Die Liste der skeptischen Analystenstimmen zum Goldpreis wird länger. Diesmal revidieren die Analysten der Deutschen Bank ihre Goldpreisprognose deutlich nach unten. Was Anleger davon halten sollen.

Nachdem bereits Goldman Sachs seine Erwartungen für das Edelmetall nach unten korrigiert hatte, folgt nun auch die Deutsche Bank mit einer deutlichen Kürzung ihrer Prognosen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie stark solche Einschätzungen tatsächlich beachtet werden sollten.

Deutsche Bank senkt Goldpreisziele deutlich

Die Analysten der Deutschen Bank haben ihre Goldpreisprognosen für die kommenden Quartale um bis zu 22 Prozent reduziert. Für das dritte Quartal erwarten sie nun einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.300 Dollar. Zuvor lag die Prognose deutlich höher. Für das vierte Quartal wurde das Kursziel auf 4.800 Dollar gesenkt. Trotz dieser Kürzungen liegen beide Werte weiterhin über dem aktuellen Preisniveau von rund 4.100 Dollar. 

Als Hauptgrund für die Anpassung nennen die Experten die veränderten Erwartungen hinsichtlich der US-Geldpolitik. Während die Finanzmärkte noch vor wenigen Monaten auf Zinssenkungen der US-Notenbank gehofft hatten, hat sich das Bild inzwischen deutlich gewandelt. Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh steht die Bekämpfung der Inflation wieder stärker im Mittelpunkt. Gleichzeitig präsentieren sich die US-Konjunkturdaten weiterhin robust, was zusätzlichen Spielraum für eine restriktive Geldpolitik schafft.

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Fed-Zinspolitik belastet den Goldpreis

Laut den Analysten der Deutschen Bank spielte die sogenannte „Fed-Repricing“-Phase die wichtigste Rolle für den jüngsten Preisrückgang. Sollte die Fed drei oder vier Zinserhöhungen beschließen, könnte der Goldpreis nach Ansicht der Deutschen Bank sogar auf 3.800 Dollar fallen.

Hinzu komme eine schwächere Investmentnachfrage. Besonders auffällig sei der anhaltende Kapitalabfluss aus goldgedeckten ETFs. Diese Anlageprodukte galten in den vergangenen Jahren häufig als wichtiger Nachfragefaktor für den Goldmarkt. Die Deutsche Bank weist jedoch darauf hin, dass dieser Unterstützungsfaktor derzeit weitgehend fehlt. Auch aus China kommen nach Einschätzung der Analysten keine nennenswerten positiven Impulse. Preisabschläge am chinesischen Markt deuten darauf hin, dass zusätzliche Importe kurzfristig kaum für Unterstützung sorgen dürften.

Die Entwicklung des Goldpreises im laufenden Quartal verdeutliche diese Belastungsfaktoren. Nachdem das Edelmetall Ende Januar mit rund 5.600 Dollar ein Rekordhoch erreicht hatte, geriet es zunehmend unter Druck. Im laufenden Quartal summiert sich das Minus inzwischen auf rund zwölf Prozent. Neben den Zinserwartungen spielten dabei auch die zunächst stark gestiegenen Energiepreise im Zuge des Nahostkonflikts eine Rolle. Höhere Energiepreise schürten Inflationssorgen und verstärkten die Erwartung einer strafferen Geldpolitik.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Zentralbanken dienen als Stütze

Komplett negativ fällt die Analyse der Deutschen Bank allerdings nicht aus. Einen stabilen Stützpfeiler sieht das Institut weiterhin in der Nachfrage der Zentralbanken. Zahlreiche Notenbanken kaufen seit Jahren Gold, um ihre Währungsreserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Dieser Trend dürfte nach Einschätzung der Analysten vorerst anhalten.

Für Anleger stellt sich dennoch die Frage, wie sie mit solchen Prognoseanpassungen umgehen sollten. Die Finanzmarktforschung kennt mehrere Verhaltensmuster, die in solchen Phasen eine Rolle spielen können. Beim sogenannten Recency Bias messen Investoren den jüngsten Ereignissen häufig zu viel Bedeutung bei und leiten daraus vorschnell langfristige Trends ab. Der Optimism Bias beziehungsweise sein Gegenstück, ein übertriebener Pessimismus, kann dazu führen, dass Marktteilnehmer Chancen oder Risiken falsch einschätzen. Hinzu kommt das Herding Behavior: Anleger orientieren sich an der vorherrschenden Marktmeinung und folgen häufig der Masse.

Fazit: Gerade deshalb sollten einzelne Analystenkommentare nicht überbewertet werden. Prognosen spiegeln stets bestimmte Annahmen über Inflation, Konjunktur, Zinsen und Kapitalströme wider. Ändern sich diese Rahmenbedingungen, können sich auch die Erwartungen rasch wieder verschieben. Die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank zeigt vor allem, wie stark die Entwicklung des Goldpreises derzeit von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängt. Für langfristig orientierte Anleger dürfte daher weniger die einzelne Prognose entscheidend sein als die Frage, wie sich Inflation, Realzinsen, Staatsverschuldung und die Nachfrage der Zentralbanken in den kommenden Jahren entwickeln werden.

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