Zentralbanken weltweit haben in den vergangenen Jahren ihre Goldbestände massiv aufgestockt. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei den Ländern der BRICS-Gruppe, die eine Reduktion ihrer Abhängigkeit vom Dollar anstreben. China spielt dabei eine Schlüsselrolle und setzt seine Gold-Einkaufspolitik konsequent fort.
Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldkäufe in diesem Jahr intensiviert. Allein im Juni erwarb sie 15 Tonnen Gold – die größte Einzelkaufs-Menge des Jahres bisher. Damit setzt sich ein beeindruckender Trend fort: Es ist bereits der 20. aufeinanderfolgende Monat, in dem die Notenbank ihre offiziellen Goldbestände erhöht. In der ersten Jahreshälfte haben die chinesischen Goldkäufe eine Gesamtmenge von knapp über 40 Tonnen erreicht, wodurch sich die Gesamthaltung auf etwa 2.346 Tonnen erhöht hat.
Das Timing dieser Käufe ist bemerkenswert. China erwarb sein Gold gerade dann, als der Markt unter erheblichem Druck stand und die Goldpreise unter die Marke von 4.000 Dollar fielen. Dies deutet auf eine bewusste Strategie hin: Zentralbanken kaufen in Schwächephasen nach und nutzen Preisrückgänge als Gelegenheit, ihre Reserven aufzustocken. Neben China zeigte auch Usbekistan aktive Kaufbereitschaft und erwarb im Juni zusätzliche neun Tonnen. Die Notenbank Polens führt die aktiven Käufer mit Gesamtkäufen von 64 Tonnen (Stand Mai) an.
Notenbankkäufe als strukturelles Kaufargument
Der weltweite Trend der Notenbankenkäufe ist noch beeindruckender, wenn man den größeren Zeithorizont betrachtet. Der World Gold Council meldete, dass Zentralbanken im Jahr 2025 per Saldo etwa 850 Tonnen Gold kauften. Dies folgt auf einen noch massiveren Trend in den Vorjahren: In den Jahren 2022 bis 2024 kauften Zentralbanken regelmäßig über 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Diese außergewöhnlich hohen Ankaufmengen markieren Jahrzehnte-Höchststände und spiegeln eine strukturelle Verschiebung in der globalen Währungspolitik.
Experten beobachten dabei eine klare Korrelation zwischen Notenbankkäufen und Goldpreisentwicklung. Historisch betrachtet tendiert der Goldpreis bergauf, wenn die Nachfrage durch Zentralbanken zunimmt. Der Grund liegt darin, dass man diese massiven, kontinuierlichen Käufe als Misstrauenssignal gegenüber Fiat-Währungen interpretieren kann und es um die deren Werthaltigkeit nicht gerade zum Besten bestellt sein dürfte. Wenn Notenbanken ihre Goldbestände erhöhen, signalisiert dies wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit sowie ein verstärktes Vertrauen in Gold als Wertaufbewahrungsmittel.
Wie wichtig sind Notenbankenkäufe für den Goldpreis?
Der World Gold Council bewertet die Rolle von Zentralbanken als wichtigen Einflussfaktor für die Goldpreisentwicklung. Nach dessen Ansicht könnte ein zusätzliches Kaufvolumen von 20 bis 30 Tonnen pro Monat zu einer Preiserhöhung um rund ein Prozent führen. Begründung: Erstens reduzieren die realen Ankäufe das verfügbare Angebot am Markt, und zweitens senden verstärkte Notenbankkäufe ein positives psychologisches Signal an andere Markteilnehmer.
Fazit: Die aktuellen Goldkäufe der Zentralbanken – allen voran China, Usbekistan und Polen – deuten darauf hin, dass diese Institutionen die niedrigeren Preise als Kaufgelegenheit interpretieren. Solange diese Nachfrage anhält, bietet sie dem Goldmarkt eine wichtige Stütze und könnte zu weiteren Preisanstiegen führen. Privatanleger sollten deren Beispiel folgen und ihre ganz privaten Goldreserven eher auf- als abbauen, falls man auf das hierfür nötige Geld in den nächsten Jahren verzichten kann.
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