Prognosen zum Goldpreis haben derzeit Hochkonjunktur. Dabei werden bisherige Kursziele häufig nach unten revidiert. So sieht die aktuelle Einschätzung der Großbank HSBC aus, die seit Jahrzehnten zu den wichtigsten internationalen Bullionbanken gehört.

Nach dem kräftigen Rückschlag im zweiten Quartal hat sich die Stimmung am Goldmarkt stark abgekühlt. Steigende Anleiherenditen, ein fester Dollar und Gewinnmitnahmen haben den Goldpreis deutlich belastet. Umso gespannter verfolgen Anleger die aktuelle Einschätzung der Großbank HSBC. Die Edelmetallexperten der international führenden Bullionbank sehen trotz der jüngsten Schwächephase gute Chancen auf eine Erholung – und begründen dies mit mehreren strukturellen Faktoren, die über kurzfristige Zinssorgen hinausgehen.

HSBC sieht weiteres Aufwärtspotenzial

Die Analysten Willem Sels und Lucia Ku erwarten, dass sich der Goldpreis in den kommenden Monaten zunächst innerhalb einer Handelsspanne bewegt. Belastend wirken aus ihrer Sicht weiterhin hohe Realzinsen und der starke Dollar, welche die Attraktivität unverzinster Anlagen wie Gold vorübergehend schmälern. Dennoch hält HSBC an ihrer positiven Einschätzung fest und rechnet bis zum Jahresende mit weiter steigenden Goldpreisen. Ausschlaggebend seien vor allem die anhaltenden Käufe der Zentralbanken, die Nachfrage institutioneller Investoren nach Diversifikation sowie stabile Zuflüsse in goldgedeckte ETFs. Diese Faktoren dürften die aktuellen Belastungen zunehmend überlagern.

Bemerkenswert ist dabei, dass HSBC den jüngsten Kursrückgang nicht als Zeichen einer grundsätzlichen Schwäche des Edelmetalls interpretiert. Vielmehr sehen die Experten die langfristigen Fundamentaldaten weiterhin als intakt an. Gold bleibe aus ihrer Sicht ein wichtiger Baustein für breit diversifizierte Portfolios, insbesondere in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Staatsverschuldung.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

China und Indien könnten den Goldpreis stützen

Besonders interessant fällt der Blick der HSBC-Experten auf Asien aus. Nach Einschätzung der Bank spielen China und Indien eine Schlüsselrolle für die weitere Entwicklung des Goldmarktes. Beide Länder zählen seit Jahren zu den größten Goldverbrauchern der Welt und reagieren häufig sehr sensibel auf Preisbewegungen.

Sinken die Notierungen, nimmt die physische Nachfrage nach Schmuck, Münzen und Barren dort oftmals deutlich zu. Dadurch entsteht eine Art natürlicher Stabilisierungsmechanismus: Niedrigere Preise locken zusätzliche Käufer an und können stärkere Kursrückgänge begrenzen. Umgekehrt schwächt sich die Nachfrage bei sehr hohen Preisen häufig wieder ab. Gerade diese preisabhängige Nachfrage aus Asien könnte nach Ansicht von HSBC dazu beitragen, dass der Goldmarkt auch nach größeren Korrekturen vergleichsweise schnell wieder einen Boden findet. Darüber hinaus verweist die Bank auf regulatorische Veränderungen, die den Kreis potenzieller Goldkäufer in China und Indien zuletzt erweitert haben.

Einen weiteren interessanten Gedanken fassen die HSBC-Experten mit den Worten „The beauty of gold“ zusammen. Gemeint ist, dass Gold im Unterschied zu vielen anderen Anlageklassen nicht nur von einer einzigen Nachfragequelle abhängt. Je nach Marktphase können ganz unterschiedliche Käufergruppen den Markt stützen: Zentralbanken, institutionelle Investoren, ETF-Anleger oder die traditionell starke Schmuck- und Investmentnachfrage aus Asien.

Fällt eine dieser Nachfragequellen vorübergehend schwächer aus, können andere Marktteilnehmer einen Teil dieses Rückgangs ausgleichen. Genau diese breite Nachfragebasis macht Gold aus Sicht von HSBC zu einem besonderen Diversifikationsinstrument. Die Experten sehen darin einen wichtigen Grund, weshalb sie trotz der jüngsten Korrektur mittelfristig an ihrer positiven Einschätzung festhalten.

In dieses positive Bild passt auch der Ende 2025 veröffentlichte charttechnische Ausblick der Deutschland-Tochter von HSBC. Darin verwiesen die Analysten darauf, dass der seit 2015 laufende Gold-Bullenmarkt im historischen Vergleich bislang lediglich rund die Hälfte der Wertentwicklung erreicht habe, die in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts mit einem Kursanstieg von rund 750 Prozent erzielt wurde. Aus charttechnischer Sicht leiteten die HSBC-Chartanalysten daraus weiteres langfristiges Aufwärtspotenzial für den Goldpreis ab. 

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