(neu: Aussagen aus Analystenkonferenz, Aktienkurs aktualisiert)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Rheinmetall
Im frühen Handel büßten die Anteilscheine als Schlusslicht im Dax
JPMorgan-Analyst David Perry hatte die Aktionäre in einer ersten Reaktion bereits auf einen Kursrutsch eingestellt und ihn bei etwa 10 Prozent vermutet. Immerhin sei es die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen elf Monaten, so der Experte. Obendrein seien die langfristigen Erlösaussichten für einige Produkte zunehmend unklar. Perry hegt zudem zunehmend Zweifel an den Zielen für die zahlreichen Gemeinschaftsunternehmen, die Rheinmetall seit etwa zwei Jahren in Aussicht stellt. Zwar sei Rheinmetalls Strategie nicht falsch, die bisherigen Ziele seien aber wohl unrealistisch.
Rheinmetall rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Umsatzanstieg auf rund 13,2 Milliarden Euro im Vergleich zu 9,94 Milliarden ein Jahr zuvor. Zuletzt lag die nach dem Stopp des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts bereits im August gesenkte Spanne bei 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die operative Ergebnismarge soll jetzt statt rund 19 Prozent noch rund 18,5 Prozent betragen. Grund sei ein geänderter Produktmix beim Jahresumsatz. Das Ausmaß der Kürzung bei den Jahreszielen des Rüstungskonzerns überrasche, schrieb Jefferies-Analystin Chloe Lemarie.
Schon zu Wochenbeginn machte ein Medienbericht die Rheinmetall-Aktionäre nervös. Händler verwiesen am Montag auf einen Bericht des Online-Branchenportals "Hartpunkt". Darin hieß es, eine deutsche Großbestellung für Radfahrzeuge des Typs Boxer komme offenbar erst im Februar 2027 und dies mit einem Vertragswert, der etwas unter früheren Aussagen von Rheinmetall-Chef Armin Papperger liege. Laut dem Bericht war im Sommer noch die Rede davon gewesen, dass die Beschaffung durch die Bundeswehr wohl Anfang Dezember erfolgen werde.
Im dritten Quartal legte der Umsatz um fast ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro zu, wie Rheinmetall weiter mitteilte. Das operative Ergebnis kletterte um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro sogar noch stärker. Die operative Marge verbesserte sich von im Vorjahr 14,8 auf 17,5 Prozent. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Gewinn von 296 Millionen Euro nach 152 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Trotz weiterhin hoher Nachfrage trübte sich die Auftragslage derweil etwas ein. Die sogenannte Nomination liege mit 2,89 Milliarden Euro auf einem "guten, wenn auch leicht niedrigeren Niveau", hieß es von Rheinmetall weiter. Diese Kennziffer umfasst neben dem klassischen Auftragseingang unter anderem das Volumen aus neu abgeschlossenen Rahmenverträgen. Der Rüstungskonzern saß zu Ende September auf einem Backlog, also einem Auftragsbestand inklusive verbindlicher Aufträge und Rahmenverträge, von rund 78 Milliarden Euro.
Berenberg-Analyst George McWhirter bemängelte, dass Rheinmetall keine neuen Ziele für den Auftragseingang geliefert habe. Die gesenkte Jahresprognose unterstreiche die Risiken mit Blick auf Auftragsbeschaffung und Umsetzung der Bestellungen. McWhirter sieht auch die mittelfristigen Schätzungen in Gefahr. Citigroup-Analyst Charles Armitage setzt dagegen weiter darauf, dass sich die Aufträge nur verzögern und nicht in Luft auflösen. Der gekappte Ausblick könnte aus seiner Sicht ein reinigendes Gewitter sein, um in der Folge die Glaubwürdigkeit schrittweise wiederherzustellen.
Rheinmetall-Finanzchef Klaus Neumann betonte denn auch in einer Analystenkonferenz, dass die Verzögerungen ausschließlich mit Prozessen auf Kundenseite zu tun hätten. Beim Projekt Arminius rechnet Neumann mit einer Verschiebung ins erste Quartal 2027. Diese Entwicklung sei ebenso wenig vorherzusehen gewesen wie das F126-Aus im Juni. Detailliertere Aussagen zum kommenden Jahr und den mittelfristigen Zielen will der Finanzchef auf dem Kapitalmarkttag am 26. und 27. November präsentieren./niw/jha/lew/he
Quelle: dpa-Afx