Gold und Silber sind auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwölf Monaten gefallen und wirken charttechnisch angeschlagen. Der Edelmetallexperte Jesse Colombo warnt in einem am Freitag veröffentlichten Kommentar vor entscheidenden Kursmarken.
Auf der Charttechnik-Website TradingView stehen von den insgesamt 26 erfassten Parametern sowohl bei Gold als auch bei Silber die meisten Indikatoren auf „Verkaufen“ (Gold: 15 und Silber: 14).
Goldpreis: Bei einem Kursrutsch unter 3.900 Dollar droht Gefahr
Der jüngste Ausverkauf am Goldmarkt hat wichtige charttechnische Unterstützungen in den Mittelpunkt gerückt. Jesse Colombo, Gründer des BubbleBubble Report, sieht insbesondere die Zone zwischen 3.900 und 4.000 Dollar als entscheidend an. In diesem Bereich hatte der Goldpreis bereits im Oktober und November 2025 eine wichtige Unterstützung ausgebildet. Nun wird sie erneut auf die Probe gestellt.
Nach Einschätzung des Analysten hat die negative Stimmung bereits eine Abwärtsdynamik ausgelöst, die in eine Kapitulation (panikartige Verkäufe) münden könnte. Ein Schlusskurs unter dieser Zone bei hohem Handelsvolumen wäre ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Als nächste bedeutende Unterstützung nennt Colombo die Marke von rund 3.500 Dollar.
Dabei unterscheidet er ausdrücklich zwischen einer möglichen Entwicklung und einer konkreten Kursprognose. Er rechne nicht zwangsläufig mit einem Rückgang auf dieses Niveau, sondern wolle verdeutlichen, welche charttechnischen Risiken entstehen, falls die gegenwärtige Unterstützung nicht hält.
Ein solcher Rückschlag wäre erheblich: Ausgehend von 4.000 Dollar entspräche ein Fall auf 3.500 Dollar einem Verlust von 12,5 Prozent. Entscheidend sind für Colombo deshalb der Freitagsschluss und der Start in die neue Woche: Hält die Zone, oder schließt Gold bei hohem Volumen darunter?
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Silberpreis: Warum die Marke von 50 Dollar so wichtig ist
Auch bei Silber sieht Colombo eine kritische charttechnische Konstellation. Hier konzentriert er sich auf eine breite Unterstützungszone zwischen 45 und 55 Dollar. Besonders wichtig ist dabei die Marke von 50 Dollar, die in der Geschichte des Silbermarktes bereits mehrfach eine bedeutende Rolle gespielt hat.
Sowohl 1980 als auch 2011 erwies sich dieser Bereich als entscheidende Hürde. Im November 2025 gelang Silber schließlich der Ausbruch darüber. Colombo wertete dies als wichtiges Signal für einen langfristigen Aufwärtstrend. Nach dem jüngsten Preisrückgang steht nun die Frage im Mittelpunkt, ob sich die frühere Widerstandszone als tragfähige Unterstützung erweist.
Ein vorübergehender Rückgang unter 50 Dollar wäre nach seiner Einschätzung noch kein eindeutiger Beleg für eine Trendwende. Bricht Silber dagegen dauerhaft darunter, richtet sich der Blick auf die nächste Unterstützung. Aktuell hält die Zone noch, darauf setzt Colombo.
Für Anleger ist deshalb vor allem entscheidend, ob sich Silber im Bereich seiner früheren Ausbruchsmarken stabilisiert. Gelingt dies nicht, würde sich das charttechnische Gesamtbild erheblich verschlechtern.
Ungewöhnlicher Ausverkauf: Was steckt dahinter?
Ungewöhnlich findet Colombo die jüngsten Kursverluste, denn sie gehen nicht auf einen klaren Dollaranstieg zurück. Die Renditen fallen, und der Ölpreis legte nur um rund 2 bis 2,5 Prozent zu. Der Ausverkauf stehe in keinem Verhältnis dazu. Er vermutet technische Faktoren, Risikoscheu vor den Zwischenwahlen und Liquidationen bei Technologiewerten. Hinzu komme die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Iran-Konflikt.
Fazit: Für Privatanleger ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Gold wäre bei einem Schlusskurs unter der Zone von 3.900 bis 4.000 Dollar, Silber bei einem Bruch der Zone um 50 Dollar erheblichen Abwärtsrisiken ausgesetzt. Colombo hält die jüngsten Verluste jedoch für ungewöhnlich, da sie sich weder durch den Dollar noch durch den Ölpreis allein erklären lassen. Seine Warnungen sind daher vor allem als Hinweise auf wichtige charttechnische Entscheidungsmarken zu verstehen, nicht als Vorhersage eines bevorstehenden Preissturzes.
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