MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Triebwerksbauer MTU wird dank einer höheren Nachfrage nach Ersatzteilen und Wartung etwas optimistischer für 2026. Weil dem Unternehmen zudem die Entwicklung des Dollar-Euro-Kurses in die Hände spielt, hob Vorstandschef Johannes Bussmann das untere Ende seiner Umsatzprognose am Donnerstag an. Das Geschäft mit neuen Triebwerken dürfte hingegen schwächer wachsen als zunächst gedacht, wie der Konzern am Donnerstag in München mitteilte. An der Börse dreht der zunächst schwache Kurs gegen Mittag ins Plus.

Die MTU-Aktie stieg im Dax zuletzt um 2,3 Prozent auf 339,60 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier aber noch rund fünf Prozent eingebüßt. Das Rekordhoch von mehr als 400 Euro aus dem Februar ist noch weiter entfernt.

Dabei hatte der Vorstand mit der Anhebung seiner Erwartungen an den Umsatz und den Barmittelzufluss positive Impulse gesetzt. Das Geschäft von MTU sei von der Entwicklung der Weltwirtschaft weitgehend unbeeinflusst, sagte Bussmann. Selbst die stark gestiegenen Kerosinpreise, die den Fluggesellschaften schwer zu schaffen machen, änderten nichts an der starken Nachfrage nach neuen Triebwerken und dem Wartungsbedarf.

So würden die Flugzeuge mit sparsameren Triebwerken, an denen MTU beteiligt ist, wegen des teuren Treibstoffs stärker genutzt, erklärte Bussmann in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. MTU werde daher als Teil der Lösung wahrgenommen und nicht als Teil des Problems.

Der Münchner MTU-Konzern entwickelt und liefert in unterschiedlichen Bündnissen mit anderen Triebwerksbauern wichtige Teile für Passagier- und Frachtflugzeuge der großen Hersteller Airbus und Boeing und ist auch an Antrieben für Militärflugzeuge beteiligt.

Der meistgefragte Antrieb ist der sogenannte Getriebefan (GTF) des US-Herstellers Pratt & Whitney , für den MTU in München eine von weltweit drei Endmontagelinien betreibt. Dieser Typ kommt vor allem bei den Airbus-Mittelstreckenjets aus der Modellfamilie A320neo zum Einsatz, der meistgefragten Flugzeugreihe der Welt. Zudem ist MTU als Wartungsdienstleister groß im Geschäft. Traditionell verdienen Triebwerkshersteller an Ersatzteilen und Wartung mehr als an neuen Turbinen.

Da Flugzeugteile in US-Dollar gehandelt werden und der Dollar gegenüber dem Euro seit dem Sommer an Wert gewonnen hat, rechnet die MTU-Spitze für 2026 jetzt mit einem Erlös von 9,5 bis 9,7 Milliarden Euro. Bisher hatte die untere Zielmarke bei 9,2 Milliarden gelegen. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll jedoch weiterhin 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro erreichen. Dies schließt eine Stagnation im Vergleich zum Vorjahr nicht aus.

Dafür sollen jetzt 55 bis 60 Prozent des bereinigten Gewinns als freie Finanzmittel übrig bleiben. Damit hob Finanzchefin Katja Garcia Vila ihr Ziel für diese sogenannte Cash-Conversion-Rate zum zweiten Mal in diesem Jahr an.

Im dritten Quartal entwickelten sich die MTU-Zahlen durchwachsen: So stieg der Umsatz im Jahresvergleich um fast 14 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn stieg um drei Prozent auf 349 Millionen Euro. Hier hatten sich Experten mehr ausgerechnet.

Unter dem Strich sank der Quartalsgewinn um neun Prozent auf 227 Millionen Euro. Finanzchefin Garcia Vila erklärte den Rückgang mit der Neubewertung von Verbindlichkeiten infolge des veränderten Wechselkurses zwischen Dollar und Euro./stw/men/mis

Quelle: dpa-Afx