Gold ist zurück – doch Goldminen sind derzeit noch stärker. Während sich der Goldpreis innerhalb von vier Wochen um rund 15 Prozent verteuert hat, schoss der Goldminenindex NYSE Arca Gold BUGS (HUI) um etwa 38 Prozent nach oben. Trotz dieser Rally könnte die Branche gegenüber dem Edelmetall langfristig weiteres Nachholpotenzial besitzen.

Die jüngste Entwicklung zeigt eindrucksvoll, warum Minenaktien häufig als gehebeltes Investment auf den Goldpreis bezeichnet werden. Steigt der Preis des Edelmetalls, erhöhen sich die Erlöse der Produzenten, während ein großer Teil ihrer Kosten zumindest kurzfristig nicht im gleichen Umfang zunimmt. Dadurch können Gewinne und freie Cashflows wesentlich stärker wachsen als der Goldpreis selbst.

Dieser operative Hebel fällt derzeit besonders ins Gewicht. Viele große Produzenten arbeiten bei Goldpreisen von deutlich über 4.000 Dollar mit hohen Margen. Selbst gestiegene Löhne, Material- und Förderkosten ändern wenig daran, dass die Differenz zwischen Verkaufspreis und Produktionskosten im historischen Vergleich komfortabel ausfällt. Jeder zusätzliche Dollar beim Goldpreis kann deshalb einen überproportionalen Beitrag zum Ergebnis leisten.

Unterstützung kommt zusätzlich von der Zinsseite. Nachdem die US-Notenbank ihre Leitzinsen zuletzt nicht erhöht hat und die Erwartungen weiterer Zinsschritte nach oben nachließen, verbesserte sich das Umfeld sowohl für Gold als auch für Minenaktien. Sinkende beziehungsweise weniger stark steigende Renditen erhöhen aufgrund geringerer Finanzierungskosten die Attraktivität von Aktiengesellschaften. Zudem können deren zukünftige Gewinne bei niedrigeren Diskontierungssätzen höher bewertet werden.

HUI hat langfristig noch Nachholpotenzial

Interessant ist der Vergleich mit den jeweiligen historischen Höchstständen. Trotz seines 38-prozentigen Vierwochenanstiegs notiert der HUI aktuell noch rund zwölf Prozent unter seinem Rekordhoch. Der Goldpreis weist dagegen einen Abstand von mehr als 15 Prozent zu seinem bisherigen Allzeithoch auf. Auf den ersten Blick scheint damit kein großer Bewertungsunterschied zu bestehen.

Auf längere Sicht ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Goldminen hatten über viele Jahre Schwierigkeiten, mit der Entwicklung des Goldpreises Schritt zu halten. Steigende Kosten, enttäuschende Kapitalrenditen, teure Übernahmen und eine teilweise wenig aktionärsfreundliche Verwendung hoher Cashflows belasteten das Vertrauen der Investoren. Gold erreichte währenddessen immer neue Rekorde. Das Verhältnis zwischen Goldminenaktien und Gold fiel dadurch langfristig auf vergleichsweise niedrige Niveaus.

Genau darin liegt das mögliche Nachholpotenzial. Bleibt Gold auf einem historisch hohen Preisniveau oder setzt sogar seine Erholung fort, könnten sich die hohen Margen länger in den Unternehmensbilanzen niederschlagen. Entscheidend wird sein, ob die Produzenten ihre Kosten kontrollieren und ihre zusätzlichen Einnahmen diszipliniert einsetzen. Denn ein steigender Goldpreis allein garantiert noch keine dauerhaft steigenden Minenaktien.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Rückenwind durch Analysten

Die starke Rally der Goldminen wird auch durch die fundamentale Entwicklung der Branche gestützt. Laut einer im August veröffentlichten Analyse von S&P Global Market Intelligence erreichten die Margen der Goldproduzenten im ersten Halbjahr 2026 ein Rekordniveau. Trotz höherer Energie-, Transport- und Betriebskosten profitierten die Unternehmen von den hohen Goldpreisen. S&P Global beziffert die durchschnittliche Marge auf rund 2.800 Dollar. Dadurch verfügen viele Produzenten über hohe Cashflows und einen beträchtlichen finanziellen Spielraum.

Außerdem spricht die Bewertung weiterhin für ein mögliches Nachholpotenzial. Eine aktuelle Branchenanalyse von Barron’s weist darauf hin, dass Goldminen zuletzt im Durchschnitt nur mit etwa dem Neunfachen der erwarteten Gewinne bewertet wurden. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag dagegen bei ungefähr dem 14-fachen. Hohe Margen treffen damit auf vergleichsweise niedrige Bewertungsmultiplikatoren. Hinzu kommt, dass viele Produzenten ihre starken Cashflows inzwischen verstärkt für Dividenden und Aktienrückkäufe einsetzen. Aus diesem Grund könnte die Neubewertung der Goldminenbranche – trotz der jüngsten Kursrally noch nicht abgeschlossen sein.

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