Gold und Silber stehen nach ihren jüngsten Kursverlusten weiterhin unter Druck. Wie groß ist das Risiko weiterer Rückschläge? Der Quartalsbericht des Finanzdienstleisters Sucden Financial liefert konkrete Kursziele für beide Edelmetalle und zeigt, wann eine Trendwende möglich wäre.
Die Analystinnen Daria Efanova und Viktoria Kuszak von Sucden Financial erwarten, dass die restriktive US-Geldpolitik den Goldpreis bis in den Dezember hinein weiter belastet. Im Mittelpunkt steht dabei der Konflikt im Nahen Osten, der die Energiekosten in die Höhe treibt und damit den Inflationsdruck verstärkt.
Goldpreis Prognose: Fed und Ölpreis bleiben entscheidend
Obwohl Gold traditionell als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, profitiert das Edelmetall derzeit kaum von den geopolitischen Spannungen. Stattdessen konzentrieren sich die Finanzmärkte auf die Folgen hoher Ölpreise für die amerikanische Geldpolitik. Steigende Inflationserwartungen halten die US-Notenbank Fed auf Straffungskurs. Gleichzeitig stützen hohe Anleiherenditen und ein starker Dollar die Attraktivität alternativer Anlagen.
Für Gold bedeutet dies höhere Opportunitätskosten, da das Edelmetall selbst keine laufenden Zinsen abwirft. Die Sucden-Analystinnen rechnen deshalb damit, dass der Goldpreis bis zur Fed-Sitzung im Dezember anfällig für weitere Verluste bleibt.
Als wichtige Unterstützung nennen sie die Marke von 3.900 Dollar. Anschließend könnte sich die Lage jedoch aufhellen. Bis Mitte Januar 2027 erwartet Sucden eine allmähliche Erholung auf 4.200 bis 4.300 Dollar.
Eine wichtige Stütze bleibt die Nachfrage von Zentralbanken und goldgedeckten ETFs. Sie dürfte größere Kursverluste abfedern, reicht nach Einschätzung des Analysehauses jedoch nicht aus, um eine erneute Verschärfung der Zinserwartungen auszugleichen. Für eine nachhaltige Erholung müsste insbesondere das Ende des amerikanischen Zinserhöhungszyklus klarer erkennbar werden.
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Silberpreis Prognose: Schwächere Industrienachfrage belastet zusätzlich
Noch schwieriger beurteilt Sucden die kurzfristigen Aussichten für Silber. Das Weißmetall reagiert ebenfalls auf Veränderungen der US-Zinserwartungen. Hinzu kommt, dass die industrielle Nachfrage schwächer ausfällt.
Besonders die Solarindustrie bereitet Sorgen. Dort reduzieren Hersteller den Silberverbrauch je Photovoltaikzelle und setzen zunehmend auf alternative Materialien. Damit verliert Silber einen wichtigen Nachfrageimpuls, während die restriktiven Finanzierungsbedingungen zugleich das Interesse von Investoren dämpfen.
Dennoch sprechen einige Faktoren gegen einen ausgeprägten Preisverfall. Die spekulative Positionierung ist vergleichsweise gering, sodass das Risiko umfangreicher Positionsauflösungen begrenzt erscheint. Außerdem könnten knappe verfügbare Lagerbestände den physischen Silbermarkt unterstützen.
Für die kommenden Wochen sieht Sucden eine wichtige Unterstützungszone bei 50 bis 53 Dollar je Feinunze. Sobald sich das Ende des Fed-Zinserhöhungszyklus abzeichnet, könnte sich auch Silber erholen. Bis Mitte Januar 2027 prognostiziert das Analysehaus einen Anstieg auf 57 bis 60 Dollar.
Gold und Silber: Begrenzte Rückschläge statt Preissturz?
Bemerkenswert ist, dass die von Sucden erwarteten Kursverluste auf Basis der aktuellen Notierungen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen vergleichsweise moderat ausfallen. Zugleich erwartet das Analysehaus bereits Anfang 2027 wieder höhere Notierungen. Entscheidend dürfte sein, ob der Inflationsdruck durch die Energiepreise nachlässt und die Fed ihren Zinserhöhungszyklus tatsächlich beendet. Bis dahin bleiben beide Edelmetalle anfällig für Schwankungen. Die Sucden Prognosen sprechen jedoch eher für eine begrenzte Korrektur mit anschließender Erholung als für einen länger anhaltenden Preisverfall.
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