Paul Wong, Marktstratege des kanadischen Vermögensverwalters Sprott, sieht keinen Grund, Gold aus einem langfristig ausgerichteten Portfolio zu streichen. Im Gegenteil: Aus seiner Sicht wird das Edelmetall weiterhin ein unverzichtbarer Vermögensbaustein bleiben.

Zentral für seine Einschätzung ist die Beobachtung, dass die Rolle des Dollars als dominierende Reservewährung schrittweise erodiert. Zwischenzeitliche Aufwertungsphasen der US-Währung ändern daran wenig – sie gehören für Sprott zum normalen Erscheinungsbild eines sich wandelnden globalen Währungssystems. Der schleichende Bedeutungsverlust des Dollars verläuft demnach unabhängig von einzelnen Marktphasen und bildet den eigentlichen Rahmen, in dem kurzfristige Kursschwankungen einzuordnen sind.

Verkäufe in Stressphasen sprechen nicht gegen Gold

Ein weiterer Aspekt betrifft das Verhalten von Investoren in Krisenzeiten. Wenn Marktturbulenzen zunehmen, greifen viele Anleger auf Gold zurück, um sich Liquidität in Dollar zu verschaffen – sie verkaufen also Edelmetall, um Bargeld zu generieren. Sprott interpretiert dieses Muster nicht als Schwäche, sondern als Beleg für die besondere Stellung von Gold: Es zählt zu den liquidesten Reserveanlagen weltweit und lässt sich gerade deshalb in Stresssituationen rasch monetarisieren. Diese Eigenschaft unterscheidet Gold von vielen anderen Vermögenswerten und bestätigt seine Funktion als Absicherungsinstrument, statt sie infrage zu stellen.

Besonders bemerkenswert findet Sprott einen scheinbaren Widerspruch: Je stärker der Dollar wird, desto größer wird zugleich der Anreiz für Zentralbanken, ihre Reserven zu diversifizieren. Anstatt Vertrauen in die US-Währung zu stärken, befeuert eine ausgeprägte Dollarstärke somit tendenziell die Nachfrage nach Alternativen. Notenbanken bauen ihre Goldbestände seit Jahren kontinuierlich aus und reduzieren parallel ihre Abhängigkeit von der amerikanischen Leitwährung. Für Sprott festigt dieser Mechanismus die Position von Gold als neutrale Reserveanlage, die außerhalb des politischen Einflussbereichs einzelner Staaten steht.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Charttechnik stützt die Einschätzung

Auch aus technischer Perspektive sieht Sprott Argumente für eine stabile Basis. Über die vergangenen zehn Jahre hat der Goldpreis wiederholt Halt gefunden, sobald er sich der Marke von rund 90 Prozent seines gleitenden 200-Tage-Durchschnitts näherte. Dieses wiederkehrende Muster deutet darauf hin, dass sich starke Kursrückgänge historisch als vorübergehende Phasen erwiesen haben, denen anschließend eine Stabilisierung folgte – ein Verlauf, den Sprott auch für die aktuelle Situation als plausibel erachtet.

Bemerkenswert ist zudem, wie deutlich die zurückliegenden Kursbewegungen ausgefallen sind – gemessen an den tatsächlichen Veränderungen bei Dollarkurs und Leitzinsniveau. Sprott zieht daraus den Schluss, dass die Marktteilnehmer die negativen Effekte eines höheren Zinsumfelds und einer festeren US-Währung inzwischen größtenteils verarbeitet haben. Solange sich die geldpolitischen Erwartungen nicht noch einmal spürbar verschärfen, dürfte der Spielraum für weitere Abwärtsbewegungen begrenzt bleiben. Damit ist keine unmittelbare Erholung garantiert, wohl aber ein abnehmendes Risiko für neue, gravierende Belastungen.

Fazit: Für Sprott bleibt Gold weit mehr als ein reines Spekulationsobjekt auf steigende Notierungen. Es fungiert als Absicherung gegen geopolitische Risiken, geldpolitische Umbrüche und einen möglichen Vertrauensverlust in Papierwährungen. Die anhaltenden Käufe der Zentralbanken, der schrittweise schwindende Sonderstatus des Dollars sowie das historisch belastbare Kursmuster ergeben in Summe ein Bild, das für einen dauerhaften Platz des Edelmetalls im diversifizierten Portfolio spricht – unabhängig davon, wie sich einzelne Marktphasen kurzfristig entwickeln.

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