Die US-Großbank nimmt die Kryptowährung erstmals in ihre langfristigen Renditeannahmen auf. Der Tenor ist bemerkenswert optimistisch.
Lange hat JP Morgan Bitcoin mit Distanz betrachtet. Nun steht die Kryptowährung im neuesten Kapitalmarktbericht der Vermögensverwaltung – und zwar ganz oben in der Renditetabelle. Für die kommenden zehn bis 15 Jahre erwartet das Haus eine jährliche Rendite von zehn Prozent. Das ist mehr als für US-Large-Caps, US-Small-Caps, Gold oder Immobilien.
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JP Morgan: Bitcoin erstmals in Renditeannahmen
In dem Bericht „2027 Long-Term Capital Market Assumptions“ (LTCMA) - der 31. seiner Art - nennt JP Morgan für Bitcoin bei einer geometrischen Jahresrendite eine Basisannahme von zehn Prozent. Dazu kommen die Vergleichswerte der Bank: 7,5 Prozent für US-Large-Caps, 8,2 Prozent für US-REITs und 5,5 Prozent für Gold. Ein klassisches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen liegt bei sieben Prozent.
Allerdings ist die Risikoannahme auch hoch: JP Morgan setzt die jährliche Schwankungsbreite von Bitcoin bei 55 Prozent an. Zum Vergleich: US-Large-Caps kommen auf 18 Prozent, Gold auf 17,2 Prozent. Bitcoin schwankt demnach etwa dreimal so stark wie der breite US-Aktienmarkt.
Die Bank rechnet deshalb bei Bitcoin mit einem arithmetischen Mittel von rund 20,9 Prozent, das geometrische Mittel liegt bei zehn Prozent.
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Warum Bitcoin für JP Morgan nicht ins Hauptmodell gehört
Bitcoin steht nun zwar im Bericht, fließt aber nicht in die zentralen Kovarianzmatrizen ein, mit denen JP Morgan misst, wie sich Anlageklassen gemeinsam bewegen. Stattdessen nutzt das Haus eine separate, kleinere Matrix, die Bitcoin nur mit einer Auswahl an Assets vergleicht. Begründet wird dies mit der Volatilität und instabilen Korrelationen.
Die Analysten betonen zudem, dass die Renditeannahme keine Empfehlung darstellt. Die Bank könnte ihren Ansatz ändern, sobald sich die Schwankungen verringern, sich die Korrelationen stabilisieren und die Regulierung klarer wird. Auch Markttiefe, Liquidität und Preisbildung müssten sich weiter verbessern.
Ein Kurswechsel mit Vorgeschichte
JP Morgan-Chef Jamie Dimon hatte Bitcoin in den vergangenen Jahren mehrfach scharf kritisiert, zuletzt aber in deutlich gemäßigterem Ton. Gleichzeitig baut das Haus seine eigenen Krypto- und Blockchain-Aktivitäten aus, etwa mit dem Token JPM Coin.
Die Krypto-Branche reagierte prompt auf die Aufnahme. Matt Hougan, Investmentchef des Krypto-Vermögensverwalters Bitwise, schrieb lakonisch auf X: „Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie dich aus, dann bekämpfen sie dich. Dann nehmen sie dich in ihr Papier zu den langfristigen Kapitalmarktannahmen auf und prognostizieren, dass du das Anlageprodukt mit der besten Wertentwicklung im kommenden Jahrzehnt sein wirst.“ Zugleich hält er laut US-Medienberichten die 55-Prozent-Volatilität für zu hoch, was die Renditeannahme eher konservativ wirken lässt.
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Häufige Fragen
Warum liegt die Renditeannahme bei zehn Prozent, obwohl das arithmetische Mittel bei rund 21 Prozent liegt?
Das arithmetische Mittel ist der reine Durchschnitt der Jahresrenditen. Die geometrische Rendite von zehn Prozent berücksichtigt dagegen den Zinseszinseffekt über mehrere Jahre. Starke Schwankungen drücken diesen Wert deutlich, weshalb die tatsächlich erzielte Rendite unter dem Durchschnitt liegt.
Empfiehlt JP Morgan, Bitcoin ins Portfolio aufzunehmen?
Nein. Die Bank nimmt Bitcoin nicht in ihre Hauptmodelle für Portfolios auf. Die Analysten betonen, dass die Prognose keine Empfehlung ist.
Was bedeutet die 55-Prozent-Volatilität für Anleger?
Sie zeigt, dass Bitcoin deutlich stärker schwankt als Aktien oder Gold. Starke Kursrückgänge sind eher die Regel als die Ausnahme.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.