Die Edelmetallmärkte haben in den vergangenen Wochen deutlich an Glanz verloren. Sowohl Gold als auch Silber stehen unter erheblichem Verkaufsdruck. Dabei hat sich das charttechnische Bild stark eingetrübt. Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Anleger die Frage, welches der beiden Edelmetalle derzeit die besseren Chancen für den weiteren Jahresverlauf bietet.

Die jüngste Entwicklung verdeutlicht die unterschiedliche Dynamik beider Metalle. Seit Jahresbeginn hat Gold rund acht Prozent an Wert verloren, während Silber mehr als 20 Prozent eingebüßt hat. Damit zeigt sich erneut die typische Hebelwirkung von Silber gegenüber Gold: Steigen die Edelmetalle, legt Silber häufig überproportional zu. In Korrekturphasen gilt jedoch das Gegenteil, sodass die Verluste meist deutlich stärker ausfallen.

Auch ein Blick auf die Schwankungsintensität bestätigt ein altbekanntes Muster. Der CBOE-Goldvolatilitätsindex (GVZ) liegt derzeit bei rund 31 Prozent, während das entsprechende Pendant für Silber (VXSLV) über 55 Prozent notier. Silber reagiert damit wesentlich empfindlicher auf Veränderungen der Marktstimmung und gilt als das volatilere Edelmetall. Im Grunde genommen kann man behaupten: Der kleine Bruder von Gold gilt als deutlich wilder.

Gold oder Silber: Welches Edelmetall hat die besseren Chancen?

Für Gold spricht vor allem seine Rolle als klassischer sicherer Hafen. Die Nachfrage der Zentralbanken bleibt auf einem hohen Niveau und geopolitische Risiken können dem Edelmetall jederzeit wieder Auftrieb verleihen. Sollte sich die US-Notenbank im weiteren Jahresverlauf weniger restriktiv zeigen oder der Dollar an Stärke verlieren, könnte Gold vergleichsweise schnell davon profitieren. Zudem fällt die Schwankungsbreite bei Gold traditionell geringer aus als bei Silber.

Silber besitzt dagegen andere Stärken. Neben seiner Funktion als Edelmetall spielt die industrielle Nachfrage eine wichtige Rolle. Anwendungen in der Solarindustrie, Elektronik, Elektromobilität und weiteren Zukunftstechnologien sorgen langfristig für strukturelle Nachfrage. Gleichzeitig wird seit mehreren Jahren ein Angebotsdefizit am Silbermarkt registriert. Sollte sich die Stimmung an den Finanzmärkten verbessern, könnte Silber deshalb überproportional von einer Erholung profitieren.

Auch der renommierte Edelmetallexperte Jim Wyckoff (Analyst bei Barchart) sieht Gold und Silber derzeit kurzfristig unter Druck. Als Hauptgründe nennt er den starken Dollar sowie die gestiegenen Zinserwartungen in den USA. Langfristig bleibt Wyckoff jedoch optimistisch. Nach seiner Einschätzung könnten die aktuellen Kursrückgänge für geduldige Anleger interessante Einstiegsmöglichkeiten eröffnen. Aufgrund seiner höheren Volatilität dürfte Silber dabei allerdings sowohl nach unten als auch nach oben stärker ausschlagen als Gold und somit unter den Investoren ein robusteres Nervenkostüm erfordern. 

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regemäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Gold-Silber-Ratio spricht für Silber

Ein weiterer Indikator spricht zumindest teilweise für das weiße Edelmetall. Das Gold-Silber-Ratio ist seit Ende Januar von rund 46 auf etwa 70 gestiegen. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Unzen Silber für den Kauf einer Unze Gold erforderlich sind. Ein steigendes Ratio deutet darauf hin, dass Silber gegenüber Gold schwächer abschneidet und von manchen Marktteilnehmern deshalb als relativ günstig bewertet wird. Allerdings sollte dieser Indikator nicht isoliert betrachtet werden: Im April 2025 lag das Gold-Silber-Ratio zeitweise sogar oberhalb der Marke von 100, bevor Silber anschließend deutlich outperformt hat.

Fazit: Ob sich dieser Verlauf wiederholt, bleibt allerdings offen. Kurzfristig sprechen die charttechnische Schwäche und die hohen Zinserwartungen für anhaltende Risiken bei beiden Edelmetallen. Langfristig könnte die Kombination aus struktureller Industrienachfrage und einem auf mittlere Sicht erhöhten Gold-Silber-Ratio Silber sowie ihr guter Ruf als Krisenwährung jedoch wieder interessante Einstiegschancen eröffnen.

Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Lesen Sie auch:

Goldpreis-Prognose drastisch gekürzt: Das sagt die Deutsche Bank

Oder:

„Bis zu 500 Prozent Kurspotenzial“: Silber-Experte sieht Mega-Kurschancen