Seit Tagen verharrt der Goldpreis in einer relativ engen Handelsspanne. Anleger warten gespannt auf neue Inflationsdaten aus den USA, die für stärkere Kursbewegungen sorgen könnten. Obwohl sich Gold langfristig als Inflationsschutz bewährt hat, fürchten die Marktakteure derzeit eine stärker als erwartete Teuerung.

Bereits am gestrigen Dienstag sorgten neue Inflationszahlen aus Deutschland für Aufmerksamkeit. Im September beschleunigte sich die jährliche Teuerungsrate von 2,9 auf 3,3 Prozent. Damit zeigt sich, dass der Preisdruck auch in Europas größter Volkswirtschaft weiterhin ein wichtiges Thema bleibt. Für den internationalen Goldmarkt sind allerdings die amerikanischen Inflationsdaten von erheblich größerer Bedeutung.

Goldpreis: US-Inflationsdaten könnten neue Impulse liefern

Am heutigen Mittwoch werden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht. Laut den von Trading Economics veröffentlichten Analystenschätzungen dürfte die jährliche Inflationsrate von 3,4 auf 3,6 Prozent gestiegen sein. Auch bei der Kerninflation wird eine Beschleunigung erwartet, und zwar von 2,4 auf 2,5 Prozent.

Die beiden Kennzahlen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Während die allgemeine Inflationsrate die Preisentwicklung eines breiten Waren- und Dienstleistungskorbs erfasst, bleiben bei der Kernrate die besonders schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise unberücksichtigt. Dadurch lässt sich besser erkennen, wie stark der zugrunde liegende Preisdruck in der Wirtschaft tatsächlich ist.

Für die US-Notenbank Federal Reserve sind beide Werte relevant. Besonders die Kerninflation liefert wichtige Hinweise darauf, ob sich Preissteigerungen dauerhaft in der Wirtschaft festsetzen könnten. Allerdings orientiert sich die Fed bei ihrem Inflationsziel vorrangig am Preisindex der privaten Konsumausgaben, dem sogenannten PCE-Index.

US-Erzeugerpreise als Frühindikator für die Inflation

Bereits am Donnerstag folgt mit den amerikanischen Erzeugerpreisen ein weiterer wichtiger Konjunkturindikator. Analysten rechnen hier mit einem leichten Rückgang der jährlichen Teuerungsrate von 5,4 auf 5,3 Prozent.

Der Erzeugerpreisindex misst die Preisentwicklung auf Unternehmensebene. Steigende Kosten für Rohstoffe, Vorprodukte oder Dienstleistungen könnten Unternehmen dazu veranlassen, ihre Verkaufspreise zu erhöhen. Deshalb gelten die Erzeugerpreise als möglicher Frühindikator für die spätere Entwicklung der Verbraucherpreise. Allerdings werden Kostensteigerungen nicht immer vollständig oder unmittelbar an die Kunden weitergegeben.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldpreis zwischen Inflationsschutz und Zinssorgen

Für Goldanleger dürfte vor allem entscheidend sein, ob die US-Inflationsdaten die Erwartungen übertreffen oder unterschreiten. Eine überraschend hohe Teuerung könnte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Fed erhöhen. In diesem Fall wären steigende US-Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar denkbar. Beides dürfte den Goldpreis tendenziell belasten, weil das Edelmetall keine laufenden Zinsen abwirft.

Fällt die Inflation dagegen niedriger aus als prognostiziert, könnten die Zinssorgen nachlassen. Sinkende Anleiherenditen und ein schwächerer Dollar sollten Gold grundsätzlich unterstützen. Wie kräftig die Reaktion ausfällt, hängt allerdings auch davon ab, welche Erwartungen bereits in den Kursen berücksichtigt sind.

Dabei erscheint die kurzfristig negative Reaktion auf hohe Inflationszahlen zunächst widersprüchlich, schließlich gilt Gold traditionell als Schutz vor Geldentwertung. Entscheidend ist jedoch der Zeithorizont: Kurzfristig dominieren häufig Zinserwartungen und Währungsbewegungen, während langfristig vor allem der Kaufkraftverlust von Papierwährungen eine Rolle spielt.

Fazit: Über längere Zeiträume hat Gold seine Funktion als Wertspeicher seit Generationen unter Beweis gestellt. Daran dürften auch vorübergehende Belastungen durch steigende Zinsen wenig ändern. Allerdings sind zwischenzeitlich durchaus Kursschwankungen möglich und ein kurzfristiger Inflationsausgleich ist daher keineswegs garantiert.

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