So startet der DAX in die neue Woche, nachdem die Lage im Nahen Osten erneut eskaliert ist. Außerdem im Fokus: Trump, Öl, China, VW, Tesla, Allianz, Jio Platforms, Gold, Shein.

Nach dem Rekordhoch vom Freitag zeichnet sich für den Dax am Montag ein moderater Rücksetzer ab. Eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex ein Minus von 0,2 Prozent auf 26.520 Punkte. Sein Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 wird ähnlich knapp im Minus erwartet.

Am Freitag hatte der Dax trotz Signalen von US-Notenbankchef Kevin Warsh für eine Zinserhöhung eine neue Bestmarke aufgestellt. Doch nach dem europäischen Handelsende hatten bereits die US-Indizes ins Minus gedreht und am Morgen verloren auch die asiatischen Börsen. Es belasten insbesondere wieder die leicht steigenden Ölpreise.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem erwartbaren Preisanstieg beim Öl, nachdem das US-Militär Medienberichten zufolge erstmals seit Ende Juli wieder Ziele im Iran angegriffen hatte. Dagegen hätten die Aktien- und Rentenmärkte recht entspannt auf die erneute militärische Eskalation reagiert. "Die Mehrzahl der Anleger erwartet offenbar nicht, dass die Situation erneut großflächig und langfristig eskaliert."

Das US-Militär nahm zwei Raketenwerfer auf der Insel Larak ins Visier, wie das Nachrichtenportal "Axios" sowie die Sender Fox News und CBS News unter Berufung auf einen US-Beamten berichteten. Sie sollten daran gehindert werden, neue Seeminen in der Straße von Hormus zu legen, hieß es. Die iranischen Revolutionsgarden drohten umgehend mit Vergeltung.

Zudem stellten sich die Anleger darauf ein, dass der nächste Zinsschritt der US-Notenbank wohl nach oben und nicht nach unten gehe, kommentierte Marktexperte Stephen Innes. Folglich gerieten die technologielastigen asiatischen Indizes wie der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei 225 unter Druck, zumal gerade der US-Halbleitersektor am Freitag Schwäche gezeigt hatte.

Weitere Nachrichten

Jio Platforms erhält grünes Licht für Milliarden-IPO

Indiens Börsenaufsicht hat den geplanten Börsengang von Jio Platforms im Volumen von 3,8 Mrd. US-Dollar genehmigt, der das Unternehmen mit rund 137 Mrd. US-Dollar bewerten könnte. Geplant ist die Ausgabe von bis zu 270 Mio. neuen Aktien, deren Erlöse überwiegend zur Rückzahlung oder vorzeitigen Tilgung von 275 Mrd. Rupien Schulden der Tochter Reliance Jio Infocomm dienen sollen. Mit mehr als 533 Mio. Abonnenten und Aktivitäten in den Bereichen Telekommunikation, KI, Cloud und Unternehmensdienste könnte Jio den IPO von Hyundai Motor India aus dem Jahr 2024 als größten Börsengang Indiens ablösen.

Goldanleger setzen auf begrenztes Rally-Potenzial

Goldanleger nutzen zunehmend komplexe Optionsstrategien, da Sorgen über eine mögliche Währungsabwertung und ein schwächerer Dollar die Nachfrage nach Sachwerten stützen. Statt herkömmlicher Calls bevorzugen sie Call-Spreads auf den SPDR Gold Shares ETF, während institutionelle Investoren auch strukturierte Kontrakte einsetzen, die Gold mit Währungen, Öl oder anderen Vermögenswerten kombinieren. Gold ist im August rund 10 % gestiegen, doch höhere Zinserwartungen und die bereits erfolgte Auflösung bärischer Bitcoin-Positionen lassen offen, ob die Rally nachhaltig ist oder teilweise auf einen gehebelten Short Squeeze zurückgeht.

Shein-IPO wirft Fragen zur Bewertung auf

Shein hat bei seinem Börsengang in Hongkong 1,7 Mrd. US-Dollar aufgenommen und wird dabei mit rund 26 Mrd. US-Dollar bewertet, deutlich weniger als mit fast 100 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022. Zölle, das verlangsamte Wachstum und die zunehmende Konkurrenz durch Temu belasten den Ausblick, während der Umsatz im kommenden Jahr laut Bloomberg Intelligence voraussichtlich nur um 3,4 % auf 44,3 Mrd. US-Dollar steigt. Die Bewertung entspricht mehr als dem 15-Fachen der erwarteten Gewinne und liegt damit deutlich über den Multiplikatoren von PDD Holdings und des Hang-Seng-Index, obwohl Sheins Nettogewinn 2025 um 39 % sank und im ersten Quartal 2026 ein Verlust anfiel.

Tesla bringt günstigeres Model 3 in Hongkong auf den Markt

Tesla bietet in Hongkong und Macau eine vereinfachte Model-3-Variante mit Hinterradantrieb ab 205.000 Hongkong-Dollar beziehungsweise 252.000 Patacas an. Der Preis in Hongkong liegt damit 8,5 % unter dem bisherigen Einstiegsmodell. Tesla und acht weitere Autobauer hatten im Vormonat in China insgesamt rund 4,3 Mio. Fahrzeuge wegen möglicher Probleme beim Öffnen der Türen in Notfällen zurückgerufen, während Peking die Sicherheitsaufsicht über die von einem intensiven Preiskampf geprägte Elektroautoindustrie verschärft.

VW berät über weitere Einschnitte

Bei Volkswagen stehen nach außerordentlichen Betriebsversammlungen zusätzliche Stellenstreichungen und mögliche Perspektiven für die Werke in Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover im Mittelpunkt. Vorstandschef Oliver Blume hält den laufenden Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030 für nicht ausreichend und fordert weitere Kostensenkungen, insbesondere außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion. Der Aufsichtsrat dürfte noch in dieser Woche über Konzepte beraten, während Niedersachsen, Betriebsrat und IG Metall Werksschließungen und Massenentlassungen ablehnen.

Bessent fordert G20 zu Druck auf China auf

US-Finanzminister Scott Bessent will die G20 zu einer Überprüfung der Handelsbedingungen mit China bewegen, um globale Ungleichgewichte zu verringern. China müsse seine Abhängigkeit vom Export reduzieren und die chronisch schwache Binnennachfrage stärken, sagte Bessent mit Blick auf den chinesischen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar. Ob er vor einem geplanten Treffen von Donald Trump und Xi Jinping Ende September persönlich mit Chinas Vizepremier He Lifeng zusammentrifft, ist noch offen.

Brent steigt nach US-iranischen Militärschlägen über 90 Dollar

Die Ölpreise sind nach gegenseitigen Militärschlägen der USA und des Iran gestiegen, wobei Brent zur Lieferung im November um rund 1,5 % auf 90,77 US-Dollar je Barrel zulegte. Die USA griffen nahe der Straße von Hormus zwei Raketenabschussrampen an, woraufhin der Iran US-Militärstützpunkte mit Vergeltungsschlägen attackierte. Marktbeobachter erwarten bislang keinen starken weiteren Preisanstieg, obwohl die Angriffe eine Verhandlungslösung für ein Ende des Krieges erschweren könnten.

Enthält Material von dpa-AFX

Weiterführende Links