Die Stimmung an den Edelmetallmärkten hat sich spürbar eingetrübt. Nach den kräftigen Kurskorrekturen bei Gold und Silber reagieren zunehmend auch Analysten mit niedrigeren Preisprognosen.
Besonders bemerkenswert fällt die jüngste Reuters-Umfrage zum Goldpreis aus: Erstmals seit Ende 2023 haben die befragten Experten ihre durchschnittlichen Erwartungen zurückgenommen. Auch bei Silber wandern die Prognosen nach unten. Damit schlägt sich die veränderte Stimmung inzwischen deutlich in den Erwartungen der professionellen Marktbeobachter nieder.
Goldpreis-Prognose fällt von 4.916 auf 4.509 Dollar
Für die aktuelle Reuters-Erhebung wurden innerhalb von drei Wochen insgesamt 29 Analysten und Händler befragt. Das Ergebnis markiert eine klare Trendwende: Der Median der Prognosen für den durchschnittlichen Goldpreis 2026 sank auf 4.509 Dollar. Noch in der vorangegangenen Umfrage drei Monate zuvor waren 4.916 Dollar erwartet worden. Das entspricht einer Reduzierung um über acht Prozent. Reuters zufolge handelt es sich um die erste Abwärtsrevision seit elf Quartalen beziehungsweise seit Ende 2023. Auch für 2027 wurden die Erwartungen deutlich zurückgeschraubt: Statt 5.100 Dollar rechnen die Experten nun im Durchschnitt nur noch mit 4.610 Dollar.
Trotz der gesenkten Kursprognosen sehen die befragten Experten den langfristigen Investmentcase für Gold keineswegs als erledigt an. Geopolitische Spannungen, hohe Staatsverschuldung und Sorgen über die langfristige Stabilität von Währungen bleiben wichtige Argumente für das Edelmetall. Nach Einschätzung der Analysten sucht der Goldpreis derzeit vielmehr nach einem tragfähigen Boden, von dem aus später wieder neue Aufwärtsimpulse möglich wären.
Notenbankkäufe könnten den Goldpreis weiter stützen
Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die Zentralbanken. In der Reuters-Umfrage zieht sich die Erwartung hoher Notenbanknachfrage wie ein roter Faden durch die Einschätzungen. Zwar könnten die Käufe gegenüber den außergewöhnlich hohen Niveaus der vergangenen Jahre nachlassen, dennoch gelten die Währungshüter weiterhin als besonders verlässliche Nachfragequelle. Als Gründe werden unter anderem wachsende Sorgen über die Staatsfinanzen, die Glaubwürdigkeit von Währungen und die schrittweise Verringerung einer zu starken Abhängigkeit vom Dollar genannt.
Weniger optimistisch beurteilen die Experten dagegen die Schmucknachfrage. Das hohe Goldpreisniveau belastet vor allem die wichtigen Absatzmärkte China und Indien. In Indien kommt erschwerend hinzu, dass die Importzölle auf Gold und Silber im Mai von sechs auf 15 Prozent angehoben wurden. Damit soll unter anderem der Abfluss von Devisen durch Edelmetallimporte begrenzt werden.
Unterm Strich ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Die Analysten reagieren auf die deutliche Korrektur mit niedrigeren Goldpreisprognosen, stellen die langfristigen Argumente für das Edelmetall aber nicht grundsätzlich infrage. Für Privatanleger ist die erstmalige Prognosesenkung seit elf Quartalen dennoch ein wichtiges Signal. Nach Jahren stetig steigender Erwartungen rechnen die Profis zumindest kurzfristig mit deutlich weniger Rückenwind.
Auch Silberpreis-Prognosen werden zurückgenommen
Beim Silberpreis zeigt sich ein ähnlicher Trend. Laut Reuters sank die durchschnittliche Prognose für 2026 von zuvor 78 Dollar auf rund 72 Dollar. Als Belastungsfaktoren gelten neben der schwächeren Investmentnachfrage insbesondere Sorgen um die industrielle Nachfrage und den Photovoltaiksektor. Silber ist davon stärker betroffen als Gold, weil es gleichzeitig Edel- und Industriemetall ist.
Auch einzelne Banken haben ihre Erwartungen zuletzt reduziert. JPMorgan senkte seine Prognose für den weiteren Jahresverlauf auf 60 bis 65 Dollar, während unter anderem UBS, ING und Commerzbank ihre Einschätzungen ebenfalls nach unten angepasst haben. Allerdings bedeutet die vorsichtigere Preisprognose bislang keine grundlegende Entwarnung auf der Angebotsseite. Der Silbermarkt dürfte 2026 weiterhin ein strukturelles Defizit aufweisen. Damit gilt für Silber ähnlich wie für Gold: Das kurzfristige Marktsentiment hat sich deutlich verschlechtert, während einige längerfristige fundamentale Argumente weiterhin Bestand haben.
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