Der Goldmarkt befindet sich derzeit in einer Phase ausgeprägter Skepsis, Kaufempfehlungen sind eher rar gesät. Ein interessantes Kaufargument lieferte in einem Interview Brad Dunkley, Mitgründer und Chief Investment Officer des kanadischen Vermögensverwalters Waratah Capital Advisors.

Obwohl steigende Anleiherenditen, ein robuster Dollar und die Aussicht auf eine restriktive US-Geldpolitik viele Anleger haben vorsichtig werden lassen, sieht er die jüngste Goldkorrektur nicht als Warnsignal, sondern als attraktive Kaufgelegenheit.

Gold profitiert langfristig von der Geldpolitik

Nach Einschätzung Dunkleys bleibt der langfristige Goldbullenmarkt intakt. Seine zentrale These lautet, dass Regierungen und Notenbanken wirtschaftliche „Schmerzen“ nur begrenzt akzeptieren werden. Tiefe Rezessionen, stark steigende Arbeitslosigkeit oder größere Verwerfungen an den Finanzmärkten werden seiner Ansicht nach zunehmend mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen bekämpft.

Als wesentlichen Hintergrund nennt der Vermögensverwalter die weltweit stark gestiegene Staatsverschuldung. Je höher die Schuldenlast ausfalle, desto schwieriger werde es für die Zentralbanken, dauerhaft hohe Zinsen aufrechtzuerhalten. Zwar könnten die Notenbanken vorübergehend einen restriktiven Kurs verfolgen, bei zunehmendem Druck auf Wirtschaft und Finanzmärkte dürften sie jedoch wieder zu einer expansiveren Geldpolitik übergehen. Nach seiner Einschätzung würden die Verantwortlichen letztlich alles daransetzen, das Wirtschaftswachstum zu stützen, um eine existenzielle Schuldenkrise zu verhindern.

Für Gold ergäbe sich daraus ein strukturell positives Umfeld. Sollte die Geldmenge erneut ausgeweitet werden, könnten reale Zinsen unter Druck geraten. Historisch galt ein solches Umfeld häufig als unterstützend für die Krisenwährung. Dunkley verweist außerdem darauf, dass der langfristige Trend weniger von kurzfristigen Inflationsdaten als vielmehr von einer schrittweisen Entwertung der Papierwährungen geprägt werde. Diese Entwicklung spreche aus seiner Sicht sowohl für physisches Gold als auch für Goldminenaktien, die trotz gestiegener Gewinne teilweise noch vergleichsweise moderat bewertet seien.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regemäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

„In Gold We Trust Report“ vertritt eine ähnliche These

Eine vergleichbare Argumentation fand sich auch im Ende Mai veröffentlichten „In Gold We Trust Report 2026“ von Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek. Die Autoren sehen den jüngsten Goldpreisrückgang ebenfalls nicht als Ende des langfristigen Aufwärtstrends. Vielmehr beschreiben sie wiederkehrende Abläufe, die bereits während der Finanzkrise 2008 und der Corona-Pandemie 2020 zu beobachten gewesen seien.

Nach ihrer Analyse führen geopolitische Krisen oder andere Schocks zunächst zu steigenden Inflationserwartungen, höheren Anleiherenditen und zunehmendem Druck auf die Finanzmärkte. In einer solchen Phase komme es dann häufig zu Zwangsverkäufen, von denen selbst Gold kurzfristig betroffen sein könne. Entscheidend sei jedoch die Reaktion der Notenbanken. Die Autoren erwarten, dass Zentralbanken bei einer nachhaltigen Verschärfung der Finanzmarktprobleme letztlich erneut Liquidität bereitstellen und Instrumente wie Anleihekäufe, finanzielle Repression oder andere expansive Maßnahmen einsetzen könnten.

Stöferle und Valek argumentieren zudem, dass das Zinserhöhungspotenzial der Notenbanken durch die hohe globale Staatsverschuldung strukturell begrenzt sei. Dauerhaft hohe Zinsen würden die Finanzierungskosten vieler Staaten erheblich erhöhen und könnten deshalb nur schwer beibehalten werden. Aus ihrer Sicht spricht diese Entwicklung langfristig für Sachwerte wie Gold, da sie von sinkenden Realzinsen und einer expansiveren Geldpolitik profitieren sollten.

Fazit: Ob sich diese Einschätzungen letztlich bewahrheiten werden, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass das kurzfristige Marktsentiment gegenüber Gold derzeit ausgesprochen negativ ausfällt. Kapitalmarktexperten wie Brad Dunkley sowie die Autoren des „In Gold We Trust Report“ sehen aber gerade in dieser Skepsis eine mögliche Chance für langfristig orientierte Anleger.

Lesen Sie auch:

Goldman Sachs: Darum sollten Sie Gold trotz des Kurssturz nicht verkaufen

Oder:

Goldpreis nach 28-Prozent-Crash: So geht es jetzt weiter, sagt die Historie