Der Goldpreis steht erneut unter erheblichem Verkaufsdruck. Nach Einschätzung von Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, könnten die Belastungen kurzfristig anhalten. Paradoxerweise stärken einige Ursachen der aktuellen Goldschwäche jedoch zugleich die langfristigen Argumente für das Edelmetall.

Besonders schwer wiegt derzeit der kräftige Renditeanstieg am US-Anleihemarkt. Die Realrendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist laut Hansen auf rund 2,85 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 18 Jahren geklettert. Gleichzeitig preisen die Zinsmärkte inzwischen drei weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank um jeweils 25 Basispunkte bis zum kommenden April ein.

Für Gold ist das zunächst ungünstig. Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Je höher die Realrenditen sicherer Staatsanleihen steigen, desto größer werden daher die Opportunitätskosten einer Goldanlage. Hinzu kommen der stärkere Dollar sowie technisch bedingte Verkäufe nach dem Bruch der Unterstützungsmarke bei 4.230 Dollar. Gewinnmitnahmen chinesischer Anleger vor der Golden Week könnten den Abwärtstrend noch verstärkt haben.

Die ETF-Nachfrage wird zur Nagelprobe

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich Gold lange erstaunlich robust gegenüber steigenden Realrenditen gezeigt hat. Hansen verweist auf eine auffällige Divergenz: Die Bestände goldgedeckter ETFs haben sich weiter erholt, obwohl die Realrenditen kontinuierlich gestiegen sind.

Hier könnte sich nun entscheiden, wie widerstandsfähig der Goldpreis tatsächlich ist. Nach elf Wochen mit Zuflüssen in Folge meldete der World Gold Council für die vergangene Woche erstmals wieder Abflüsse aus den weltweiten Gold-ETFs. Mit lediglich 1,6 Tonnen hielten sich diese allerdings in engen Grenzen. Ausschlaggebend war vor allem Nordamerika mit Abflüssen von 4,8 Tonnen.

Hansen zufolge bleibt der Blick daher auf die ETF-Flüsse gerichtet – vor allem auf Anleger, die weniger zinssensibel reagieren und sich stärker um die Folgen dauerhaft hoher Finanzierungskosten sorgen. Denn höhere Renditen belasten Gold (-> Opportunitätskosten), erhöhen aber zugleich die fiskalische Belastung und die Schuldendienstkosten hoch verschuldeter Staaten. Das könnte die längerfristige Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen Finanz- und Staatsschuldenrisiken stützen.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Warum eine Liquiditätskrise Gold zunächst belasten könnte

Kurzfristig sieht Hansen jedoch ein weiteres Risiko. Am schwächeren Ende des US-Unternehmensanleihemarktes mehren sich Stresssignale, weil höhere Zinsen die Refinanzierung erschweren. Die Risikoaufschläge von Anleihen mit CCC-Rating sind deutlich gestiegen. Ihr Abstand zu B-Anleihen hat ein Niveau erreicht, das bislang mit schweren Konjunkturabschwüngen einherging. Der Renditeaufschlag von US-Hochzinsanleihen gegenüber Staatsanleihen weitete sich am Freitag um weitere 12 auf 294 Basispunkte aus. Das ist der höchste Stand seit April.

Verschärft sich dieser Stress, könnte ausgerechnet Gold unter Druck geraten. Müssen Investoren Liquidität beschaffen, etwa um Nachschussforderungen zu erfüllen, verkaufen sie häufig Vermögenswerte, die sich schnell zu Geld machen lassen. Der große und liquide Goldmarkt bietet sich dafür an.

Damit entsteht ein scheinbarer Widerspruch: Die finanziellen und fiskalischen Spannungen durch höhere Renditen können die langfristigen Argumente für Gold stärken. Eine akute Liquiditätsklemme könnte dagegen zunächst Verkäufe auslösen und den Preis belasten.

Fazit: Entscheidend für den weiteren Kursverlauf dürfte laut Hansen sein, ob die ETF-Nachfrage stabil bleibt und ob sich die Spannungen an den Kreditmärkten verschärfen. Der kräftige Anstieg der Realrenditen und der technische Einbruch vom Montag zeigen nach Hansens Einschätzung: Die Widerstandsfähigkeit von Gold steht vor ihrer bislang härtesten Bewährungsprobe.

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