An der Wall Street herrscht Rekordlaune: Nasdaq und S&P 500 bewegen sich auf historischen Höchstständen. Beim Goldpreis ist die Stimmung deutlich verhaltener. Dennoch trauen einige renommierte Investmenthäuser dem Edelmetall bis zum Jahresende eine kräftige Erholung zu.

Wie schnell sich die Erwartungen ändern können, zeigt J.P. Morgan Global Research. Noch am 9. Juni hatten die Rohstoffanalysten für das vierte Quartal 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 6.000 Dollar prognostiziert. Für 2027 wurden sogar Quartalsdurchschnitte zwischen 6.200 und 6.300 Dollar erwartet.

Angesichts der weiteren Entwicklung an den Finanzmärkten erwies sich diese Prognose jedoch als zu optimistisch. Anfang Juli senkte J.P. Morgan die Erwartung für den durchschnittlichen Goldpreis im vierten Quartal deutlich auf 4.500 Dollar. Ausschlaggebend war vor allem die veränderte Einschätzung der US-Geldpolitik. Statt sinkender Zinsen rückte die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen der Federal Reserve in den Vordergrund.

Für Gold sei das kurzfristig problematisch. Höhere Leitzinsen treiben in der Regel auch die Renditen von Staatsanleihen nach oben. Dadurch steige der Anreiz, Kapital in verzinsliche Anlagen statt in das zinslose Edelmetall zu investieren. An der grundsätzlich positiven Einschätzung für Gold auf längere Sicht habe die Prognosesenkung allerdings wenig geändert. Hohe Staatsdefizite, geopolitische Risiken und die Nachfrage der Zentralbanken bleiben wichtige strukturelle Argumente.

Goldman Sachs hält 4.900 Dollar für möglich

Deutlich optimistischer fällt die aktuelle Einschätzung von Goldman Sachs aus. Das US-Investmenthaus bestätigte im September seine Prognose von 4.900 Dollar für Ende 2026. Ausgehend von einem Goldpreis im Bereich von 4.100 bis 4.200 Dollar wäre dafür in den verbleibenden knapp drei Monaten noch ein Anstieg um rund 17 bis 20 Prozent erforderlich.

Als wichtigen Grund für den Optimismus nannte Goldman Sachs die weiterhin starke Nachfrage der Zentralbanken. Die Analysten schätzten deren Nettokäufe im Juli auf 44 Tonnen. Auf saisonbereinigter Basis lag das Dreimonatstempo sogar bei 91 Tonnen pro Monat und damit deutlich über den langfristigen Annahmen des Hauses. Hinzu käme die wieder stärkere Nachfrage über börsengehandelte Goldprodukte.

Goldman Sachs sieht bei seiner Prognose sogar eher Chancen auf der Oberseite. Sollten Zentralbanken weiterhin umfangreich Gold kaufen und gleichzeitig zusätzliche Mittel von Anlegern in den Markt fließen, könnte der Goldpreis das anvisierte Niveau übertreffen. Steigende Zinserwartungen würden dieses Szenario dagegen gefährden.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

State Street sieht Goldpreis bei 5.000 Dollar

Noch etwas weiter geht Aakash Doshi, Goldstratege bei State Street Investment Management. Ende September bekräftigte er seine Erwartung, dass Gold innerhalb der kommenden sechs Monate auf 5.000 Dollar steigen könnte. Kurzfristig schließt Doshi allerdings einen Rückgang in Richtung 4.000 Dollar nicht aus. Hohe Anleiherenditen bleiben seiner Einschätzung zufolge zunächst eine erhebliche Belastung.

Für die anschließende Erholung sprächen aus seiner Sicht mehrere Faktoren. Neben der Zentralbanknachfrage verweist State Street auf kräftige Zuflüsse in Gold-ETFs und die weiterhin hohe Nachfrage aus China. Hinzu kämen langfristige Sorgen über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung.

Fazit: Damit reicht die Spanne der derzeitigen Prognosen weit auseinander. J.P. Morgan hat seine kurzfristigen Erwartungen erheblich reduziert, während Goldman Sachs und State Street weiterhin deutlich steigende Goldpreise für möglich halten. Ob noch 2026 neue Rekorde erreicht werden, dürfte vor allem davon abhängen, wie sich US-Zinsen, Anleiherenditen und Dollar in den verbleibenden Monaten entwickeln.

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