Beim Precious Metals Symposium der Financial Times in London sorgten vergangene Woche optimistische Goldpreis Prognosen für Aufmerksamkeit. Zwei institutionelle Anlageexperten rechnen trotz der jüngsten Kursverluste mit neuen Rekordständen. 

Zu den optimistischen Stimmen gehört Charlotte Yonge, Fondsmanagerin bei Troy Asset Management. Sie hält es für möglich, dass der Goldpreis innerhalb der kommenden zwölf bis 18 Monate sein bisheriges Allzeithoch übertrifft.

Ihre Zuversicht begründet Yonge vor allem mit den angespannten Staatsfinanzen. Besonders die wachsende US-Verschuldung sieht sie als langfristiges Risiko. Sollte die Weltwirtschaft erneut in eine Rezession geraten, könnten die Zentralbanken versuchen, die Konjunktur durch eine expansive Geldpolitik zu unterstützen.

Eine erneute Ausweitung der Geldmenge könnte die Attraktivität von Gold erhöhen. Anders als Papiergeld lässt sich das Edelmetall nicht beliebig vermehren. Yonge brachte diesen Unterschied auf den Punkt: „Gold lässt sich nicht auf dieselbe Weise drucken.“

Auch Paul Carne, Investmentverantwortlicher für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Aon Investments, rechnet innerhalb von zwei Jahren mit einem neuen Goldpreisrekord. Sein wichtigstes Argument ist die zunehmende politische Instrumentalisierung des Dollars.

„Wenn man den Dollar als Waffe einsetzt, sollte man sich nicht wundern, wenn die Menschen ihn nicht mehr verwenden. Was werden sie stattdessen nutzen?“, fragte Carne auf der Konferenz.

Hintergrund ist die Sorge, dass andere Staaten ihre Abhängigkeit von der amerikanischen Währung verringern könnten. Gold bietet Zentralbanken eine Möglichkeit, ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Eine anhaltend hohe Nachfrage könnte den Goldpreis längerfristig unterstützen.

Peter Grandich: Goldpreis könnte zunächst unter 4.000 Dollar fallen

Eine deutlich andere kurzfristige Einschätzung vertritt der amerikanische Marktstratege Peter Grandich. In einem am 16. Oktober veröffentlichten Interview mit Kitco News erklärte er, dass Gold vor einer nachhaltigen Erholung möglicherweise noch einmal unter 4.000 Dollar fallen müsse.

Ein solcher Rückgang wäre für ihn kein Widerspruch zu einem langfristig positiven Ausblick. Vielmehr könnte er die Voraussetzung für eine tragfähige Bodenbildung schaffen. Grandich hält einen „kurzen Abstecher unter 4.000 Dollar“ für geeignet, um „psychologisch einen wirklich starken Boden“ auszubilden.

Bemerkenswert ist, dass der Marktstratege nach eigenen Angaben seine Positionen in Edelmetallen und Uran vor der diesjährigen Korrektur nahezu vollständig verkauft hatte. Er betrachtet die jüngste Schwächephase deshalb nicht als überraschende Entwicklung.

Sein längerfristiges Kursziel bleibt dennoch optimistisch: Für 2028 erwartet Grandich neue Goldpreisrekorde. Zuvor könnten Anleger allerdings erhebliche Kursschwankungen verkraften müssen.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldpreis Prognose: Finanzmarktrisiken könnten neue Rally auslösen

Zusätzliche Gefahren erkennt Grandich am amerikanischen Aktien- und Anleihemarkt. Angesichts der nachlassenden Marktbreite hält er einen Börsencrash inzwischen für ein ernst zu nehmendes Szenario. Steigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über sechs Prozent, wäre dies seiner Einschätzung nach ein Warnsignal für eine Finanzkrise.

Solche Turbulenzen könnten Gold langfristig als sicheren Hafen stärken. Kurzfristig wären allerdings weitere Verkäufe möglich, wenn Investoren dringend Liquidität benötigen.

Damit unterscheiden sich die drei Experten vor allem beim zeitlichen Verlauf. Während Yonge und Carne innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre neue Höchststände erwarten, rechnet Grandich zunächst mit einem weiteren Rückschlag und erst 2028 mit Rekorden.

Fazit: Privatanleger sollten sich darüber bewusst sein, dass steigende Zinsen und ein starker Dollar den Goldpreis zunächst belasten könnten. Ob sich die optimistischen Prognosen erfüllen, hängt vor allem von der weiteren Geldpolitik, der Staatsverschuldung und der Nachfrage der Zentralbanken ab.

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