Ausgesprochen negative Goldpreisprognosen haben derzeit eher Seltenheitswert. Viele Analysten bleiben trotz der jüngsten Turbulenzen langfristig optimistisch. Eine große US-Investmentbank warnt nun allerdings vor weiteren Verlusten und hält einen Rückfall unter die Marke von 4.000 Dollar für möglich.

Bereits Anfang Oktober warnte die Bank of America (BofA) vor wachsenden Risiken für das vierte Quartal 2026: Die Analysten sehen den Goldpreis bis auf 3.750 Dollar fallen. Damit wäre die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar klar unterschritten. Bemerkenswert ist der Kurswechsel, denn BofA gehörte zwei Jahre lang zu den bullishsten Analysten am Markt und rief als eine der ersten 5.000 Dollar aus. Ihre Zuversicht schwindet jedoch.

In einer Analyse vom 12. Oktober bekräftigte die Bank ihre Skepsis. Für das Schlussquartal rechnet sie mit einem Durchschnittspreis von 4.000 Dollar (aktuell: 4.188 Dollar). Die Prognose bedeute allerdings nicht, dass Gold dauerhaft auf diesem Niveau verharren muss. Für 2027 hält BofA nämlich an ihrem bullishen Ausblick fest und erwartet im Schnitt 4.813 Dollar. Die Analysten unterscheiden somit ausdrücklich zwischen kurzfristigen Belastungen und den längerfristigen Aussichten.

Iran-Krieg, Positionierung und Zentralbanken belasten Gold

Als wichtigsten Gegenwind nennt BofA den Iran-Krieg, dessen hohe Energiepreise die Inflationssorgen am Leben halten. Stiege der Ölpreis infolge anhaltender Spannungen auf 150 Dollar je Barrel, was nicht das Basisszenario ist, läge der Goldpreis 2027 im Schnitt nur bei 3.500 Dollar.

Als größtes Risiko sieht die Bank die Positionierung der Anleger. Diese hätten die Belastungsfaktoren bislang ausgeblendet und auf steigende Kurse gesetzt, ein „fragiles Gleichgewicht”. Ohne Lösung des Konflikts könnte eine rasche Auflösung dieser Positionen Gold schnell unter Druck setzen.

Hinzu kommen die Zentralbanken. Sie waren im März wegen steigender Ölpreise Nettoverkäufer und verkauften im zweiten Quartal, angeführt von der Türkei, rund 60 Tonnen Gold. BofA warnt vor einer Wiederholung, falls der Konflikt erneut eskaliert.

Auch die Investmentnachfrage sieht die Bank zwiespältig. Zwar stützten die Zuflüsse in Gold-ETFs den Markt zuletzt, doch der physische Markt ist schwach: Zentralbanken, China und Indien haben ihre Käufe zusammengenommen verlangsamt, was die jüngste Schwäche erkläre. ETF-Zuflüsse allein könnten den Markt nicht tragen. Bei niedrigen Kursen drohe sogar, dass Anleger ihre Anteile auflösen und den Verkaufsdruck verstärken.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldpreis 2027: Bank of America bleibt langfristig optimistisch

Eine Trendwende nach oben setzt laut BofA vor allem eine Kehrtwende der US-Notenbank voraus. Historisch stieg Gold zusammen mit Aktien, solange keine Sorge vor steigenden Zinsen herrschte. Wurde die Fed restriktiver, stiegen Inflation und Dollar, und Gold geriet unter Druck.

Die Staatsschulden spielen aus Sicht der Bank eine andere Rolle, als oft angenommen. Hohe Defizite und höhere Laufzeitprämien allein waren historisch meist nicht goldpositiv. Stärker wirken würde die Sorge vor fiskalischer Repression: Greift das Finanzministerium in den Anleihemarkt ein, finanziert es dies über kurzlaufende Schuldtitel und hält die Fed die kurzen Zinsen niedrig, könnten Abwertungsängste beim Dollar zurückkehren. Das wäre laut BofA ein sehr bullisches Szenario für Gold.

Die kurzfristige Zurückhaltung fasst die Bank so zusammen: „Gold dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach erst dann einen Boden finden, wenn die Sorgen über die Inflation und den Iran-Krieg nachlassen, der Dollar nicht weiter aufwertet und die Fed ihren Zinserhöhungszyklus beendet.”

Fazit: Die Investmentbank liefert eine Gegenposition zu den optimistischen Goldpreisprognosen, ohne das Edelmetall grundsätzlich abzulehnen: Während kurzfristig ein Rückfall auf 3.750 Dollar droht, sieht sie für 2027 mit 4.813 Dollar bereits wieder deutlich höhere Durchschnittspreise.

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