Während Gold und Silber 2026 mit erheblichen Kursschwankungen kämpfen, sorgt ein anderes Metall für Schlagzeilen: Kupfer. Das sind die Gründe für die jüngste Rally.

An der US-Terminbörse Comex hat der Kupferpreis seit Jahresbeginn rund 18 Prozent zugelegt und damit beide Edelmetalle deutlich hinter sich gelassen. Gold liegt 2026 derzeit leicht im Minus, Silber sogar zweistellig. Kupfer profitiert dabei nicht nur von kurzfristigen Spekulationen. Hinter der Rally stehen auch langfristige Trends wie der Ausbau der Stromnetze, künstliche Intelligenz und die Elektrifizierung der Wirtschaft.

Kupferpreis erreicht an der Comex neues Rekordhoch

An der New Yorker Comex kletterten die Kupfer-Futures zuletzt auf 6,731 Dollar je Pfund und übertrafen damit das bisherige Rekordhoch von 6,716 Dollar aus dem Mai. Einen wesentlichen Anteil an der jüngsten Rally hat die US-Handelspolitik. Anleger spekulieren darauf, dass Washington künftig Kupferimporte mit Zöllen belegen wird.

Die Unsicherheit hat zu ungewöhnlichen Verschiebungen am Weltmarkt geführt. Weil Kupfer in den USA deutlich teurer gehandelt wird als an der London Metal Exchange (LME), wurden große Mengen in Richtung amerikanischer Häfen umgeleitet. Dadurch wächst das Angebot in den USA, während sich die Versorgung außerhalb des Landes verknappt. Der Preisunterschied wiederum macht weitere Lieferungen in die Vereinigten Staaten attraktiv – ein Kreislauf, der die Marktverzerrung zunächst aufrechterhalten kann.

Wie groß sie mittlerweile ist, zeigt ein Vergleich: 6,731 Dollar je Pfund entsprechen umgerechnet etwa 14.840 Dollar je Tonne. Dem stand in London ein LME-Preis von rund 14.112 Dollar gegenüber. Das rechnerische US-Aufgeld lag damit bei gut fünf Prozent. Solange unklar bleibt, wie die endgültige Zollregelung aussieht, dürfte diese Preisdifferenz ein wichtiger Faktor für den Kupfermarkt bleiben.

Zusätzlichen Rückenwind brachte zuletzt die Hoffnung auf eine Entspannung im Iran-Krieg und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus. Fortschritte bei den Verhandlungen könnten Energiepreise und Inflationsrisiken reduzieren. Zugleich würden Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank gedämpft. Ein schwächerer Dollar unterstützt ebenfalls Industriemetalle, während bessere Aussichten für die Weltkonjunktur grundsätzlich positiv für die Kupfernachfrage sind.

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Kupfer (ISIN: AF0000COPPER)

KI, Stromnetze und Elektrifizierung treiben Kupfernachfrage

Die Rekordjagd allein auf Zollspekulationen zu reduzieren, würde allerdings zu kurz greifen. Kupfer gehört zu den wichtigsten Rohstoffen für eine zunehmend elektrifizierte Weltwirtschaft. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet wachsenden Bedarf aus Stromnetzen, Elektroautos, Industrie, Bauwirtschaft und Rechenzentren. Gleichzeitig lässt sich das Angebot nur langsam erhöhen.

Besonders interessant ist der KI-Boom. Leistungsfähige Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom und damit neue Leitungen, Transformatoren und Netzinfrastruktur. Kupfer ist aufgrund seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit für viele dieser Anwendungen schwer zu ersetzen. Goldman Sachs geht davon aus, dass Stromnetze und andere Energieinfrastruktur mehr als 60 Prozent des zusätzlichen Kupferbedarfs bis 2030 verursachen könnten. Neben KI spielen dabei auch Investitionen in eine sichere Energieversorgung und Verteidigung eine Rolle.

Auf der Angebotsseite lässt sich die Produktion dagegen nicht beliebig schnell ausweiten. Nach Angaben der IEA ist der durchschnittliche Kupfergehalt der geförderten Erze seit 1991 um rund 40 Prozent gesunken. Neue Lagerstätten werden zudem immer seltener entdeckt. Von sämtlichen Kupfervorkommen, die während der vergangenen 35 Jahre gefunden wurden, entfielen lediglich fünf Prozent auf das jüngste Jahrzehnt. Zwischen der Entdeckung eines Vorkommens und dem Produktionsstart vergehen im Durchschnitt rund 17 Jahre.

Kupfer-Rally ist mehr als ein kurzfristiger Hype

Genau diese Kombination macht die langfristige Perspektive interessant: Während Elektrifizierung, Stromnetzausbau und KI-Infrastruktur den Bedarf erhöhen, reagiert das Minenangebot ausgesprochen träge. Auf Basis der derzeit bekannten Projekte warnt die IEA deshalb sogar vor einer möglichen Versorgungslücke von 30 Prozent bis 2035.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Kupfer nach der starken Rally zwangsläufig weiter steigen muss. Die aktuellen Rekordpreise enthalten erhebliche Sondereffekte durch Zollspekulationen und die Verlagerung von Lagerbeständen in die USA. Eine Klärung der US-Handelspolitik könnte deshalb kurzfristig auch Kursrückschläge auslösen. Die langfristigen Treiber unterscheiden sich davon jedoch deutlich: Die Welt benötigt für Digitalisierung und Elektrifizierung immer mehr Kupfer, während neue Minen Jahre bis Jahrzehnte bis zur Produktionsreife benötigen. Hinter der aktuellen Rekordjagd steckt deshalb mehr als reine Spekulation.

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