Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Rally hingelegt. Doch trotz des hohen Niveaus sieht John LaForge von Ned Davis Research noch erhebliches Potenzial. Entscheidend ist für ihn weniger ein bestimmtes Kursziel als ein grundlegendes Problem des globalen Finanzsystems.

In einem Interview mit Kitco-News erklärte John LaForge, Chief Alternative Strategist bei Ned Davis Research, dass die weltweit steigende Staatsverschuldung das wichtigste Argument für einen anhaltenden Gold-Bullenmarkt sei. Obwohl der Goldpreis innerhalb eines Jahrzehnts von etwa 1.500 auf mehr als 4.000 Dollar gestiegen ist, hält er weitere Kurssteigerungen für möglich. Eine Verdopplung gegenüber dem aktuellen Niveau hält er für realistisch.

Dabei möchte sich LaForge ausdrücklich nicht auf Marken wie 8.000, 10.000 oder 12.000 Dollar festlegen. Entscheidend ist vielmehr, wann Regierungen ihre Schuldenprobleme ernsthaft angehen. Solange die Verschuldung weiter wächst, bleibt der langfristige Goldtrend intakt und kann sich über mehrere Jahre hinziehen.

Besondere Aufmerksamkeit richtet LaForge auf die USA, deren Staatsschulden mittlerweile die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten haben. Aber auch Japan betrachtet er als Warnsignal für andere hoch verschuldete Industrieländer. Westliche Politiker hofften lange, Japan könne beweisen, dass Regierungen ihre Schuldenkosten dauerhaft niedrig halten können, wenn die Zentralbank die Zinsen einfach künstlich niedrig hält. Doch steigende japanische Zinsen zeigen nun eindrucksvoll auf: Diese Strategie hat Grenzen und funktioniert nicht auf Dauer.

Währungsentwertung und Gegenparteirisiken sprechen für Gold

Aus den hohen Schuldenständen ergibt sich für LaForge das zweite große Kaufargument: Die politisch und gesellschaftlich akzeptablen Wege zum Schuldenabbau seien begrenzt. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Währungsentwertung erheblich – einer der stärksten fundamentalen Treiber für Gold überhaupt.

Das Edelmetall besitzt dabei eine entscheidende Besonderheit: Gold ist keine Forderung gegenüber einem Staat oder einer Bank und trägt deshalb kein Gegenparteirisiko. Diesen Vorteil erkannten Zentralbanken verstärkt seit 2022. Das Einfrieren russischer Währungsreserven nach dem Ukraine-Angriff machte vielen Staaten deutlich, dass klassische Reserveanlagen innerhalb des internationalen Finanzsystems politischen Zugriffsmöglichkeiten unterliegen können. Physisch gehaltenes Gold lässt sich dagegen außerhalb dieses Systems verwahren und wird weltweit als Vermögenswert akzeptiert. Dies ist ein wichtiger struktureller Grund für die starken und anhaltenden Zentralbankkäufe.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Gold-Bullenmarkt zeigt noch keine Überhitzung

Trotz kräftiger Kursgewinne erkennt LaForge keine typischen Anzeichen für das Ende des Gold-Bullenmarktes. Seine Momentum-Indikatoren zeigen keine Übertreibung wie am Ende eines Rohstoffzyklus. Den übergeordneten Superzyklus verortet er etwa im sechsten oder siebten Jahr. Die derzeitige Goldbewegung ähnelt eher einer mittleren Phase als der spekulativen Schlussphase von 2011.

Für langfristig orientierte Anleger ist weniger entscheidend, ob Gold ohne Unterbrechung weitersteigt. Maßgeblich ist vielmehr, ob Regierungen ihre Haushalte konsolidieren. Solange dies nicht geschieht, bleibe der strukturelle Aufwärtstrend nicht gefährdet. LaForges Portfolioaufteilung reflektiert diese Überzeugung: mindestens 10 Prozent alternative Anlagen (5 Prozent Gold, 3 Prozent Rohstoffe und 2 Prozent Bitcoin).

Zum Schluss des Interviews vergleicht LaForge die sich beschleunigende Schuldendynamik mit einem Zug, der von 40 auf 120 Meilen pro Stunde beschleunigt. Ohne drastische Verlangsamung dieser Entwicklung drohe das gesamte System aus den Gleisen zu geraten.

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