Die Aktie der Bremer war zuletzt eine der wildesten am deutschen Markt. Nach dem Absturz ist der Titel solider aufgestellt. Eine Mondstudie und neue Aufträge sorgen wieder für kräftigen Antrieb.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 28. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 45/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Zwei Wochen am Stück bleibt es dunkel, und die Solarzellen liefern keinen Strom: So lang ist die Nacht auf dem Mond. Wer dort dauerhaft forschen will, braucht mehr als eine Rakete. Er braucht eine Station wie etwa in der Antarktis: eine zentrale Anlage vor Ort, die tagsüber Energie erzeugt und speichert, damit Experimente auch während der Nacht laufen. Genau das plant die Europäische Weltraumagentur ESA mit OASIS. Sie hat OHB mit den Machbarkeits- und Vorentwurfsstudien beauftragt. Das teilte das Unternehmen Mitte Oktober mit.
Statt dass jede Mission Strom, Funkverbindung und Datenspeicher selbst mitbringt, könnten mehrere Geräte die gemeinsame Anlage nutzen. Das soll Gewicht, Komplexität und Kosten künftiger Flüge deutlich senken. OHB ist Hauptauftragnehmer der Studien und verantwortet das Gesamtkonzept. Nach der aktuellen Planung könnte die Infrastruktur mit der Mondfähre Argonaut an Bord einer Ariane 6 zum Mond gelangen. Vorgesehen für die Kommunikation und Datenweitergabe ist das europäische Netz Moonlight. „Europa untersucht nicht nur einzelne Missionen zum Mond, sondern die Infrastruktur, die langfristige wissenschaftliche Forschung und technologische Innovation überhaupt erst ermöglicht“, sagt Konzernchef Marco Fuchs.
Chance auf größere Aufträge
Einen Auftragswert nennt OHB nicht. Kurzfristig dürfte er für einen Konzern mit einem erwarteten Umsatz von 1,4 Milliarden Euro für 2026 kaum ins Gewicht fallen. Der Wert liegt woanders: Wer in dieser frühen Phase das Gesamtkonzept entwirft, ist bei späteren Entwicklungs- und Bauaufträgen gut positioniert. Eine Garantie auf weitere Aufträge ist dies zwar nicht — die ESA hat lediglich Studien vergeben und keine komplette Mondstation bestellt —, doch zeugt es von Vertrauen in das Unternehmen. An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Aktie legte am Tag der Meldung zeitweise um rund sieben Prozent zu.
Gute Nachrichten häuften sich zuletzt: So baut OHB für das EU-Projekt IRIS², Europas Antwort auf Starlink, 18 Satellitenplattformen. Mit Rheinmetall bewirbt sich der Konzern um SATCOMBw4, ein Vorhaben von bis zu zehn Milliarden Euro. Im Sog der SpaceX-Euphorie schoss die Aktie binnen Monaten von rund 60 auf knapp 680 Euro und stürzte fast ebenso schnell ab. Ursache war der enge Markt: Nur rund sechs Prozent der Aktien waren frei handelbar. Durch die Kapitalerhöhung und einen Teilverkauf von KKR stieg der Streubesitz nun auf bis zu knapp 20 Prozent. Die Familie Fuchs behält mit über 60 Prozent die Kontrolle. Der breitere Handel dürfte die Ausschläge dämpfen, frei von Volatilität wird die Aktie daher jedoch nicht. So können Festpreisverträge Marge kosten, und wie groß OHBs Anteil an den Großprojekten ausfällt, ist noch offen.
Fazit
Der Konzern steht bei Europas Raumfahrt in der ersten Reihe, das Auftragsbuch füllt sich und die Mondstudie zeigt, dass die Bremer bei Zukunftsthemen die Federführung bekommen. Dank breiterem Streubesitz ist die Aktie weniger anfällig für wilde Kurssprünge. Für spekulative Anleger ist der Titel ein Kauf.