Viele Anleger fragen sich, ob der Rebound bei Gold und Silber von Dauer sein kann oder dieser lediglich eine kurze Erholung innerhalb einer größeren Korrektur darstellt. Sprott Inc. Hat diesbezüglich eine klare Meinung.
Maria Smirnova von Sprott unterteilt die bisherige Goldpreisentwicklung 2026 in drei Phasen. Zu Jahresbeginn trieben Sorgen über Staatsschulden und Haushaltsdefizite, geopolitische Spannungen sowie Zentralbankkäufe Gold auf neue Rekordstände. Ab März folgte eine kräftige Korrektur: Liquiditätsbedarf, ein stärkerer Dollar und die Aussicht auf länger hohe US-Zinsen belasteten den Goldpreis. Seit Beginn des Sommers sieht Smirnova eine dritte Phase. Der Verkaufsdruck ließ nach, die physische Nachfrage zog an und die fortgesetzten Zentralbankkäufe stabilisierten den Markt. Für Sprott spricht dies eher für eine zyklische Korrektur als für das Ende des langfristigen Aufwärtstrends.
Gold: Staatsschulden und Zentralbanken bleiben wichtige Stützen
Für Smirnovas grundsätzlich optimistische Goldpreis-Prognose sind vor allem die strukturellen Rahmenbedingungen entscheidend. Die weltweit wachsenden Staatsschulden und anhaltend hohen Haushaltsdefizite haben sich durch die jüngste Korrektur nicht verändert. Sie könnten vielmehr langfristig Zweifel an der Stabilität traditioneller Währungen und Staatsanleihen verstärken. Gold gewinnt in diesem Umfeld als Vermögenswert an Bedeutung, der nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Staates oder Unternehmens abhängt.
Hinzu kommt die geopolitische Fragmentierung. Je stärker sich die Weltwirtschaft in unterschiedliche politische und wirtschaftliche Blöcke aufteilt, desto größer wird für Zentralbanken der Anreiz, ihre Währungsreserven breiter zu diversifizieren. Gold spielt dabei nach Einschätzung von Sprott eine zentrale Rolle. Die Notenbanken hätten auch während der jüngsten Korrektur weiter gekauft und damit einen wichtigen Boden unter dem Goldpreis geschaffen.
Smirnova unterscheidet deshalb zwischen kurzfristigen Kapitalbewegungen von Investoren (Momentum) und der langfristigen Nachfrage des offiziellen Sektors. Während Anleger ihre Goldpositionen aufgrund steigender Zinsen, eines stärkeren Dollars oder akuten Liquiditätsbedarfs schnell reduzieren können, folgt die Reservepolitik von Zentralbanken wesentlich längerfristigen Überlegungen.
Auch einige der jüngsten Belastungsfaktoren könnten an Kraft verlieren. Ein erheblicher Teil der Anpassung an höhere Zinsen, knappere Liquidität und den starken Dollar dürfte nach Einschätzung von Sprott inzwischen in den Preisen berücksichtigt sein. Damit könnten Faktoren, die Gold in den vergangenen Monaten ausgebremst haben, künftig weniger stark ins Gewicht fallen.
Silber profitiert zusätzlich von KI und Elektrifizierung
Bei Silber fällt Smirnovas Argumentation noch breiter aus. Das Edelmetall besitzt einerseits monetäre Eigenschaften und kann deshalb gemeinsam mit Gold von Unsicherheit und einer steigenden Nachfrage nach Sachwerten profitieren. Andererseits ist Silber ein bedeutendes Industriemetall. Genau diese Doppelrolle eröffnet zusätzliche Chancen, sorgt allerdings auch für höhere Schwankungen. Dies ist vor allem auf die geringere Größe des Silbermarktes und den hohen Anteil gehebelter Marktteilnehmer zurückzuführen. Deshalb fallen solche Bewegungen häufig heftiger aus als bei Gold.
An den fundamentalen Argumenten habe sich dadurch jedoch wenig geändert. Sprott verweist auf die wachsende Silbernachfrage durch Photovoltaik, Elektrifizierung, Stromnetze, moderne Elektronik und zunehmend auch die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Gleichzeitig kann das Minenangebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Die Folge sind seit mehreren Jahren strukturelle Angebotsdefizite, durch die oberirdische Lagerbestände beansprucht werden.
Fazit: Für Sprott ist die jüngste Korrektur bei Gold und Silber deshalb kein Beleg für einen gebrochenen langfristigen Aufwärtstrend. Im Gegenteil: Weil die Preise deutlich von ihren Spitzen zurückgekommen sind, während wesentliche fundamentale Treiber bestehen bleiben, hat sich aus Sicht Smirnovas das langfristige Chance-Risiko-Verhältnis verbessert.
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