Nach der kräftigen Korrektur bei Gold und Silber hat die Commerzbank ihre Preisprognosen erneut nach unten angepasst. Dennoch sehen die Analysten das Ende des langfristigen Aufwärtstrends noch nicht gekommen.
Die Commerzbank hat ihre Prognose für den Goldpreis zum Jahresende 2026 von bislang 4.800 auf 4.500 Dollar reduziert. Noch deutlicher fällt die Anpassung bei Silber aus: Hier wurde das Kursziel von 80 auf 67 Dollar gesenkt. Es ist bereits die zweite Abwärtskorrektur innerhalb weniger Monate.
Als Hauptgrund nennt die Leiterin der Devisen- und Rohstoffanalyse, Thu Lan Nguyen, das veränderte geldpolitische Umfeld. Nach Einschätzung der Commerzbank hält sich der Inflationsdruck hartnäckiger als bislang erwartet. Dadurch dürfte die US-Notenbank an ihrer restriktiven Geldpolitik länger festhalten. Höhere Zinsen und steigende reale Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold und Silber, da beide Edelmetalle keine laufenden Erträge abwerfen. Gleichzeitig profitiert der Dollar von den höheren Zinsen und gewinnt als sicherer Hafen an Attraktivität, was zusätzlichen Druck auf die Edelmetallpreise ausübt.
Hinzu kommt nach Einschätzung der Analysten die angespannte Lage im Nahen Osten. Der anhaltende Konflikt mit Iran hat die Energiepreise steigen lassen und damit neue Inflationssorgen ausgelöst. Während geopolitische Krisen Gold normalerweise stützen, überwiegt derzeit aus Sicht der Commerzbank ein anderer Effekt: Die höheren Ölpreise verstärken die Inflation und sprechen gegen eine schnelle Lockerung der Geldpolitik. Damit verliert Gold einen wichtigen Kurstreiber, obwohl die geopolitischen Risiken hoch bleiben.
Warum die Commerzbank dennoch nicht pessimistisch ist
Trotz der niedrigeren Kursziele hält die Commerzbank an ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung für Gold fest. Die Analysten gehen davon aus, dass die Finanzmärkte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen derzeit möglicherweise überschätzen. Sollte sich der Inflationsdruck in den kommenden Monaten abschwächen, könnte die US-Notenbank auf zusätzliche Zinsschritte verzichten. Dies würde den Aufwärtsdruck auf die Realzinsen begrenzen und Gold wieder Rückenwind verleihen.
Hinzu kommt, dass die strukturellen Argumente für Gold nach Ansicht der Bank weiterhin Bestand haben. Die Nachfrage vieler Zentralbanken bleibt hoch, zahlreiche Staaten bauen ihre Goldreserven weiter aus. Gleichzeitig sorgen hohe Staatsverschuldung, geopolitische Spannungen und die Suche nach einer Diversifizierung der Währungsreserven für ein grundsätzlich unterstützendes Umfeld. Deshalb erwartet die Commerzbank trotz der aktuellen Prognosesenkung, dass der Goldpreis im Jahr 2027 wieder die Marke von 5.000 Dollar erreichen kann, sofern der Inflationsdruck nachlässt.
Silber bleibt chancenreich – aber schwankungsanfälliger
Bei Silber fällt die Prognoseanpassung deutlich stärker aus als bei Gold. Das liegt vor allem daran, dass Silber neben seiner Funktion als Edelmetall auch ein wichtiger Industriemetallrohstoff ist. Eine schwächere Konjunktur und vorsichtigere Erwartungen an die industrielle Nachfrage wirken sich daher stärker auf den Preis aus als bei Gold. Dennoch bleibt die Commerzbank auch für Silber langfristig konstruktiv. Sollte Gold wieder an Stärke gewinnen und sich die geldpolitischen Rahmenbedingungen entspannen, dürfte davon auch Silber profitieren. Anleger müssen nach Einschätzung der Bank allerdings mit deutlich höheren Kursschwankungen rechnen als beim Goldpreis.
Fazit: Insgesamt zeichnet die aktuelle Studie damit ein differenziertes Bild. Kurzfristig sprechen hohe Inflation, restriktive Zinserwartungen, ein starker Dollar und die Auswirkungen des Nahostkonflikts gegen eine rasche Erholung der Edelmetallpreise. Langfristig sieht die Commerzbank die wichtigsten Fundamentalfaktoren jedoch weiterhin intakt und rechnet deshalb mit einer Rückkehr zu höheren Gold- und Silberpreisen, sobald der geldpolitische Gegenwind nachlässt.
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