Der Goldpreis hat im zweiten Quartal einen deutlichen Rückschlag erlitten. Die Verluste „radierten“ die Gewinne aus dem ersten Quartal vollständig aus und führten auf Jahressicht zu einem Minus von mehr als fünf Prozent. So sehen die Experten des Vermögensverwalters Invesco die weiteren Perspektiven.
Aus ihrer Sicht sprechen mehrere strukturelle Faktoren dafür, dass Gold auch künftig eine wichtige Rolle in Anlegerportfolios spielen dürfte. Kurzfristig richtet sich der Blick der Goldanleger vor allem auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Gold wirft keine laufenden Erträge ab und steht deshalb insbesondere bei steigenden Zinsen unter Druck. Höhere Renditen auf Anleihen erhöhen die Opportunitätskosten einer Goldanlage. Gleichzeitig sorgt ein fester Dollar häufig dafür, dass Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer wird und die Nachfrage sinkt.
Nach Einschätzung von Invesco spiegeln die aktuellen Goldnotierungen bereits einen Großteil der zuletzt deutlich restriktiver gewordenen Zinserwartungen wider. Sollten die Inflationsdaten jedoch erneut überraschen oder die Federal Reserve ihren geldpolitischen Kurs verschärfen, könnte der Goldpreis kurzfristig weiter unter Druck geraten. Entsprechend rechnen die Analysten in den kommenden Monaten mit einer erhöhten Volatilität.
Strukturelle Faktoren sprechen weiterhin für Gold
Trotz der jüngsten Korrektur sieht Invesco mehrere langfristige Argumente, die den Goldpreis stützen könnten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken. Seit mehreren Jahren bauen zahlreiche Notenbanken ihre Goldreserven kontinuierlich aus und reduzieren gleichzeitig ihre Abhängigkeit vom Dollar. Diese Käufe gelten als vergleichsweise preisstabil und unterscheiden sich deutlich vom häufig wechselhaften Verhalten vieler Finanzinvestoren.
Hinzu kämen geopolitische Unsicherheiten, eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft sowie die Diskussion über die langfristige Stabilität der Staatsfinanzen vieler Industrieländer. In einem solchen Umfeld könne Gold seine traditionelle Funktion als Wertspeicher und Diversifikationsinstrument weiterhin erfüllen.
Aus Sicht von Invesco hat sich die Investmentthese für Gold in den vergangenen Jahren ohnehin verändert. Während früher vor allem Zinssenkungen oder eine hohe Inflation als wichtigste Kurstreiber galten, rücken inzwischen strukturelle Entwicklungen stärker in den Vordergrund. Dazu zählen insbesondere die wachsende Bedeutung der Zentralbanknachfrage, geopolitische Spannungen sowie die breitere Diversifizierung der globalen Währungsreserven.
Goldpreis: Korrektur statt Trendwende?
Für langfristig orientierte Anleger muss die jüngste Schwächephase deshalb nicht zwangsläufig das Ende des Aufwärtstrends bedeuten. Vielmehr bewertet Invesco den deutlichen Preisrückgang als eine Konsolidierung nach der zuvor außergewöhnlich kräftigen Kursentwicklung. Solche Rücksetzer seien an den Rohstoffmärkten nicht ungewöhnlich und könnten langfristig sogar zu einer gesünderen Marktstruktur beitragen.
Gleichzeitig mahnen die Experten jedoch zur Geduld. Solange die US-Notenbank an ihrer restriktiven Geldpolitik festhält und die Realzinsen hoch bleiben, dürfte der Goldpreis anfällig für Schwankungen bleiben. Erst wenn sich die Zinsperspektiven wieder aufhellen oder andere Belastungsfaktoren nachlassen, könnte Gold neuen Rückenwind erhalten.
Unterm Strich zeichnet Invesco damit ein differenziertes Bild: Kurzfristig dürften Geldpolitik und Dollarentwicklung den Takt vorgeben. Langfristig bleiben jedoch die strukturellen Nachfrageimpulse und die geopolitischen Rahmenbedingungen aus Sicht des Vermögensverwalters intakt. Für strategisch orientierte Anleger könnte Gold deshalb auch künftig eine wichtige Rolle als Diversifikations- und Stabilitätsbaustein im Portfolio spielen.
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