SpaceX steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe an der Börse. Am 4. August veröffentlicht der Raumfahrt- und Technologiekonzern erstmals Quartalszahlen – und zwei Handelstage später läuft die erste Lockup-Frist aus. Was das für die Aktie bedeutet.

Für die Aktie von SpaceX stehen kommende Woche gleich zwei potenziell kursbewegende Ereignisse an: Am Dienstag wird das Unternehmen von Elon Musk nach Börsenschluss erstmals Quartalszahlen veröffentlichen. Zwei Tage später, am 6. August 2026, läuft die erste Lockup-Frist ab. Damit könnten bis zu 911,5 Millionen Aktien auf den Markt kommen.

Das schätzt die Börse

Für die Analysten ist der Earnings Call ebenfalls eine Art Premiere. Worauf müssen sie achten, wie transparent präsentiert sich das Unternehmen? Welche Zahlen stehen im Vordergrund? Entsprechend weit gehen die Schätzungen auseinander. Die Bandbreite ist für ein Unternehmen dieser Größe und Bedeutung ungewöhnlich groß. Laut S&P Global reichen die Schätzungen für das Ergebnis je Aktie von einem Verlust von 1,26 US-Dollar bis hin zu einem Gewinn von 0,33 US-Dollar.

Im Schnitt rechnen die Experten zwar mit einem kräftigen Umsatzsprung. Beim Ergebnis je Aktie erwarten sie jedoch mehrheitlich erneut einen Verlust. Entscheidend dürfte daher am Dienstag weniger sein, ob SpaceX die Konsensschätzungen erfüllt, sondern ob das Unternehmen einen glaubwürdigen Weg zu dauerhaft höheren Margen und positivem Cashflow aufzeigt.

Weiterhin Verluste trotz Umsatzexplosion

Nach den jüngsten Konsensschätzungen wir der Umsatz für das zweite Quartal je nach Datenanbieter zwischen rund 6,7 und 6,9 Milliarden US-Dollar liegen. Beim Ergebnis je Aktie rechnen die Analysten mit einem Verlust zwischen 0,26 und 0,29 US-Dollar. UBS etwa erwartet einen bereinigten Verlust von 0,12 US-Dollar je Aktie, Morgan Stanley ist mit minus 0,35 US-Dollar deutlich vorsichtiger. Der Konsens von etwa minus 0,28 US-Dollar je Aktie liegt damit eher in der Mitte der verfügbaren Schätzungen.

SpaceX hatte laut Börsenprospekt im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von rund 4,69 Milliarden US-Dollar erzielt. Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf rund 4,3 Milliarden US-Dollar aus. Der vorhergesagte Umsatzsprung im zweiten Quartal wäre somit beachtlich – er würde aber zunächst nichts daran ändern, dass hohe Investitionen in Starlink, Starship und künstliche Intelligenz das Ergebnis belasten.

Analysten sehen zwei SpaceX

Die optimistischste Einschätzung kommt vom Investmenthaus Raymond James. Dort startete Analyst Brian Gesuale die Beobachtung von SpaceX mit einem „Strong Buy“ und einem Kursziel von 800 US-Dollar. Es ist bislang das höchste bekannte Kursziel an der Wall Street und liegt um das Siebenfache über dem aktuellen Kurs von rund 109 Dollar. „Wir sehen das Unternehmen als eines der prägenden Infrastrukturunternehmen des 21. Jahrhunderts“, schrieb Gesuale zur Begründung. SpaceX könnte nicht nur mit Raketenstarts und Starlink wachsen, sondern auch eine zentrale Plattform für die physische Infrastruktur künstlicher Intelligenz werden. Sein Kursziel setzt allerdings eine nahezu fehlerfreie Umsetzung bei Starship, Starlink und den KI-Plänen voraus.

Auch Morgan Stanley ist grundsätzlich optimistisch. Analyst Adam Jonas bewertet die Aktie mit „Overweight“ und einem Kursziel von 300 US-Dollar. Er sieht SpaceX „einzigartig aufgestellt in den Bereichen Raketenstarts, Konnektivität und künstliche Intelligenz“. Trotzdem erwartet Morgan Stanley nach den vorliegenden Schätzungen erst ab 2035 einen positiven freien Cashflow. Das bedeutet: Das Kursziel beruht stark auf der langfristigen Wachstumsphantasie und nicht auf kurzfristig steigenden Erträgen. Ein Ansatz, der in der Debatte um den KI-Boom zunehmend skeptisch gesehen wird.

Morningstar warnt vor Verkaufswelle

Die Kassandra im Chor der SpaceX-Experten ist der Morningstar-Analyst Nicolas Owens. Er setzte den fairen Wert der Aktie schon vor dem Börsengang bei lediglich 62 US-Dollar an – und bleibt dabei. Owens argumentiert, dass die Bewertung bereits sehr viel langfristiges Wachstum vorwegnehme, während das Unternehmen gegenwärtig noch Verluste schreibe und massiv investieren müsse.

Auch in Sachen Lockup ist Owens skeptisch. „Wir gehen davon aus, dass die meisten verfügbaren Aktien auf den Markt kommen werden, weil die bisherigen Eigentümer niedrige Einstandskurse und lange Haltedauern haben“, erklärt er. Verkaufsbereite Aktionäre könnten demnach versucht sein, möglichst bald erste Gewinne mitzunehmen – zumal der Kurs nach dem anfänglichen Hype seit Tagen fällt. Allerdings räumt Owens ein, dass ein großer Teil des jüngsten Kursrückgangs der SpaceX-Aktie genau damit zu erklären sei, dass der Markt die erwartete Verwässerung durch das Ende der Lockup-Frist bereits vorwegnimmt. Dann wäre dieses Risiko bereits im Aktienkurs enthalten.

Eine weitere vorsichtige Stimme kommt von Piper Sandler. Analyst Alexander Potter nahm die SpaceX-Aktie mit „Neutral“ und einem Kursziel von 156 US-Dollar in die Bewertung auf. Er bevorzugt andere Raumfahrtwerte mit einer aus seiner Sicht besser nachvollziehbaren Bewertung und einem klareren Weg zu steigenden Erträgen.

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SpaceX (WKN: A42D4F)

Kursziele klaffen weit auseinander

Die Diskrepanz unter den Analysten ist ungewöhnlich, erklärt sich aber durch die noch junge Börsenhistorie von SpaceX. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt nach Daten von S&P Global bei rund 237 US-Dollar. Das niedrigste Ziel – von Morningstar – liegt bei 62 US-Dollar, das höchste – von Raymond James – bei 800 US-Dollar. Insgesamt 27 Analysten empfehlen den Kauf, sechs raten zum Halten und einer zum Verkauf. Die Konsensbewertung lautet demnach: „Buy“.

Der Mittelwert sollte allerdings nicht als besonders verlässlicher Zielkurs missverstanden werden. SpaceX ist erst seit Juni börsennotiert, und viele Kursziele beruhen auf langfristigen Annahmen zu Geschäftsfeldern, die heute noch nicht voll entwickelt sind. Zudem haben mehrere Investmentbanken, die jetzt hohe Kursziele nennen, selbst am Börsengang mitgewirkt.

Auch beim Umsatz fallen die Schätzungen weit auseinander: Die Schätzungen liegen für das Gesamtjahr in einer Spanne von etwa 34,3 bis 46,2 Milliarden US-Dollar. Morgan Stanley rechnet für 2026 sogar mit rund 45 Milliarden US-Dollar Umsatz, Morningstar nur mit 36,8 Milliarden. Für den langfristigen Investmentcase ist aber auch entscheidend, wie viel davon nach den hohen Investitionen als operativer Gewinn und freier Cashflow übrigbleibt.

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Lockup endet am 6. August

Die erste Lockup-Frist endet am 6. August 2026, zwei Handelstage nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen. Dann könnten bis zu 20 Prozent der gebundenen Aktien, das sind rund 911,5 Millionen Stück, handelbar werden. Bei einem Kurs von gut 109 US-Dollar entspräche das einem potenziellen Aktienwert von etwa 100 Milliarden US-Dollar.

Dass die Frist abläuft, bedeutet nicht, dass sämtliche Aktien sofort verkauft werden. Die Lockup-Frist beendet lediglich die vertragliche Verkaufssperre. Ob Frühinvestoren, Mitarbeiter oder andere Altaktionäre tatsächlich Kasse machen, hängt von ihrer Einschätzung der Bewertung, ihren Steuer- und Liquiditätsbedürfnissen sowie vom Kursverlauf nach den Zahlen ab.

Allerdings kann sich dadurch der frei handelbare Aktienbestand (Free Float) schlagartig vergrößern. Und die Aktienschwemme bei SpaceX wird anhalten, denn am 21. August und am 10. September enden weitere Lockup-Fristen. Damit entsteht über mehrere Wochen ein Angebotsrisiko, das auf den Kurs drückt und die Begeisterung der Anleger auf die Probe stellen dürfte.

Enttäuschen am Dienstag zuvor die Quartalszahlen, könnten die freigewordenen Aktien den daraus entstehenden Abwärtsdruck zusätzlich verstärken. Liefert SpaceX dagegen einen überzeugenden Ausblick, könnte es sein, dass verkaufswillige Altaktionäre ihre Orders erst einmal zurückstellen und auf höhere Kurse warten.

Was Anleger jetzt beachten müssen

Elon Musk selbst hat die Erwartungen beim Börsengang von SpaceX hochgesetzt – jetzt muss er liefern. Denn der Kurs hat sich seit seinem Höchststand mehr als halbiert und auch wer die Aktie beim Börsengang für 135 Dollar zugeteilt bekam, steht jetzt tief im Minus.

Glänzen könnte SpaceX bei den Zahlen mit einem starken Wachstum des Satelliten-Netzwerks Starlink, neuen Raketenstarts und der KI-Fantasie rund um xAI. Auf der negativen Seite stehen die enormen Investitionskosten, die noch lange zu Milliardenverlusten führen werden, die unklare Profitabilität neuer Geschäftsfelder und ein potenziell massiver Angebotsüberhang von Aktien.

Der Markt erwartet beim Umsatz bereits einen Sprung auf knapp sieben Milliarden US-Dollar. Doch selbst ein Übertreffen dieser Marke könnte nicht reichen. Für eine positive Kursreaktion muss SpaceX der Börse zeigen, dass der Cashflow-Motor Starlink noch stärker auf Touren kommt und die Ausgaben für das neue Starship sowie die KI-Rechenzentren nicht dauerhaft jede operative Verbesserung auffressen.

Hohes Risiko

Für kurzfristig orientierte Anleger ist die Kombination aus Zahlen und Lockup ein Hochrisiko-Ereignis, da sie über Tage zu hohen Kursschwankungen führen können. Zwischen den beiden Extrem-Kurszielen von 62 US-Dollar auf der einen und 800 US-Dollar auf der anderen Seite liegen nicht nur 738 US-Dollar Differenz, sondern zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was SpaceX in den kommenden Jahren tatsächlich leisten kann.

Häufige Fragen zum Thema

Wann meldet SpaceX erstmals Quartalszahlen?

SpaceX wird seine Zahlen zum zweiten Quartal am 4. August 2026 nach Börsenschluss vorlegen.

Wann endet die Lockup-Frist für die SpaceX-Altaktionäre?

Die erste Lockup-Frist endet zwei Tage nach den Quartalszahlen, also am 6. August 2026. Danach laufen am 21. August 2026 und am 10. September 2026 weitere Lockup-Fristen ab. Die Hauptfrist endet dann am 8. Dezember 2026. 

Wie viele Aktien kommen durch den Ablauf der Lockup-Fristen neu auf den Markt?

Durch den Ablauf der ersten Tranche der SpaceX-Lockup-Fristen kommen am 6. August 2026  bis zu 911,5 Millionen Aktien neu auf den Markt. Das entspricht etwa 20 Prozent der gesperrten Insider-Bestände und mehr als einer Verdoppelung des bisherigen Streubesitzes. Am 21. August und am 10. Sptember sind es dann jeweils sieben Prozen aller ausgegebenen Aktien. Mit Ablauf der Hauptfrist am 8. Dezember 2026 werden dann theoretisch 40 Prozent aller SpaceX-Aktien frei handelbar sein - sofern ihre bisherigen Eigentümer verkaufen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.