Der Kurs der Homann-Anleihe ist deutlich zurückgekommen. Der Grund scheint temporär, der Topzins bleibt. Eine Investment für mutige Anleger.
Zweite Chancen gibt es auch am Markt für Festverzinsliche immer wieder. Aktuell ist das bei der Anleihe von Homann Holzwerkstoffe so, fiel doch der Kurs des Papiers zeitweilig unter den Emissionspreis. Auslöser war die Furcht vor schwachen Jahreszahlen, die dann tatsächlich auch kamen. Dass sich der Anleihepreis danach aber stabilisiert hat, zeigt, dass doch nicht alles im Argen liegt. Doch der Reihe nach: Homann ist in Europa einer der führenden Hersteller dünner, veredelter MDF- und HDF-Faserplatten für die Möbel-, Türen- und Beschichtungsindustrie. Und Tradition hat man auch: Homann ist ein Familienunternehmen in vierter Generation mit Werken in Losheim am See, in den polnischen Orten Karlino und Krosno sowie im litauischen Pagiriai. Im Juni vergangenen Jahres begab die Gruppe ihre inzwischen vierte Unternehmensanleihe: mit 120 Millionen Euro Volumen, sieben Jahren Laufzeit und einem festen Kupon von 7,5 Prozent. Mit dem neuen Papier wurde die Altanleihe 2021/2026 vorzeitig abgelöst. Dann kam der Kursknick. Was durchaus verständlich ist, denn die am 24. April vorgelegten Jahreszahlen waren auf den ersten Blick enttäuschend. So brach das bereinigte Ebitda um rund ein Drittel ein, die Marge fiel, und unter dem Strich stand ein Konzernverlust von fast 13 Millionen Euro. Auf den zweiten Blick indes trägt der Einbruch einen Namen: Pagiriai. Das neue Werk in Litauen, im Mai 2025 in Betrieb genommen, verursachte 2025 operative Anlaufverluste von 15,6 Millionen Euro. Rechnet man diesen Hochlaufeffekt heraus, hätte das Konzernergebnis bei plus 12,5 Millionen Euro gelegen. Positiv war indes die Umsatzentwicklung mit einem Plus von 3,6 Prozent, getragen von Mengenzuwächsen bei stabilen Preisen. Oder in einem Satz: Das operative Fundament wackelt nicht, es zahlt gerade nur die Rechnung für die Wachstumsambitionen. Für Anleiheinvestoren ist das letztlich entscheidend. Anlaufverluste sind per Definition temporär. Geschäftsführer Fritz Homann formuliert es so: „Das neue Werk in Pagiriai durchläuft planmäßig seine Hochlaufphase — die damit verbundenen Anlaufverluste sind ein erwarteter Effekt, den wir im weiteren Verlauf hinter uns lassen werden.“ Für 2026 erwartet das Management einen moderaten Anstieg bei Umsatz und bereinigtem Ebitda, weil Pagiriai dann mit steigender Auslastung mehr beisteuert und die Verluste — vor allem im zweiten Halbjahr — spürbar zurückgehen sollen. So wären dann auch die übrigen Kennzahlen stimmig: Das Eigenkapital lag Ende 2025 bei soliden 186 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei 30 Prozent. Ein weiterer stabilisierender Faktor: Die Finanzierung des Litauen-Standorts wurde bis 2030 verlängert. Positiv ist auch, dass das Marktumfeld langsam dreht. Bau- und Möbelindustrie litten zuletzt unter hohen Zinsen und schwachem Konsum. So ging der Umsatz der deutschen Möbelindustrie 2025 um 3,3 Prozent zurück. Doch die Talsohle scheint durchschritten: Analysten sehen für das laufende Jahr schon eine Rückkehr auf den Wachstumspfad. Ein Indiz dafür ist, dass die mitteleuropäischen MDF/HDF-Hersteller seit Mitte März erstmals wieder etwas stärkere Preisanhebungen durchsetzen konnten. Für einen Anbieter wie Homann sind das die richtigen Signale. Dass die Dinge in die richtige Richtung laufen, zeigt auch der Anleihekurs, der sich vom März-Tief bei 98 Prozent inzwischen erholt hat und knapp über pari notiert — damit weiterhin deutlich unter den zwischenzeitlichen Höchstständen und praktisch auf dem Ausgabeniveau. Wer jetzt kauft, sichert sich damit eine überdurchschnittliche Rendite von rund 7,3 bis 7,4 Prozent bei einer Restlaufzeit von gut sechs Jahren. Dass ein solventer Mittelständler zu diesen Konditionen refinanziert, liegt am veränderten Zinsumfeld: 2021 emittierte Homann noch zu 4,5 Prozent. Für Anleger bedeutet das schlicht mehr Kupon für ein Geschäftsmodell, das sich substanziell nicht verschlechtert hat.
Fazit
Bei aller Zuversicht: Das Homann-Papier ist ein Mittelstandsbond ohne Rating und damit entsprechend riskant. Wer investiert, sollte es als Beimischung betrachten und die Halbjahreszahlen im Herbst auf jeden Fall im Blick behalten.