Der Goldmarkt befindet sich derzeit in einer zweifellos schwierigen Phase. Nach dem markanten Einbruch des Goldpreises um in der Spitze fast 30 Prozent ist die Verunsicherung vieler Anleger extrem groß. Die US-Investmentbank Goldman Sachs rät dennoch dazu, jetzt nicht vorschnell die Reißleine zu ziehen.
Zwar räumt Goldman Sachs ein, dass das Umfeld für Gold kurzfristig anspruchsvoll bleibt. Nach Einschätzung von Samantha Dart, Co-Leiterin des globalen Rohstoff-Researchs der Bank, sorgen die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Fed und die gestiegenen Inflationserwartungen infolge höherer Energiepreise weiterhin für Gegenwind. Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten einer Goldanlage, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Gleichzeitig verteuert ein starker Dollar Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Goldman Sachs bleibt langfristig optimistisch
Trotz dieser Belastungsfaktoren hält Dart an ihrer positiven Grundhaltung fest. Ihre zentrale Botschaft lautet: „Gold is not done“ (Gold ist nicht am Ende). Nach Einschätzung der Analystin besitzt Gold weiterhin Aufwärtspotenzial. Während kurzfristig vor allem geldpolitische Faktoren dominieren, sprechen aus Sicht von Goldman Sachs mehrere strukturelle Entwicklungen für höhere Goldpreise in den kommenden Jahren.
Als entscheidenden Stützpfeiler nennt Goldman Sachs die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken. Seit dem Einfrieren russischer Währungsreserven im Jahr 2022 hätten viele Notenbanken begonnen, ihre Reserven stärker zu diversifizieren und den Goldanteil auszubauen. Dieser Trend dürfte nach Einschätzung der Investmentbank noch lange nicht abgeschlossen sein und bildet weiterhin die Grundlage ihrer Goldpreisprognose von 4.900 Dollar je Feinunze bis Ende des Jahres.
Unterstützt wird diese Einschätzung durch die Mitte Juni veröffentlichte Zentralbankumfrage des World Gold Council. Demnach erwarten 89 Prozent der befragten Notenbanken einen weiteren Anstieg der weltweiten Goldreserven innerhalb der kommenden zwölf Monate. Besonders bemerkenswert ist, dass ein Rekordwert von 45 Prozent der befragten Zentralbanken sogar plant, die eigenen Goldbestände weiter aufzustocken. Damit bleibt der offizielle Sektor ein bedeutender Nachfragetreiber am Goldmarkt.
Kurzfristige Schwäche muss kein Verkaufssignal sein
Aus Sicht von Goldman Sachs überlagern derzeit vor allem konjunkturelle und geldpolitische Einflüsse die langfristigen Fundamentaldaten. Sollten sich die Zinserwartungen im weiteren Verlauf wieder entspannen oder der Dollar an Stärke verlieren, könnte sich das Umfeld für Gold deutlich verbessern. Gleichzeitig bleibt die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken weitgehend unabhängig von kurzfristigen Marktbewegungen bestehen.
Für Privatanleger bedeutet dies, dass starke Kursschwankungen bei Gold zwar belastend sein können, jedoch nicht zwangsläufig eine grundlegende Veränderung der langfristigen Perspektiven bedeuten. Historisch waren an den Goldmärkten deutliche Rückschläge während langfristiger Aufwärtstrends keine Seltenheit.
Fazit: Wer nicht aus Liquiditätsgründen zum Verkauf gezwungen ist, sollte den aktuellen Kursrückgang daher folgendermaßen einordnen. Gold erfüllt weiterhin wichtige Funktionen als Diversifikationsbaustein, Krisenabsicherung und langfristiger Wertspeicher. Solange die strukturellen Nachfragefaktoren Staatsschuldenkrise, Entdollarisierung und Inflationssorgen intakt bleiben, sprechen aus heutiger Sicht gute Argumente dafür, das Edelmetall als festen Bestandteil eines breit aufgestellten Vermögensportfolios beizubehalten.
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