Der DAX startet leicht positiv in den Mittwoch - das bewegt den deutschen Leitindex. Im Fokus stehen folgende Themen: Iran, Commerzbank, Schaeffler, Heidelberger Druck, SpaceX, OpenAI, Apple und Bitcoin.

Der deutsche Aktienmarkt reagiert am Mittwoch im frühen Handel recht gelassen auf den wechselseitigen Beschuss zwischen den USA und dem Iran. Allerdings dürfte ein erneuter Schwächeanfall im globalen Technologiesektor die Anleger zunächst davon abhalten, vor den US-Inflationsdaten ins Risiko zu gehen. Kurz vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den DAX ein Plus von 0,2 Prozent auf 24.485 Punkte.

Die USA und der Iran haben sich in der Golfregion trotz Waffenruhe und laufenden Verhandlungen über ein Kriegsende erneut gegenseitig angegriffen. Als Reaktion auf den Abschuss eines US-Militärhubschraubers bombardierte das US-Militär im Iran Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Bereich der Straße von Hormus. Teheran griff daraufhin laut iranischen Medien US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an.

Mit Spannung erwartet werden die US-Verbraucherpreise für Mai. Experten rechnen mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 4,2 Prozent. "Das wäre gleichbedeutend mit dem stärksten Preisanstieg seit mehr als zwei Jahren. Eine negative Überraschung bei der Inflation könnte die ohnehin schon bestehenden Spekulationen über Zinserhöhungen noch weiter anheizen", fürchtet Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten Deutschland

Unicredit bekommt weitere Aktien der Commerzbank angedient

Die italienische Großbank Unicredit hat mit ihrem Übernahmeangebot für die Commerzbank weitere Aktien angedient bekommen. Commerzbank-Aktionäre hätten ihr bis zum 9. Juni 10,91 Prozent der Aktien angedient, teilte die Unicredit am Dienstagabend in Mailand mit. Eine Woche zuvor waren den Italienern im Zuge der Offerte 7,58 Prozent angeboten worden.

Nachdem das Geldhaus aus Mailand bisher schon 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien gehalten hatte, würde ihre Beteiligung mit den angedienten Aktien nun rechnerisch auf 37,68 Prozent steigen.

Mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot vom Mai vermeidet die Unicredit ein Pflichtangebot, das sonst beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke vorgeschrieben ist und das angesichts des zuletzt gestiegenen Commerzbank-Aktienkurses wesentlich teurer geworden wäre. Statt Geld bietet die Großbank für jedes Commerzbank-Papier 0,485 Unicredit-Anteile.

Schaeffler erholt vom späten Vortagsrutsch - Citi erhöht Kursziel

Für die Aktien von Schaeffler ist im vorbörslichen Handel am Mittwoch direkt wieder eine Erholung angesagt. Auf der Plattform Tradegate legen sie im Vergleich zu ihrem Xetra-Schlusskurs fast drei Prozent zu. Damit machen sie einen Großteil ihrer Vortagsverluste wett. Am Dienstag hatten sie fast vier Prozent verloren, wobei dei Aktien erst spät mit dem Gesamtmarkt unter Druck geraten waren.

Unterstützend wirkt am Mittwoch, dass die Citigroup jetzt mehr Luft nach oben sieht. Analyst Ross MacDonald erhöhte sein Kursziel auf 13 Euro und bestätigte seine Kaufempfehlung, auch wenn er den Zusatz "Upside 90-Day Catalyst Watch" gestrichen hat, den Aktien also jetzt nicht mehr den Status bald erwarteter Kurstreiber verleiht. MacDonald verwies auf den guten Lauf der Aktie, die seit ihrem Jahrestief im März in der Spitze um 84 Prozent gestiegen ist.

In seiner Studie erwähnte MacDonald im Autozuliefergeschäft beschleunigte Trends im Bereich der E-Mobilität und reduzierte Margenschwankungen. Die mittelfristigen Chancen mit humanoiden Robotern stützten die Bewertung ebenso wie neue Aktivitäten im Weltraum- und Rüstungsgeschäft. Wie gewohnt seien die Risiken im Sektor der europäischen Autozulieferer jedoch vielfältig.

Heidelberger Druck vorbörslich beflügelt von Gewinnausblick

Ein optimistischer Ausblick auf die Profitabilität haben den Aktien des Maschinenbauers Heidelberger Druckmaschinen am Mittwoch im vorbörslichen Handel deutlich Auftrieb verliehen. Auf der Handelsplattform Tradegate schnellten die Papiere im Vergleich zum Xetra-Schluss vom Vortag um 5,3 Prozent auf 1,43 Euro nach oben. Das Unternehmen hatt am Morgen mitgeteilt, dass die bereinigte Ebitda-Marge im laufenden Geschäftsjahr 2026/27 (bis Ende März) im Vergleich zum Vorjahr spürbar zulegen soll. Dazu soll auch ein Sparprogramm beitragen.

Internationale Nachrichten

SpaceX-IPO fast vierfach überzeichnet – 250 Milliarden Dollar Nachfrage

Laut Reuters ist die Nachfrage nach SpaceX-Aktien auf über 250 Milliarden Dollar angestiegen – das Drei- bis Vierfache des geplanten Emissionsvolumens von 75 Milliarden Dollar. Langfristig orientierte Fonds haben dem Vernehmen nach besonders große Positionen gemeldet, Elon Musk nahm Berichten zufoilge persönlich an einigen Investorengesprächen teil. 

OpenAI plant 500-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum in Ohio mit Nvidia-Backng

OpenAI verhandelt über die Anmietung eines riesigen 10-Gigawatt-Rechenzentrums auf Bundesland in Ohio, das auf mindestens 500 Milliarden Dollar Baukosten geschätzt wird. Entwickelt werden soll die Anlage von SoftBanks Energietochter SB Energy. Nvidia soll die Hardware liefern und als Finanzgarant für OpenAIs Mietvertrag auftreten. Der erste Bauabschnitt wäre frühestens 2028 betriebsbereit. Ob das ambitionierte Projekt tatsächlich zustande kommt, gilt angesichts der enormen Finanzierungsanforderungen als offen.

Apple erweitert Private Cloud Compute mit Google und Nvidia

Apple hat erstmals seine bislang ausschließlich auf eigener Hardware betriebene Private-Cloud-Infrastruktur für externe Partner geöffnet und wird seine KI-Workloads künftig auch auf Google Cloud laufen lassen – gestützt auf Nvidia-GPUs und Intel-Prozessoren. Die Kooperation baut auf der bereits bestehenden Zusammenarbeit mit Google auf, dessen Gemini-Modelle bereits Apples KI-Assistent Siri antreiben. Analysten sehen die Partnerschaft als Win-win-Situation: Apple behält eine hohe Kapitaleffizienz ohne eigene Infrastrukturkosten, während Google und Nvidia von Apples Milliarden-Nutzerbasis profitieren.

Bitcoin nähert sich kritischer 60.000-Dollar-Marke – Iran-Hoffnungen drücken Ölpreis

Bitcoin fiel im Wochenverlauf auf neue Tiefststände und notiert am MIttwochmorgen knapp unter 63.000 Dollar. Analysten sehen die 65.000 Dollar-Marke als entscheidende Hürde für eine Erholung; ein Durchbruch würde laut ihren Einschätzungen einen Anstieg auf 72.000 bis 74.000 Dollar auslösen. Technische Analysten warnen, dass die aktuellen Kursmuster historischen Bärenmarktverläufen von 2018 und 2022 ähneln, was weiteren Abwärtsdruck andeuten könnte. 

Gegenbewegungen am Ölmarkt – der Preis für WTI fiel unter 88 Dollar – signalisieren unterdessen neue Hoffnungen auf einen US-Iran-Friedensdeal, die Trump selbst auf einer Wahlkampfveranstaltung bekräftigte.

Enthält Material von dpa-AFX

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der US-Inflationsbericht für Mai so entscheidend für die Märkte?

Experten rechnen mit einem Anstieg der US-Inflationsrate auf 4,2 Prozent – das wäre der stärkste Preisanstieg seit mehr als zwei Jahren. Eine negative Überraschung könnte die ohnehin bestehenden Spekulationen über weitere Zinserhöhungen der Fed zusätzlich anheizen und Druck auf hochbewertete Aktien ausüben. Für den DAX ist das besonders relevant, weil steigende US-Zinsen auch die EZB-Entscheidung am Donnerstag beeinflussen könnten.

Was sagt die fast vierfache Überzeichnung des SpaceX-IPO über die Marktstimmung aus?

Die Nachfrage nach SpaceX-Aktien hat laut Reuters 250 Milliarden Dollar überschritten – das Drei- bis Vierfache des geplanten Emissionsvolumens von 75 Milliarden Dollar. Besonders langfristig orientierte Fonds haben große Positionen angemeldet. Die enorme Nachfrage spiegelt die ungebrochene KI- und Raumfahrtfantasie institutioneller Anleger wider – birgt aber angesichts des extrem niedrigen Free Floats von 4,2 Prozent erhebliches Volatilitätspotenzial nach dem Börsenstart.

Wo liegen die entscheidenden Kursmarken bei Bitcoin aktuell?

Technische Analysten sehen 65.000 Dollar als entscheidende Hürde für eine Erholung – ein nachhaltiger Durchbruch könnte den Kurs laut Einschätzungen auf 72.000 bis 74.000 Dollar katapultieren. Nach unten gilt die 60.000-Dollar-Marke als kritische Unterstützung. Aktuelle Kursmuster ähneln historischen Bärenmarktverläufen von 2018 und 2022, was weiteren Abwärtsdruck nicht ausschließt – sofern keine positiven Makro-Impulse wie ein US-Iran-Friedensdeal für eine Trendwende sorgen.