Mit Spannung hatten die Finanzmärkte den ersten Rechenschaftsbericht des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh vor dem US-Kongress erwartet. Viele Anleger hofften nach den zuletzt erfreulichen US-Inflationsdaten auf Signale für eine künftig weniger restriktive Geldpolitik – allerdings vergeblich.

Stattdessen schlug Warsh einen vergleichsweise „falkenhaften“ Ton an. Zwar vermied er konkrete Aussagen zum Zeitpunkt möglicher Zinsschritte, machte jedoch unmissverständlich deutlich, dass die Bekämpfung der Inflation für die US-Notenbank oberste Priorität habe.

Preisstabilität steht im Mittelpunkt der Geldpolitik

Warsh stellte klar, dass kurzfristige Schwankungen der Verbraucherpreise zwar normal seien, die Fed jedoch dauerhaft erhöhte Inflationsraten nicht akzeptieren werde. Gleichzeitig zeichnete er ein insgesamt positives Bild der US-Wirtschaft. Er sprach von solidem Wachstum, einem robusten Arbeitsmarkt und einer außergewöhnlich hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Als wichtigsten Wachstumstreiber bezeichnete er die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren sowie in Hard- und Software für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Lediglich der Immobilienmarkt bleibe hinter der allgemeinen Konjunkturentwicklung zurück.

Weniger Zinssignale, mehr Eigenständigkeit

Trotz seiner klaren Inflationsorientierung vermied Warsh Aussagen über den weiteren Zinspfad. Stattdessen machte er deutlich, dass sich geldpolitische Entscheidungen ausschließlich an den jeweils aktuellen Wirtschafts- und Inflationsdaten orientieren werden. Viele Marktbeobachter werten dies als Signal, dass die Zinsen bei Bedarf länger auf einem hohen Niveau bleiben könnten.

Zugleich kündigte der neue Fed-Chef einen veränderten Kommunikationsstil an. Die Notenbank dürfte den Märkten künftig weniger Hinweise auf ihre nächsten Schritte geben als in der Vergangenheit. Für Investoren bedeutet dies, dass geldpolitische Entscheidungen schwerer vorhersehbar werden könnten. Ebenso deutlich bekannte sich Warsh zur politischen Unabhängigkeit der Federal Reserve. Ungeachtet wiederholter Forderungen aus Washington nach niedrigeren Zinsen stellte er klar, dass sich die Notenbank ausschließlich an ihrem gesetzlichen Auftrag orientieren werde.


Gold (ISIN: XC0009655157)

Was bedeutet das für Gold und Aktien?

Für den Goldmarkt gelten Warshs Aussagen zunächst als Gegenwind. Bleiben die Leitzinsen länger hoch, steigen die Opportunitätskosten eines Goldinvestments, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Entsprechend geriet der Goldpreis nach den Aussagen des Fed-Chefs zunächst unter Druck.

Auch an den Aktienmärkten sind die Folgen nicht eindeutig. Zwar spricht Warshs optimistische Einschätzung der Wirtschaft grundsätzlich für die gute Ertragslage vieler Unternehmen. Gleichzeitig könnte eine weniger berechenbare Notenbank die Schwankungen an den Finanzmärkten jedoch erhöhen, weil neue Konjunktur- und Inflationsdaten künftig einen noch größeren Einfluss auf die Zinserwartungen haben dürften.

Ob sich dieser Führungsstil langfristig bewährt, bleibt offen. Befürworter sehen Vorteile in einer konsequent datenorientierten und unabhängigen Geldpolitik. Kritiker befürchten dagegen, dass die geringere Planbarkeit die Unsicherheit für Anleger erhöht. Fest steht: Unter Kevin Warsh dürfte die Kommunikation der Fed künftig mindestens ebenso genau beobachtet werden wie die Entwicklung von Inflation und Konjunktur selbst. Hohe Zinsen gelten sowohl für Edelmetalle wie Gold als auch für Unternehmen mit hohem Fremdkapitalanteil als nachteilig. Auf lange Sicht dürfte Gold dank seines fehlenden Kontrahentenrisikos und wachsender Schuldenberge und Haushaltsdefizite eine unverzichtbare Komponente in jedem Portfolio bleiben.

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