Der Goldpreis hat nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase wieder deutlich an Dynamik gewonnen. Allein im August verteuerte sich das Edelmetall um rund 15 Prozent. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie viel Potenzial nach der jüngsten Rally noch vorhanden ist.

Das Chief Investment Office von UBS sieht weiterhin gute Voraussetzungen für steigende Goldpreise. In einer am 25. August veröffentlichten Analyse prognostiziert die Schweizer Großbank einen Goldpreis von 5.400 Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate. Im Mittelpunkt steht dabei ein langfristiger Wandel im internationalen Finanzsystem.

Entdollarisierung spricht laut UBS für Gold

UBS verweist vor allem auf die zunehmende Diversifikation weg vom Dollar. Hintergrund sind unter anderem Sorgen über die langfristige Entwicklung der US-Staatsfinanzen und Unsicherheiten hinsichtlich der amerikanischen Handelspolitik. Nach Ansicht der Bank dürfte der Dollar deshalb auf mittlere bis längere Sicht tendenziell an Wert verlieren. Zuletzt büßte der Dollarindex DXY innerhalb eines Monats 2,4 Prozent ein.

Für Gold ist diese Entwicklung gleich in mehrfacher Hinsicht günstig. Das Edelmetall wird weltweit in Dollar gehandelt und profitiert häufig von einer schwächeren US-Währung. Gleichzeitig besitzt Gold kein Gegenparteirisiko und ist nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Staates oder Unternehmens abhängig. Gerade für Zentralbanken bietet es sich deshalb als alternative Reserve an.

UBS sieht zunehmend Anzeichen dafür, dass Staaten ihre Währungsreserven breiter aufstellen und ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren. Dadurch entsteht eine strukturelle Goldnachfrage, die weniger von kurzfristigen Kursbewegungen abhängig ist.

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Gold-ETFs und Zentralbanken sorgen für Nachfrage

Auch die jüngsten Kapitalströme wertet UBS positiv. Nach einer zwischenzeitlichen Schwäche haben Gold-ETFs wieder Zuflüsse verzeichnet. Steigende ETF-Bestände deuten darauf hin, dass Finanzinvestoren Gold wieder stärker in ihren Portfolios gewichten.

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Zentralbanken hoch. Besonders auffällig war zuletzt China. Die People's Bank of China erhöhte ihre Goldreserven im Juli um 20 Tonnen. Laut UBS war dies der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023. Solche Käufe sind für den Goldmarkt bedeutsam, weil Zentralbanken ihre Bestände meist strategisch und langfristig halten.

Ein weiterer möglicher Kurstreiber kommt von der US-Geldpolitik. UBS erwartet, dass die Finanzmärkte ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed zurückschrauben. Da Gold selbst keine Zinsen abwirft, verringert sich damit sein Nachteil gegenüber verzinslichen Anlagen. Nachlassender Zinserhöhungsdruck könnte somit einen wichtigen Belastungsfaktor abschwächen.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Warum die UBS 5.400 Dollar erwartet

Die UBS-Prognose beruht damit nicht auf einem einzelnen Argument. Vielmehr greifen mehrere Faktoren ineinander: Sorgen um die US-Staatsfinanzen fördern die Diversifikation weg vom Dollar, Zentralbanken kaufen weiter Gold, Finanzinvestoren kehren über ETFs zurück und der geldpolitische Gegenwind könnte nachlassen.

Daraus leitet UBS ihr Ziel von 5.400 Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate ab. Ein Selbstläufer ist die Goldrally dennoch nicht. Ein stärkerer Dollar oder eine unerwartet restriktive Fed könnten den Goldpreis zeitweise belasten. Nach dem kräftigen August-Anstieg wären zudem Gewinnmitnahmen und technische Korrekturen keine Überraschung.

Fazit: Für langfristig orientierte Anleger ist deshalb weniger entscheidend, ob Gold ohne Unterbrechung weitersteigt. Bemerkenswert an der UBS-Analyse ist vielmehr, dass mehrere Kaufargumente struktureller Natur sind. Sollten Entdollarisierung, Zentralbankkäufe und die Sorgen um die US-Staatsfinanzen anhalten, könnte Gold trotz des bereits hohen Preisniveaus weiteren Rückenwind erhalten.

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