem klaren Ja.
Nach einer neutralen taktischen Haltung im Frühjahr empfiehlt das kanadische Analysehaus nun, Goldpositionen wieder aufzubauen – risikobewusst abgesichert durch eine Stop-Loss-Marke bei 3.900 Dollar.
Realzinsen als Schlüsselfaktor
Ausschlaggebend für den Optimismus ist die Erwartung, dass der kräftige Anstieg der US-Realzinsen weitgehend beendet ist. Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich erwarteter Inflation) sind für : Steigen die Realrenditen, werden verzinsliche Anlagen attraktiver und die Opportunitätskosten des Goldbesitzes nehmen zu – genau dieser Mechanismus hat den Preis zuletzt belastet.
BCA erwartet nun eine weitgehende Stabilisierung der US-Realzinsen in den kommenden Monaten. Bemerkenswert: Gold konnte die Marke von 4.000 Dollar trotz schwieriger Rahmenbedingungen verteidigen. Für eine Erholung muss die Fed dabei keineswegs die Zinsen senken – entscheidend ist allein, dass die Realzinsen ihren Höhepunkt überschritten haben und die Notenbank nicht stärker strafft als bereits an den Märkten eingepreist.
Eine Ausnahme wäre ein erneuter, dauerhafter Ölpreisschub mit deutlich steigenden Inflationserwartungen. Doch selbst dann rechnet BCA nicht mit dauerhaftem Realzinsdruck: Ein Inflationsschock würde mit Verzögerung die Konjunktur belasten und damit den Spielraum der Fed für weitere Zinserhöhungen begrenzen – wodurch sich erneut eine Stütze für Gold ergäbe.
Makro-Asset statt reiner Inflationsschutz
Nach Jahren, in denen außergewöhnlich hohe Zentralbankkäufe klassische Einflussfaktoren überlagerten, betrachtet BCA Gold wieder stärker als makroökonomisch geprägte Anlageklasse, bei der Realzinsen und Dollar die kurzfristige Preisentwicklung dominieren. Zugleich widerspricht das Analysehaus der verbreiteten Annahme, Gold profitiere automatisch von hoher Inflation. Entscheidend sei vielmehr, wie sich die Teuerung auf Realzinsen und das Vertrauen in die Geldpolitik auswirkt: Bleiben Inflationserwartungen verankert und die Fed glaubwürdig, kann höhere Inflation zunächst sogar gegen Gold wirken, weil sie die Realzinsen treibt.
Längerfristig erwartet BCA zusätzliche Unterstützung vom Dollar. War die US-Währung zuletzt ein Belastungsfaktor für das in Dollar gehandelte Edelmetall, könnten strukturelle Entwicklungen künftig eine Dollarabwertung begünstigen – wodurch aus dem bisherigen Gegenwind Rückenwind für Gold würde.
Zentralbanken als Stütze
Auch die Zentralbanken bleiben Teil der positiven Prognose. Zwar hält BCA den Höhepunkt ihrer Käufe für möglicherweise überschritten, doch die fortgesetzte Diversifikation der Währungsreserven weg vom Dollar sowie weitere Goldkäufe könnten eine Bodenbildung unterstützen. Ohne einen grundlegenden Strategiewechsel der Notenbanken hin zu Nettoverkäufen hält das Haus eine Rückkehr auf die deutlich niedrigeren Preisniveaus von 2022 für wenig wahrscheinlich.
Bemerkenswert ist zudem die Kontinuität der Einschätzung: BCA ist bereits seit November 2022 strategisch positiv für Gold eingestellt, wurde zwischenzeitlich aber taktisch vorsichtiger. Für Privatanleger ist diese Unterscheidung wichtig – eine langfristig positive Haltung schließt zwischenzeitliche Korrekturen nicht aus. Die Stop-Loss-Marke bei 3.900 Dollar definiert deshalb zugleich die Grenze, unterhalb derer die aktuelle taktische Kaufthese überprüft werden müsste.
Fazit: Ob heute tatsächlich der beste Zeitpunkt zum Goldkauf ist, lässt sich erst im Nachhinein beantworten. Eine Anekdote eines Edelmetallexperten bringt es treffend auf den Punkt: Kaufen kann man nur heute – gestern geht nicht mehr, morgen noch nicht. Statt den perfekten Tiefpunkt zu suchen, sollten langfristig orientierte Anleger vor allem darauf achten, wann das vorgesehene Kapital verfügbar ist und welche Rolle Gold im Gesamtvermögen spielen soll. Den perfekten Einstiegszeitpunkt erkennt man ohnehin erst, wenn er längst Vergangenheit ist.
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